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29.12.2010

Rheumatherapie bei Kindern individuell anpassen

Dass Rheuma erst mit dem Alter kommt, ist ein Vorurteil. Tatsächlich treten manche Formen rheumatischer Erkrankungen bei Kindern durchaus häufiger auf als beispielsweise die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Viele rheumatische Erkrankungen in jungen Jahren sind heilbar, bei der Behandlung treten aber oft Nebenwirkungen auf. Prof. Dr. Johannes Roth und Dr. Dirk Holzinger vom Institut für Immunologie der Universität Münster arbeiten derzeit an einer neuen Methode, um die Therapie besser auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten abzustimmen.

 „Es ist bekannt, dass ein bestimmtes Entzündungsprotein – der Tumornekrosefaktor-alpha (TNF- α) – das angeborene Immunsystem beeinflusst“, erläutert Dr. Dirk Holzinger. „Medikamente, die die Wirkung des Proteins blockieren, werden erfolgreich zur Rheuma-Therapie eingesetzt.“ Die Hemmstoffe helfen allerdings nicht in allen Fällen: manche Patienten sprechen darauf an, andere nicht. Wie genau TNF-α auf Zellebene wirkt, soll deshalb näher untersucht werden. Die Wissenschaftler wollen damit das Fundament für die Entwicklung einer Methode legen, die eine wesentlich präziser auf die Kinder abgestimmte Therapie erlaubt – so ließen sich unnötige Nebenwirkungen und hohe Kosten vermeiden.

Wenn die TNF-α-Wirkung besser verstanden wird, können die entsprechenden Hemmstoffe gezielter angewendet werden. Bisher ist nämlich unklar, welche Kinder in welchem Maß von der Therapie profitieren. Einen ersten Erfolg haben die Forscher bereits errungen: Mit einem in Münster entwickelten Test kann ein weiteres, wichtiges Entzündungsprotein (S-100) nachgewiesen werden. Die freigesetzte Protein-Menge ist eng an die Krankheitsaktivität gekoppelt und eignet sich deshalb als Anhaltspunkt für den Therapiebedarf. In den vergangenen Jahren konnten die Wissenschaftler aus Münster belegen, dass Kinder, denen nach erfolgreicher Therapie ein Rückfall der Erkrankung droht, schon Monate im Voraus erhöhte Werte für diesen Entzündungsmarker aufweisen – in diesen Fällen könne durch Medikamente gezielt vorgebeugt werden. Umgekehrt zeigen Patienten mit lang anhaltender Inaktivität der Grunderkrankung unauffällige Werte.

In dem neuen Projekt soll nun in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universität Rotterdam untersucht werden, wie man schon vor Therapiebeginn feststellen kann, welche Patienten von einer TNF-α-Hemmung profitieren. Dafür wird unter anderem das 50.000-Euro-Preisgeld verwendet, das den Forschern im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie in Hamburg von einem internationalen Fachgremium zugesprochen worden ist. An der Medizinischen Fakultät der Uni Münster besteht seit mehr als 20 Jahren ein Schwerpunkt auf dem Gebiet der Kinderrheumatologie.



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