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19.01.2011

Bluttest könnte Erkrankung an Rheumatoider Arthritis vorhersagen

Eine Erkrankung an Rheumatoider Arthritis (RA) ist oft schwierig zu diagnostizieren, da sie sich meist mit recht unspezifischen Beschwerden wie Morgensteifigkeit und Schmerzen in den Gelenken bemerkbar macht, die allerdings auch zu Beginn anderer rheumatischen Erkrankungen wie Lupus, Fibromyalgie oder Arthrose auftreten können. Dennoch ist eine frühe Erkennung und Behandlung besonders wichtig, um ein Fortschreiten der Erkrankung – und damit bleibende Schäden an den Gelenken zu verhindern. Forscher des University Hospital im schwedischen Umea haben herausgefunden, dass bestimmte Botenstoffe im Blut (so genannte Zytokine, Chemokine und weitere Faktoren) bereits vor der Manifestation einer RA deutlich erhöht sind – und zwar lange, das heißt Jahre, bevor die ersten Beschwerden einer RA auftreten (siehe Arthritis & Rheumatism (2010), Band 62/2, Seite 383-391). Ein entsprechender Bluttest könnte daher eine frühere Diagnose und Behandlung der Krankheit ermöglichen und damit die Chancen auf eine erfolgreiche Bekämpfung der Krankheit bzw. Krankheitsstillstand (Remission) erhöhen.

Für die Untersuchung wurden Blutproben aus einer Datenbank untersucht, und zwar das Blut von 86 Personen, die erst im späteren Verlauf ihres Lebens an einer RA erkrankten, sowie Blutproben von 69 RA-Patienten und von 256 Gesunden. Von den 30 Botenstoffen, die die Forscher genauer unter die Lupe nahmen, waren einige schon Jahre vor dem Auftreten der ersten Krankheitsanzeichen deutlich erhöht. Bei bereits an RA erkrankten Patienten waren hingegen andere Botenstoffe im Vergleich zu den noch nicht Erkrankten und den Gesunden der Kontrollgruppe auffällig angestiegen. Das bestätigt die bisherige Vorstellung über die Entwicklung einer RA, dass das Immunsystem stufenweise aktiviert wird und der Prozess, der letztendlich zu einer RA führt, einsetzt, lange bevor erste Symptome der Krankheit auftreten. Aufgrund dieser Erkenntnisse hoffen die Forscher, betroffene Patienten künftig mit einem entsprechenden Bluttest früher erkennen und behandeln zu können, um so eher den Krankheitsverlauf abmildern oder sogar zum Stillstand bringen zu können. Noch ist ein solcher Bluttest allerdings nicht verfügbar. Manche Ärzte - wie Prof. Alan Silman von der Arthritis Research Campaign - zweifeln auch an seiner praktischen Bedeutung, da es schwierig sein könnte, Patienten ohne Symptome mit einem Test behelligen zu wollen. 

Darüber hinaus stehen in der Forschung seit 2010 neue Klassifikationskriterien (ACR/EULAR-Kriterien) zur Verfügung, um Personen mit einem hohen, familiär bzw. genetisch bedingten RA-Risiko frühzeitig identifizieren zu können. Diese Kriterien sind dazu geeignet, Patienten in einem sehr frühen RA-Stadium zu erkennen - wie eine aktuelle Untersuchung zeigt, die vor kurzem auf dem ACR-Kongress (American College of Rheumatology) in Atlanta vorgestellt wurde (siehe ACR 2010, Abstract Nr. 658). Voraussetzung ist, dass der Patient eine Entzündung an mindestens einem Gelenk aufweist; dann wird ein so genannter Score ermittelt, in dessen Gewichtung u.a. auch die Dauer der Beschwerden, die Menge an Antikörpern im Blut und erhöhte Entzündungsmarker mit einfließen. Eine gesicherte RA als  Diagnose erfolgt bei einem Score größer/gleich 6. Nach Angaben von Studienleiter Prof. Holers aus Denver sind die ACR/EULAR –Klassifikationskriterien ein hervorragendes Tool, um Patienten mit einer sehr frühen RA zu identifizieren. Damit sollte es in der Forschung auch möglich werden, frühere RA-Krankheitsstadien als bisher zu untersuchen. Die frühere Diagnosestellung ermöglicht die frühzeitigere Einleitung der richtigen Behandlung und führt dadurch zu einem günstigeren Krankheitsverlauf.



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