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10.03.2011

Herzfehler und Kinderwunsch schließen sich nicht aus

„Mittlerweile erreichen heute über 90 Prozent der Patienten mit angeborenen Herzfehlern das Erwachsenenalter. Es ist klar, dass diese jungen Menschen auch Kinder haben wollen", meint  Prof. Roland Hetzer vom Deutschen Herzzentrum. Noch vor 20 Jahren habe man Frauen mit Herzfehlern generell von einer Schwangerschaft abgeraten. Das sei heute anders. Allerdings müsse ein Team aus Kardiologen, Geburtshelfern und Anästhesisten bei der Betreuung solcher Schwangerschaften eng zusammenarbeiten.

Am Virchow Klinikum der Charité ist die Kooperation zwischen der Geburtshilfe, der Anästhesie und dem Herzzentrum, das sich auf demselben Campus befindet, deshalb ausgebaut worden. „Wir haben die Mortalität bei angeborenen Herzfehlern heute gut im Griff. Oft werden die Patienten in guter Lebensqualität erwachsen", berichtet Kinderkardiologe Prof. Felix Berger. Bei der Frage nach eigenem Nachwuchs komme es aber sehr auf die individuelle Situation der Frau und die Komplexität ihres Herzfehlers an.

„Bestenfalls wird die Schwangerschaft genau geplant und die Patientin geht schon vorher zum Arzt", erklärt Kardiologin Nicole Nagdyman. Nach Aufklärungsgesprächen und einer Risikoabschätzung gelte es dann, die Schwangerschaft besonders engmaschig zu begleiten.

Denn diese Phase bedeutet auch für das Herz-Kreislauf-System besonderen Stress: So ist etwa allein das Blutvolumen um 50 Prozent erhöht und der Blutdruck steigt oft an.

Das zweite komplexe Problem: Eine Frau mit angeborenem Herzfehler hat ein erhöhtes Risiko, dass auch ihr Kind einen solchen Defekt hat. In Berlin kamen 2009 insgesamt 350 Kinder mit einem angeborenen Herzfehler auf die Welt, das Gros jedoch von völlig gesunden Müttern. Bundesweit sind es laut Kinderherzstiftung pro Jahr etwa 7000 Kinder. „Zum Glück haben wir heute so gute pränatale Diagnosemöglichkeiten durch Ultraschall, dass fast kein Fall unentdeckt bleibt", erläutert der Geburtshelfer Prof. Wolfgang Henrich. So könnten meist schon vor der Entbindung die erforderlichen Behandlungsabläufe genau geplant werden, Anästhesisten und Kardiologen für Mutter und Kind stünden in Rufbereitschaft.

„In Berlin leben wir da im Schlaraffenland. 95 Prozent der kindlichen Herzfehler werden hier schon vor der Geburt erkannt", so Henrich. In anderen Regionen Deutschlands liege diese Quote bei nur 20 bis 25 Prozent. „Nicht jeder niedergelassene Gynäkologe, der ein Ultraschallgerät hat, besitzt auch die fachliche Qualifikation, um eine solche Diagnose zu stellen."

Eine Schwangerschaft trotz Herzfehler sei natürlich - auch wegen des erhöhten Frühgeburtsrisikos - kein Spaziergang, betonten die Experten. Aber die Bestätigung dafür, dass auch ein beschwerlicher Weg zum Ziel führen kann, saß im Herzzentrum mit am Tisch: Ivonne Chlebosch, vor 33 Jahren mit schwerstem Herzfehler geboren und mehrfach operiert, ist heute selbst Mutter eines gesunden Dreijährigen - dank Rundumbetreuung des Berliner Spezialistenteams.

Quelle: dpa



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