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Herz & Psyche


Es gibt Menschen, „die sich alles so zu Herzen nehmen", dass sie tatsächlich herzkrank werden. Bei etwa 40% aller Patienten mit Herzbeschwerden findet der Arzt einen typischen Konflikthintergrund, meistens begleitet von Angst. Nicht selten steckt eine so genannte larvierte (versteckte) Depression hinter den Leiden.

Häufig sind es ängstliche, depressive Menschen mit einer gewissen Neigung zur Hypochondrie, die in extremen Situationen (Trennung, Verlassen werden, Konfrontation mit dem Tod usw.) zu Herzanfällen mit unregelmäßigem Puls, Herzjagen, allgemeiner Unruhe und Platz- bis hin zu Todesangst neigen. Ihr Körper reagiert viel heftiger auf eine Belastung als der von seelisch ausgeglichenen Personen. Zudem bleibt der angespannte Zustand (erhöhter Puls, Herzklopfen usw.) länger bestehen, so dass jede weitere Aufregung die körperlichen Reaktionen noch verstärkt und der Betroffene nicht mehr zum Normalzustand zurückkehren kann. Manche von ihnen versuchen ihre Ängste durch erhöhte sportliche Aktivitäten - durch „Flucht in die Gesundheit" - zu überspielen. Patienten mit Herzphobie (auch Herzneurose oder Herzangststörung) sind im Allgemeinen jünger als organisch Herzkranke: zwischen 18 und 40 Jahre. Körperliche Ursachen machen bei dieser Erkrankung einen geringen Prozentsatz aus.

Anders sieht es bei Herzinfarkt-Patienten aus. Körperliche und psychische Faktoren halten sich hier etwa die Waage. Grundsätzlich erhöhen Übergewicht, Bluthochdruck und hoher Cholesterin- oder Blutzuckerspiegel das Risiko eines Infarktes. Sind die Betroffenen vom Typ her auch noch temperamentvoll, dominant, hyperaktiv und leistungsorientiert, kann psychischer Stress in Beruf, Familie oder Gesellschaft zum Herzinfarkt führen.

Auf angeborene Herzerkrankungen oder Herztumore hat die Psyche am wenigsten Einfluss (< 10%). Dafür beeinflusst sie den Blutdruck umso stärker. Es gibt Patienten, die aufgrund ihres Wesens zu Hochdruck neigen. Häufig wurden sie autoritär erzogen und leiden als Erwachsene unter ihren aufgestauten Aggressionen. Sie sind dominant, nachtragend und neigen zum Jähzorn. In Stresssituationen steigt ihr Blutdruck auf Grund des erhöhten Adrenalinausstoßes enorm an. Dann leiden sie unter Kopfschmerzen, Nasenbluten, Ohrensausen, Augenflimmern, können sich schlecht konzentrieren, schwitzen, schlafen schlecht und sind leicht erregbar.

Niedriger Blutdruck hingegen hängt oft mit Rückzug und Depression zusammen. Etwa 10% der Bevölkerung sind davon betroffen, Frauen 6-mal häufiger als Männer. Seelische Spannung, unterdrückte Gefühle und Überforderung lassen den Blutdruck der sensiblen Patienten sinken. Als Folge davon fühlen sie sich schwindelig, schwach und antriebslos. Sie können sich nicht konzentrieren, haben Atembeschwerden und Ohrensausen, frieren und spüren ein Kribbeln in Armen und Beinen.

Für den Arzt ist es sehr schwer, psychosomatische Herz-Kreislauf-Beschwerden zu diagnostizieren, da ihm seine Patienten ausschließlich körperliche Symptome schildern. Die Furcht, eine organische Ursache übersehen zu haben, ist groß. Ist der Grund jedoch nachweislich rein psychischer Art, helfen dem Patienten weder zu viele Kontrolluntersuchungen noch Herz-Kreislauf-Medikamente. Zweckmäßiger ist es, ihn aus seiner depressiven Stimmung heraus zu holen, sei es medikamentös oder mittels Psychotherapie.

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