
Metabolisches Syndrom
Behandlung
Wichtiges Ziel einer Behandlung des Metabolischen Syndroms ist es, Folgekrankheiten zu verhindern. Dabei gilt es, möglichst frühzeitig mit der Behandlung zu beginnen, um alle Faktoren, die die Entwicklung von Komplikationen begünstigen, abzumildern oder gar zu vermeiden. Dazu gehören die Senkung der Blutfette, insbesondere des LDL- und eine Erhöhung des HDL-Wertes. Außerdem wird der Arzt Bluthochdruck und Übergewicht behandeln, da auch sie das Risiko für eine koronare Herzkrankheit erhöhen.
Die Behandlung des Metabolischen Syndroms erfolgt in mehreren Schritten. Zuerst empfiehlt der Arzt dem Patienten, durch eine Umstellung der Lebens- und Ernährungsgewohnheiten eine Besserung der Symptome zu erreichen. Wenn diese Maßnahmen keinen Erfolg bringen, kann der Arzt auch Medikamente zur Behandlung einsetzen.
Übersicht:
Umstellung des Lebensstils
Ernährung
Patienten mit einem Metabolischen Syndrom sollten darauf achten, sich bewusst und ausgewogen zu ernähren. Wichtig ist hierbei, dass sie nicht mehr Energie aufnehmen als sie verbrauchen (ausgeglichene Energiebilanz) und dass sie sich fett- und cholesterinarm ernähren.
Um dauerhaft Gewicht zu verlieren, sollten übergewichtige Menschen auf eine fettarme (weniger als 30% der aufgenommenen Energie), kohlenhydrat- (mehr als 50% der Energiezufuhr) und eiweißreiche (15-20%) Ernährung achten. Wird der Fettgehalt unter 30% gesenkt, kann es zu einem Mangel lebensnotwendiger Fettsäuren kommen. Eine solche Diät sollte deshalb von einem Arzt überwacht werden. Der Anteil gesättigter Fettsäuren sollte maximal 7-10% der Gesamtenergie betragen. Als Obergrenze für Cholesterin gelten 300 Milligramm pro Tag.
Darüber hinaus gilt eine Energiemenge von mindestens 1200 Kilokalorien täglich als Untergrenze, da es darunter zu einem Nährstoffmangel kommen kann. Deshalb sollte eine niedrigstkalorische Diät (very low energy diet) mit einem Energiegehalt von 400-800 Kilokalorien am Tag maximal 3 Monate lang und nur unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden.
Eine Umstellung der Ernährung ist ein längerfristiger Prozess, der sich in der Regel erst nach einigen Monaten auswirkt. Ziel ist weniger ein starker, kurzfristiger Gewichtsverlust, sondern eine dauerhafte Anpassung des Stoffwechsels. So genannte „Crash-Diäten" können zwar kurzfristig einen großen Effekt haben, meist ist dieser aber nicht von Dauer (JoJo-Effekt). Sie werden deshalb von Ernährungsexperten nicht empfohlen. Bei einer konventionellen Diät vergehen mindestens 3 Monate, bis die Betroffenen 10 Kilogramm Gewicht verloren haben. Für 15-40 Kilogramm benötigen sie bei konsequenter Therapie 6-24 Monate.
Um den Patienten bei der Umstellung seines Lebensstils zu unterstützen, kann eine Verhaltenstherapie sinnvoll sein. Sie soll ihn motivieren und ihm helfen, die Verhaltensänderungen im Alltag beizubehalten. Außerdem sollen starre Kontrollmaßnahmen durch flexible Kontrollen ersetzt werden.
Körperliche Bewegung
Regelmäßige körperliche Bewgung, möglichst 30 Minuten täglich, ist ein zentraler Bestandteil der Behandlung eines metabolischen Syndroms. Bewegung erhöht den Energieverbrauch und trägt so dazu bei, die Blutfette zu senken und Übergewicht abzubauen.
Verzicht auf Rauchen und Alkohol
Der Verzicht auf Nikotin beeinflusst den Cholesterinwert positiv und trägt zur Senkung des Herzinfarktrisikos bei. Eine Alkoholabstinenz wirkt sich positiv auf eine Störung des Fettstoffwechsels aus und hilft, erhöhten Blutdruck zu senken.
Andere nichtmedikamentöse Verfahren
Lipid-Apherese
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| Bild: Apherese-Apparat (Prof. Reinhard Klingel, Apherese ForschungsInstitut, Köln). |
Die Lipidapherese wird nur bei Patienten eingesetzt, die genetisch bedingt sehr hohe Werte von LDL-Cholesterin oder Lipoprotein-a aufweisen. Das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen ist dadurch sehr hoch, und Komplikationen treten früh auf. Es müssen zunächst alle anderen Möglichkeiten zur Senkung der Blutfette ausgeschöpft werden.
Operative Behandlung
Bei extremem Übergewicht mit einem Body Mass Index von 35-40 oder mehr kann der Magenumfang durch eine Operation begrenzt werden. Hierbei wird in einem minimal invasiven Eingriff (Laparaskopie) ein anpassbares Silikonband um den oberen Teil des Magens gelegt.
Ein anderes Verfahren besteht in der operativen Anlegung eines Bypasses weiter Teile des Dünndarms, in dem die eigentliche Verdauung stattfindet.
Medikamentöse Behandlung
Wenn die Umstellung der Lebensgewohnheiten alleine nicht ausreichend ist, kann der Arzt die Symptome des Metabolischen Syndroms mit Medikamenten behandeln. Experten empfehlen eine medikamentöse Therapie vor allem für Patienten mit einem Body-Mass-Index von über 27-30, die trotz nichtmedikamentöser Behandlung innerhalb von 3-6 Monaten weniger als 5 Kilogramm abgenommen haben. Dafür stehen dem Arzt je nach Symptom unterschiedliche Arzneiwirkstoffe zur Verfügung:
Behandlung von Übergewicht
- Orlistat
Orlistat ist ein so genannter Lipasehemmer. Er hemmt die Zerlegung von Nahrungsfetten im Magen-Darm-Trakt, so dass geringere Mengen davon vom Körper aufgenommen werden. 30% der aufgenommenen Fette werden unverdaut ausgeschieden. Dadurch nimmt der Körper weniger Energie- bzw. Kalorien auf. - Anorektika („Appetitzügler")
Sibutramin verhindert, dass die beiden Botenstoffe Noradrenalin und Serotonin nach ihrer Ausschüttung von Nervenzellen wieder aufgenommen werden. Sie verstärken dadurch die Aktivität des sympathischen Nervensystems und wirken so appetithemmend. Sibutramin kann dadurch das Körpergewicht um 3-6 Kilogramm senken. Allerdings hat Sibutramin eine Reihe von ernsten Nebenwirkungen und sollte daher nur unter ärztlicher Kontrolle eingenommen werden. Es darf nicht von Patienten mit Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, koronarer Herzkrankheit oder Angina pectoris eingenommen werden.
Rimonabant hemmt körpereigene Kannabinoid-Rezeptoren und wirkt ebenfalls appetitzügelnd.
Bluthochdruckbehandlung
- ACE-Hemmer und AT-1-Rezeptor-Antagonisten
Präparate dieser Wirkstoffklassen wirken über mehrere, verschiedene Reaktionswege gefäßerweiternd. Im Wesentlichen hemmen sie die Bildung des Blutdruck steigernden Hormons Angiotensin II. Sie senken nachhaltig den Blutdruck und beugen Endorganschäden vor. - Diuretika (entwässernde, harntreibende Mittel)
Zu diesen nierenwirksamen Medikamenten gehören Thiazide und Schleifen-Diuretika (speziell bei eingeschränkter Nierenfunktion) sowie kaliumsparende Diuretika. Sie steigern die Ausscheidung von Kochsalz und Wasser über die Nieren und verstärken in Kombination mit anderen blutdrucksenkenden Medikamenten deren Wirkung. - Betablocker
Betablocker sind Arzneimittel, die im Körper die so genannten ß-Rezeptoren blockieren. Dadurch wird die Wirkung bestimmter Stresshormone gehemmt (Noradrenalin, Adrenalin). - Kalziumantagonisten bzw. Kalziumkanalblocker
Kalziumantagonisten blockieren die Kalzium-Kanäle in den Herz- und Gefäßmuskelzellen. Sie vermindern den Kalzium-Einstrom in die Zellen, setzen dadurch die Gefäßspannung herab und somit auch den Blutdruck.
Behandlung von Fettstoffwechselstörungen
- Statine
Diese Medikamente hemmen die Neubildung des Cholesterins in der Leber. Die Leber nimmt zudem vermehrt Cholesterin auf und baut es ab. Sie senken das Gesamt-Cholesterin im Blut um 30-40%. Das LDL-Cholesterin sinkt um 35-45%, die Neutralfette (Triglyzeride) sinken geringfügig und das HDL-Cholesterin steigt leicht. - Cholesterin-Resorptionshemmer
Diese Substanzen hemmen die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm. Sie können so den LDL-Spiegel um durchschnittlich 20% senken. Anionentauscher
Diese Wirkstoffgruppe bindet Gallensäuren im Darm, die für die Aufnahme von Fetten eine wichtige Rolle spielen. Sie senken das Gesamt- und das LDL-Cholesterin um 20-30%, HDL-Cholesterin und Neutralfette können leicht ansteigen.Fibrate
Fibrate fördern den Abbau von triglyzeridreichen Lipoproteinen, daher kommen sie vor allem bei erhöhtem Triglyzerid-Spiegel zum Einsatz.- Abkömmlinge der Nikotinsäure
Diese Substanzen hemmen die Neubildung bestimmter Lipoproteine, sodass der Cholesterinspiegel sinkt.
Behandlung von Zuckerstoffwechselstörungen (Typ-2-Diabetes)
- Biguanide
Biguanide verzögern die Zuckeraufnahme aus dem Darm und vermindern die Zuckerbildung durch die Leber. - Glitazone
Glitazone erhöhen die Empfindlichkeit der Gewebezellen für Insulin und reduzieren dadurch die Insulinresistenz. Sie wirken sich auch positiv auf den Fettstoffwechsel aus. - Alpha-Glukosidasehemmer
Sie verlangsamen die Aufnahme von Zucker im Darm. Dadurch steigen die Blutzuckerwerte nach den Mahlzeiten nicht mehr so stark an. Meist werden Alpha-Glukosidasehemmer zu Beginn einer Diabetesbehandlung eingesetzt. - Sulfonylharnstoffe
Sulfonylharnstoffe regen die Bauchspeicheldrüse zur Bildung von Insulin an. Sie werden vor allem bei normalgewichtigen Typ-2-Diabetikern eingesetzt, meist erst dann, wenn andere Maßnahmen erfolglos waren. Da sie häufig zu einer Gewichtszunahme führen und eine bestehende Insulinresistenz verstärken, sind sie für übergewichtige Patienten weniger geeignet. - Glinide
Glinide regen die Insulinproduktion nach Mahlzeiten an und werden deshalb vor den Hauptmahlzeiten eingenommen. - Insulin
Eine Insulintherapie ist bei Typ-2-Diabetikern Standardtherapie, wenn ernährungstherapeutische Maßnahmen und blutzuckersenkende Medikamente nicht ausreichend wirken. - Inkretin-Analoga
Inkretine sind Darmhormone (z. B. GLP-1 und GIP), die die Bildung von Insulin bei der Nahrungsaufnahme bedarfsabhängig regulieren. Inkretin-Analoga ähneln den natürlichen Inkretinen und imitieren deren Wirkung. Da der Körper von Diabetikern zu wenig Inkretine bildet, können Inkretin-Analoga den Blutzuckeranstieg bei diesen Patienten begrenzen. - Inkretin-Verstärker (DPP-4-Inhibitoren)
Inkretin-Verstärker erhöhen die Konzentration von Inkretinen, indem sie verhindern, dass sie durch das Enzym DPP-4 abgebaut werden.
Behandlung von erhöhter Harnsäure
- Allopurinol
Allopurinol verhindert die Umwandlung von so genannten Purinen zu Harnsäure. Purine wiederum entstehen beim Abbau der Erbsubstanz DNA. Allopurinol wird meist zur Behandlung der Gicht eingesetzt.
Bringt die Einnahme eines Medikamentes alleine nicht die erhoffte Wirkung, kann der Arzt verschiedene Medikamente miteinander kombinieren.


