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Systemischer Lupus erythematodes

Behandlung


Der systemische Lupus erythematodes ist eine chronische Erkrankung, deren Therapie meist viele Jahre dauert. Das individuelle Behandlungskonzept hängt davon ab, welche Organe vom Lupus betroffen sind und wie aktiv er verläuft. Obwohl die Ursachen eines Lupus nach wie vor unklar sind, kann man ihn inzwischen doch recht gut mit Medikamenten behandeln, die das überaktiv gewordene Immunsystem dämpfen. Dazu kommen begleitende Maßnahmen wie physikalische Therapien, Schmerzbehandlung, Senkung des Blutdrucks oder Vermeidung von Sonnenlicht.

 

Medikamente

Für die medikamentöse Therapie werden 4 verschiedene Substanzgruppen eingesetzt:

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

Diese Mittel haben entzündungshemmende und damit schmerzstillende Wirkung, zu ihnen gehört beispielsweise der Wirkstoff Acetylsalicylsäure (z. B. Aspirin). Es senkt auch Fieber und verhindert das Verklumpen der Blutplättchen.

Basistherapeutika

Sie gehören zur Familie der immununterdrückenden Wirkstoffe (Immunsuppressiva). Sie verringern die Aktivität des Immunsystems und sollen so die Immunreaktion gegen körpereigene Strukturen hemmen. Begleiterscheinung aller Immunsuppressiva können eine erhöhte Infektionsanfälligkeit, allergische Reaktionen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Leber- oder Nierenschädigungen sein.

  • Azathioprin
    Wird bei starken Entzündungen eingesetzt und ist in der Regel gut verträglich. Der Wirkungseintritt erfolgt nach 2-3 Monaten.
  • Cyclophosphamid
    Ist stark wirksam und wird bei schweren Verlaufsformen mit Befall verschiedener Organe und dem zentralen Nervensystem eingesetzt. Es hemmt das Zellwachstum und dadurch das Fortschreiten der Erkrankung. Cyclophosphamid kann anstelle von Kortison in der Langzeittherapie oder im Anschluss an eine Kortison-Behandlung angewandt werden. Die Wirkung tritt nach 4-6 Wochen ein.
  • Cyclosporin
    Der Wirkstoff stammt ursprünglich aus der Transplantationsmedizin, um die Abstoßung von Organen zu verhindern. Es entfaltet oft erst nach Monaten seine Wirkung, kann aber gezielt Immunzellen hemmen, ohne dass das die Immunabwehr gegen Infektionen übermäßig in Mitleidenschaft gezogen wird.
  • Mycophenolat-Mofetil (MMF)
    Ist ebenfalls entzündungshemmend und wirkt ähnlich wie Azathioprin.

Glukokortikoide

Ein großer Vorteil der Glukokortikoide gegenüber anderen Immunsuppressiva ist, dass sich ihre entzündungshemmende Wirkung bereits nach einigen Stunden bis Tagen entfaltet. Sie werden daher auch häufig bei akuten Krankheitsschüben eingesetzt. Dabei wird Kortison in hohen Dosen über einen kurzen Zeitraum als so genannte Stoßtherapie, auch Pulstherapie genannt, verabreicht.

Chloroquin

Chloroquin wird vor allem eingesetzt, wenn die Haut und Gelenke betroffen sind, außerdem bei leichten Verläufen als Alternative für Glukokortikoide. Chloroquin ist dem Chinin ähnlich und wurde ursprünglich als Mittel und zur Vorbeugung von Malaria entwickelt.

 

Physikalische Therapie

Bei Gelenkschmerzen und -entzündungen haben sich örtliche Kälteanwendungen und eine kurzfristige Ruhigstellung der Gelenke bewährt. Krankengymnastische Übungen können die Beweglichkeit der Gelenke verbessern. Eine Atemtherapie dient dazu, Atembeschwerden durch die Mobilisierung des Brustkorbes zu verringern und die Lösung von Sekret anzuregen. Dies kann das Atmen und die Sauerstoffaufnahme erleichtern und verhindert gleichzeitig die Gefahr von Lungeninfektionen.

 

Weitere Verfahren

In schweren Fällen wird nach der Behandlung mit Cyclophosphamid eine spezielle Blutwäsche (Plasmapherese) angewendet, bei der die Lupus-Antikörper aus dem Blut gespült werden sollen. Diese Methode ist allerdings wegen schwerer Infektionen, die bei einer Reihe von Patienten aufgetreten ist, umstritten. In schweren, auf die genannten Therapien nicht ausreichend ansprechenden Fällen kann eine so genannte Anti-B-Zelltherapie mit therapeutischen Antikörpern oder eine Stammzelltransplantation eingesetzt werden.

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