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15.08.2007

Kann Akupunktur beim Reizdarm-Syndrom helfen?

Wissenschaftler vom Universitätsklinikum Heidelberg untersuchten in einer Studie 43 Patienten, die sie 5 Wochen lang jeweils 2-mal wöchentlich akupunktierten. Anhand eines speziellen Fragebogens wurden z.B. die Auswirkungen auf Schmerzen, Tagesaktivität, Schlaf und die Verdauung untersucht. Um eine „Schein"-Wirkung - den so genannten Plazebo-Effekt - auszuschließen, verglichen die Forscher die Wirkung von „echter" Akupunktur mit einer Schein-Behandlung. Dabei wird die Akupunktur nur simuliert, ohne dass Muskelzellen und Nerven von der Nadelspitze in der Tiefe berührt werden.

Kortisol im Speichel wird gesenkt

Ein Vergleich der beiden Behandlungsarten ergab einen positiven Effekt auf das so genannte parasympathische Nervensystem - dem Teil des vegetativen Nervensystems, der erholungs- und entspannungsfördernde Anreize vermittelt. Durch Messungen im Speichel der Patienten fanden sie heraus, dass unter Akupunktur der Parasympathikus gestärkt wird und der Spiegel des Stresshormons Kortisol absinkt. Ein gestärkter Parasympathikus und ein erniedrigter Kortisol-Spiegel bedeuten geringeren Stress.

Darüber hinaus verringerte die echte Akupunktur die Schmerzen der an der Studie teilnehmenden Reizdarmsyndrom-Patienten. Bei der Schein-Akupunktur konnte diese eindrucksvolle Stärkung des parasympathischen Nervensystems nicht beobachtet werden.

Die Lebensqualität der Patienten verbesserte sich dagegen in beiden Behandlungsgruppen. die Wirkung der Akupunktur scheint in diesem Punkt auf psychische Faktoren zurückzuführen zu sein und unterscheidet sich nicht von der simulierten Akupunktur (Plazebo-Effekt).  

Zu geringe Patientenzahl

Dr. Martin Strauch vom Berufsverband Deutscher Internisten schränkt jedoch die Aussagekraft der Untersuchung ein: „Die Anzahl der Patienten in der Studie ist zu gering, um die Wirksamkeit der Akupunktur beim Reizdarm-Syndrom zu belegen. Leider gibt es bislang keine größeren Untersuchungen zu diesem Thema. Deshalb müssen wir abwarten, ob weitere Studien mit deutlich mehr Teilnehmern die Ergebnisse bestätigen."

Unter einem Reizdarmsyndrom leiden 5-15% der Bevölkerung. Die Krankheitsursache ist nicht bekannt. Die Patienten klagen über ein schmerzhaftes Spannungsgefühl im Bauch sowie über - im Wechsel mit Verstopfung auftretenden - Durchfall, der länger als 6 Monate anhalten kann. Eine wirksame Behandlung gibt es bislang nicht.

Verschiedene Nachrichten zum Reizdarmsyndrom finden Sie auch unter www.aerzte-im-netz.eu/



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