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09.03.2011

Portugal: Jede dritte Muschel birgt Hepatitis-A-Gefahr

Mehr als 30% aller Muscheln und Schalentiere, die an Portugals Küste gezüchtet werden, sind mit Hepatitis-A-Erregern – einem Virus, das eine infektiöse Leberentzündung auslösen kann – belastet. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, bei der mehr als 2000 Meerestiere auf Verunreinigungen mit Krankheitskeimen getestet wurden. Die untersuchten Proben stammten aus 10 verschiedenen Aquakulturen in Portugal – von der Mündung des Minho-Flusses im Norden von Portugal bis zur Hafenstadt Figueira da Foz, die etwa 200 Kilometer nördlich der Hauptstadt Lissabon liegt. Neben den bekannten Miesmuscheln waren auch Herzmuscheln, Venusmuscheln, Austern und Trogmuscheln mit Hepatitis-Viren verseucht. Die Kontaminierung wurde auch in Aquakulturen registriert, die der höchsten Güteklasse A angehören. „Diese neuen Ergebnisse bestätigen frühere Studien, die im Norden Spaniens oder auch im Mittelmeer gemacht wurden. Überraschend ist allerdings, dass auch Schalentiere betroffen sind, die in Gewässern der höchsten Güteklasse wachsen. Wir wissen, dass Muscheln und Schalentiere Krankheitserreger anreichern. Somit kann auch der Verzehr von Meeresfrüchten in Portugal eine Gefahr darstellen, sofern diese roh oder nicht ausreichend gegart gegessen werden“, warnt Prof. Thomas Löscher vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI).  Und nicht nur die Verunreinigung mit Viren wurde untersucht. Die Wissenschaftler verglichen auch die Belastung der Schalentiere mit dem Bakterium Eschericha coli – einem Darmbakterium – mit der Virenbelastung im Muschelfleisch. Das Ergebnis: Die Kontamination mit Bakterien gibt keinen Hinweis auf eine gleichzeitige Infektion mit Viren. „Für eine Verunreinigung mit Escherchia coli gibt es Obergrenzen, die von der EU festgelegt werden. Leider geben diese Grenzwerte dem Verbraucher keine Hinweise darauf, ob die Nahrungsmittel auch mit krankmachenden Viren kontaminiert sind. Diese neuen Studienergebnisse zeigen, dass dies aber häufig der Fall ist. Fast 70% aller untersuchten Proben waren mit Viren belastet – darunter auch die gefährlichen Hepatitis-Erreger“, so Löscher.

Impfempfehlung für Muschelliebhaber
Das Hepatitis-A-Virus ist einer der häufigsten Auslöser für eine akute Hepatitis. Das Virus wird in erster Linie durch Schmierinfektion übertragen, vor allem durch verunreinigtes Trinkwasser und kontaminierte Lebensmittel. „Die möglichen Symptome der Erkrankung reichen von Fieber, Übelkeit, Durchfall, Schwindel bis zur Dunkelfärbung des Urins und Gelbfärbung der Haut“, erklärt Prof. Löscher. Die Schwere der Erkrankung steigt mit zunehmendem Alter – selten kommt es auch zu Todesfällen, insbesondere wenn  eine Vorschädigung der Leber besteht . In den meisten Fällen heilt eine Hepatitis-A-Erkrankung folgenlos aus. Allerdings kann sich die Erkrankung durchaus lange hinziehen. Daher der Tipp des Experten: „Niemand weiß, wie lange die Meeresfrüchte bei der Zubereitung in einem Restaurant gegart werden – wir wissen aber, dass die Hepatitis-Viren äußerst resistent sind und auch bei höheren Temperaturen vermehrungsfähig bleiben. Insofern kann der Verzehr von beliebten Gerichten wie Spaghetti Vongole oder Muscheln in Weißweinsoße im Urlaub durchaus eine Gefahr darstellen. Wer also gerne Muscheln und Schalentiere isst, sollte gegen Hepatitis A – die so genannte Reisegelbsucht - geimpft sein“, empfiehlt der Reisemediziner, der auch Leiter des Tropeninstitutes in München ist.

Eine Hepatitis-A-Impfung ist noch kurzfristig vor Reisebeginn möglich. Schon nach ca. 10-14 Tagen hat sich der Schutz aufgebaut - selbst nach einer Virusexposition hat die Impfung bis zu 2 Wochen danach noch eine protektive Wirkung. Aufgrund der langen Inkubationszeit (Dauer zwischen Ansteckung und Krankheitsausbruch) gibt sogar eine „Last-Minute“-Impfung kurz vor Abreise noch einen Schutz. Die Impfung selbst ist gut verträglich und schützt mindestens 1-2 Jahre. Eine weitere Impfung, normalerweise nach frühestens 6 Monaten, bietet dann einen Langzeitschutz für mindestens 10 Jahre.



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