
Nierenschwäche (chronisch)
Ursachen & Risikofaktoren
Häufige Ursache einer chronischen Niereninsuffizienz ist die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), auf die 40% aller Fälle zurückgehen. 25% der Nierenschwäche-Patienten leiden unter entzündlichen Erkrankungen der Nierenkörperchen, den so genannten Glomerulonephritiden. Erbliche Erkrankungen wie Zystennieren (8%) sowie Bluthochdruck und nierenschädigende Medikamente (je 5%) sind weitere häufige Ursachen. Die verschiedenen Erkrankungen führen unterschiedlich schnell zu einem Abfall der Nierenfunktion.
Blutzucker und Blutdruck beeinflussen Entstehung und Fortschreiten einer chronischen Nierenschwäche maßgeblich. Bereits ein leicht erhöhter Blutdruck kann eine Nierenschwäche zusammen mit einem Diabetes rascher voranschreiten lassen. Der systolische Druck liegt bei gesunden Menschen im Bereich von 110-130 mmHg, der diastolische Druck zwischen 70-80 mmHg. Ein Druck von 140/90 und darüber gilt als erhöhter Blutdruck.
Allerdings sind die Gründe für eine chronische Nierenschwäche nicht in jedem Fall bekannt. Es scheint eine genetische Veranlagung dafür zu geben, da Menschen mit nierenkranken Verwandten ebenfalls leichter an einer Nierenschwäche erkranken. Außerdem weiß man heute, dass auch Übergewicht und Rauchen die Gefahr einer chronischen Nierenschwäche erhöhen können.
Zuckerkrankheit
Bleibt der Blutzuckerspiegel längere Zeit erhöht, besteht die Gefahr einer chronischen Nierenerkrankung. Ein erhöhter Blutzucker schädigt auf Dauer die Wände der Blutgefäße. Dies behindert den Blutfluss und damit den Nährstofftransport zu den Organen. Die Spätschäden des Diabetes an den Nieren nennt man auch diabetische Nephropathie.
Durch die Schädigung der kleinen Blutgefäße in den Nieren wird ihre die Wand durchlässiger. Kleine Eiweißpartikel, so genannte Albumine, schlüpfen durch die Gefäßwände hindurch und werden mit dem Urin ausgeschieden. Der Nachweis von Albumin im Urin ist das erste Alarmzeichen dafür, dass die Zuckerkrankheit die Nieren schädigt. Die Verengung der kleinen Blutgefäße in den Nieren hat auch zur Folge, dass das Nierengewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird und die Nierenzellen absterben.
Glomerulonephritiden
Die Nierenkörperchen sind die „Mikrofilter" der Nieren und werden auch als Glomeruli bezeichnet. Sie bestehen aus winzigen zusammengeknäuelten Blutgefäßen und filtern Salze, Stoffwechselprodukte, Schadstoffe und vor allem Flüssigkeit aus dem Blut.
Der Kontakt mit Schadstoffen im Blut kann dazu führen, dass sich die Nierenkörperchen entzünden. Die Entzündungen betreffen immer beide Nieren und mehr oder minder stark alle Nierenkörperchen.
Zystennieren
Diese angeborene Nierenfehlbildung führt in der Regel ab dem 40. Lebensjahr zu einer Nierenschwäche. Zahlreiche flüssigkeitsgefüllte Hohlräume (Zysten) schränken die Funktion des Nierengewebes stark ein.
Bluthochdruck
Bluthochdruck kann sowohl Ursache als auch Folge einer chronischen Nierenschwäche sein. Einerseits schädigt ein hoher Blutdruck die Nierenkörperchen (Glomeruli), so dass diese nach und nach ausfallen. Auf der anderen Seite werden bei nachlassender Nierenfunktion vermehrt blutdrucksteigernde Hormone gebildet. Außerdem verbleibt wegen der sinkenden Urinproduktion zuviel Wasser im Körper, was den Blutdruck ebenfalls ansteigen lässt.
Eine gestörte Nierenfunktion und Bluthochdruck bedingen und verstärken sich also gegenseitig. In vielen Fällen sind Blutdruck-Patienten deshalb gleichzeitig auch Nieren-Patienten und umgekehrt.
Medikamente
Als wichtiges Ausscheidungsorgan des Körpers filtern die Nieren Medikamente oder deren Abbauprodukte aus dem Blut. Einige dieser Substanzen können das Nierengewebe jedoch schädigen. Medikamente, die eine solche Nierenschädigung hervorrufen können, sind beispielsweise:
- Schmerzmittel: z. B. Paracetamol, Ibuprofen, Diclofenac
- Antibiotika: z. B. Aminoglykoside (Amikacin, Gentamycin, Neomycin oder Streptomycin)
- Krebsmedikamente (Chemotherapeutika)
- Jodhaltige Kontrastmittel
Besonders freiverkäufliche Schmerzmittel, können bei dauerhafter Einnahme die Nieren schädigen. So kann der Wirkstoff Paracetamol ab einer Gesamtdosis von 1.000 Gramm nierenschädigend wirken - eine Menge, die bei 2-mal täglicher Einnahme von 500-Milligramm-Tabletten nach 3 Jahren erreicht wird.
Bei unsachgemäßer Anwendung oder falscher Dosierung oder können auch Bluthochdruckmittel und harntreibende Medikamente (Diuretika) ein akutes Nierenversagen auslösen.
Erkrankungen der Blutgefäße
Chronische Erkrankungen der Blutgefäße können die Nierenfunktion beeinträchtigen. Gefäßerkrankungen können zu einem verringerten Blutfluss führen und so eine Minderdurchblutung der Nieren auslösen. Ablagerungen an der Gefäßwand, wie z. B. bei einer Arteriosklerose, können die Gefäße allmählich komplett verschließen, so dass das dahinter liegende Nierengewebe gar nicht mehr durchblutet wird und abstirbt. Dies kann auch Blutgefäße betreffen, die außerhalb der Nieren liegen. Entsteht beispielsweise eine Engstelle zwischen der Bauchschlagader (Aorta) und der Niere, spricht man von einer Nierenarterienstenose.
Zum Thema
- Was ist eine chronische Nierenschwäche?
- Ursachen & Risikofaktoren
- Erste Anzeichen
- Symptome der chronischen Nierenschwäche
- Auswirkungen & Komplikationen
- Schwangerschaft & Nierenschwäche
- Untersuchungen & Diagnose
- Behandlung von chronischer Nierenschwäche
- Verlauf & Prognose
- Vorsorge & Schutz
- Tipps für Nieren-Patienten
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