Wer zu Gichtanfällen neigt, sollte darauf achten, ausreichend zu trinken. Dazu raten die Rheumatologen des Berufsverbands Deutscher Rheumatologen (BDRh) in Bad Aibling. „Auch Wassermangel (Dehydratation) kann ein Triggerfaktor für Gicht sein“, warnt Dr. Edmund Edelmann, Vorstandsvorsitzender des BDRh und praktizierender Rheumatologe in einer Gemeinschaftspraxis in Bad Aibling. „Wer zum Beispiel fünf bis acht Gläser Wasser innerhalb von 24 Stunden trinkt, kann sein Risiko eines weiteren Gichtanfalls deutlich senken im Vergleich zu Personen, die nur ein Glas trinken. Das haben Forscher der Boston University School of Medicine festgestellt. Daraus lässt sich zwar keine grundsätzliche Empfehlung für alle Patienten ableiten, zumal der Flüssigkeitsbedarf sich individuell unterscheiden kann und z.B. von Aktivitätslevel und Medikamenteneinnahme abhängt. Gicht gefährdete Patienten sollten aber auf jeden Fall darauf achten, mindestens zwei Liter am Tag zu trinken – bei einer akuten Gichterkrankung sogar drei Liter pro Tag. Neben Wasser sind auch Saftschorlen, Kräuter- und Früchtetees geeignet. Unbedingt zu meiden sind hingegen alkoholische Getränke, da Alkohol die Harnsäureausscheidung zusätzlich hemmt.“
Unbehandelt drohen zunehmende Gelenkzerstörung und anhaltende Schmerzen
Die Gicht ist eine meist angeborene Stoffwechselerkrankung, bei der sich zunächst ohne Beschwerden Harnsäure im Blut anhäuft (Hyperurikämie), die sich schließlich in Form von Harnsäurekristallen in den Gelenken ablagert. „Diese nadelförmigen Kristalle können dann einen Gichtanfall auslösen – das heißt eine akute Entzündung des Gelenks mit schmerzhafter Rötung, Überwärmung und Schwellung, wobei beim ersten Gichtanfall oft das Großzehengrundgelenk betroffen ist“, berichtet Edelmann. „Diese Entzündung klingt zwar nach einigen Tagen wieder ab, meist folgen aber weitere Gichtanfälle, die unbehandelt im chronischen Stadium zu einer zunehmenden Gelenkzerstörung und anhaltenden Gelenkschmerzen führen können. Neben der gestörten Harnsäureausscheidung kommt als Ursache meist noch eine übermäßige Zufuhr von so genannten Purinen in der Nahrung hinzu, bei deren Abbau Harnsäure entsteht, weshalb man bei Gicht auch von einer Wohlstandskrankheit spricht. So kann durch eine Fehl- oder Überernährung mit purinreichen Lebensmitteln (z.B. Fleisch, Innereien, manche Fischsorten) und zusätzliche Hemmung der ohnehin schon verminderten Harnsäureausscheidung durch Alkohol oder auch Medikamente der Harnsäuregehalt des Körpers auf das über 30-fache ansteigen!“
Auch auf alkoholfreies Bier verzichten
Gichtgefährdete Patienten sollten daher auf Alkoholika verzichten, insbesondere auf Bier, da es zudem viele Purine enthält. „Und zwar auch das alkoholfreie Bier“, gibt Edelmann zu bedenken. „Zur Behandlung der Gicht stehen uns in erster Linie effektive Medikamente zur Verfügung, um die Harnsäurebildung bzw. die Entzündung zu unterdrücken. Patienten können aber durch ausreichendes Wassertrinken natürlich zusätzlich helfen, die Harnsäuremenge im Blut zu verdünnen und damit das Risiko eines Gichtanfalls zu verringern.“