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Hypochondrie


Laut Weltgesundheitsorganisation bildet sich jeder 18. Patient, der zum Arzt geht, seine Krankheit ein. Deutsche Studien gehen allerdings von weniger Betroffenen aus. Das Phänomen tritt gleichermaßen bei Frauen und Männern aller Altersklassen auf und wird von Medizinern als Hypochondrie (griech. hypochondriea = Gegend unter den Rippen; dort haben die Betroffenen oft unangenehme Empfindungen) oder Nosophobie (griech. phobie = Angst, Furcht) bezeichnet.

Bei Hypochondrie handelt es sich nicht um Wehleidigkeit, sondern vielmehr um eine ernst zu nehmende psychische Störung. So zeigen Kernspin-Aufnahmen des Gehirns, dass das so genannte limbische System, das Gefühle verarbeitet, bei Hypochondern aktiver ist als bei Kontrollpersonen. Hypochonder beobachten ihren Körper übergenau und deuten jede kleinste Veränderung als Zeichen für eine schlimme Krankheit. Auch wenn die Untersuchung durch den Arzt das Gegenteil beweist, glauben sie felsenfest, dass sie schwer krank sind. Häufig suchen sie mehrere Ärzte auf, um ihre Selbstdiagnose bestätigt zu bekommen („doctor-hopping"). Sie nehmen alle möglichen medizinischen Leistungen in Anspruch, halten sich gleichzeitig aber weniger konsequent an ärztliche Anweisungen.

Wie es zu dieser Störung kommt, ist noch ungeklärt. Die Betroffenen sind überwiegend ängstliche und vorsichtige Menschen. Ihre Erziehung und Lebenserfahrungen (Tod oder Krankheit eines nahen Angehörigen) könnten bei der Ausbildung der Störung eine Rolle gespielt haben. Hypochonder zeigen vielfach auch Symptome einer Depression oder einer Zwangsstörung, so dass Gemeinsamkeiten der Ursachen der Hypochondrie mit jenen Störungen zu vermuten sind.

Die häufig etwas abwertend, aber einprägsam als „eingebildete Kranke" bezeichneten Menschen mit hypochondrischen Störungen nehmen Körpersignale verstärkt wahr und ihre Gedanken und Gespräche kreisen nur ums Kranksein. Sie wälzen medizinische Literatur oder suchen im Internet nach Krankheitsbildern. Oft finden sie die aufgeführten Symptome bei sich selbst wieder. Manchmal versuchen die Betroffenen mit ihren „Krankheiten" Aufmerksamkeit zu bekommen, erreichen damit auf Dauer aber das Gegenteil. Angehörige und Freunde reagieren zunehmend mit Unverständnis. Dadurch ziehen sich Hypochonder mehr und mehr zurück und vereinsamen. Oft wissen sie, dass sie sich unvernünftig verhalten, können aber nichts dagegen tun.

Ärzte zögern häufig, die Diagnose Hypochondrie zu stellen. Steht Hypochondrie jedoch als Ursache für die körperlichen Beschwerden fest, hilft dem Patienten nur eine Psychotherapie. Dazu muss er allerdings einsehen, dass er psychisch und nicht physisch krank ist.

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