Auf der letzten Tagung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) im September 2011 in München erläuterte der diesjährige Kongresspräsident, Prof. Dr. med. Hendrik Schulze-Koops, Leiter der Rheumaeinheit am Klinikum der Universität München, dass sich die Therapiemöglichkeiten für Patienten mit einer rheumatoiden Arthritis in den letzten zwei Jahrzehnten erheblich verändert haben und inwiefern sie künftig durch den Einsatz von Biomarkern möglicherweise noch verbessert werden könnten.
Die rheumatoide Arthritis ist die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung. An ihr
leiden etwa ein Prozent der Erwachsenen. Sie führt ohne Therapie bei zwei von drei Patienten zur Zerstörung von Knochen, Knorpeln und Gelenken, zu zunehmender körperlicher Behinderung, die auch die Verrichtungen des täglichen Lebens zur Qual machen können. Und sie führt bereits in den ersten drei Jahren bei über der Hälfte der Betroffenen zur permanenten Arbeitsunfähigkeit. Aufgrund ihres chronischen Verlaufs und der dramatischen Auswirkungen auf das private und das berufliche Leben stellt die rheumatoide Arthritis die teuerste Erkrankung in Deutschland dar - mit geschätzten 20 Milliarden Euro direkten und indirekten Kosten pro Jahr.
Zum Glück haben sich die Therapiemöglichkeiten der Patienten mit einer rheumatoiden
Arthritis in den letzten zwei Jahrzehnten dramatisch geändert. Durch die Biologika, molekularbiologisch hergestellte Substanzen, gelingt es heute zuverlässig, chronische
Entzündungsreaktionen zu beenden und damit den Motor der Knochen- und Gelenkzerstörung
zu stoppen. Knochenzerstörung muss heute nicht mehr sein. Der Preis dafür ist allerdings, dass sich die Jahrestherapiekosten pro Patient auf etwa 25.000 Euro belaufen und dass die Einnahme der Medikamente mit bestimmten Nebenwirkungen verbunden sein kann.
Parallel zum Einsatz der Biologika hat sich auch die Betreuung der Patienten durch
Rheumatologen gewandelt. Eine intensive, das heißt in kurzen Abständen erfolgende,
regelmäßige Überwachung trägt dazu bei, dass jede Aktivität der Erkrankung frühzeitig
erkannt und rechtzeitig eine Intensivierung der Therapie eingeleitet werden kann.
Da die rheumatoide Arthritis heterogen verläuft und bei einem Drittel der Patienten keine
Knochen zerstört, wenig Behinderung verursacht und nicht zur Arbeitsunfähigkeit führt, lautet das neue Problem in der Behandlung der Patienten mit rheumatoider Arthritis jetzt: Welcher Patient entwickelt eine Erkrankung, die zur Gefahr wird, Knochen zerstört und den Patienten permanent behindert? Welcher Patient benötigt daher eine maximale, auch teure Therapie und intensive Betreuung? Bei welchem Patienten ist das hingegen nicht nötig? Und welcher Patient würde vielleicht durch eine intensive Therapie sogar eher gefährdet?
Einen Schritt weiter gedacht, fragen sich die Rheumatologen: welcher Patient spricht auf
welche spezifische Therapie an, und bei welchem Patienten ist die ins Auge gefasste Therapie
eher nicht erfolgversprechend? Daher wird weltweit daran geforscht, Indikatoren zu finden, die helfen, diese Fragen zu beantworten. Solche Indikatoren können Eiweißstoffe sein, Stoffwechselprodukte, Genvarianten oder Vermittler (Mediatoren) von Entzündungsreaktionen und werden als Biomarker bezeichnet.
Biomarker, die einen schweren Krankheitsverlauf der rheumatoiden Arthritis vorhersagen
lassen, sind zum Beispiel hohe Entzündungswerte im Blut, eine hohe Anzahl geschwollener
und schmerzhafter Gelenke, aber auch eine bestimmte Form des Gens für den Rezeptor für
Interleukin-4 oder hohe Serumspiegel des Entzündungshormons Interleukin-22. Diese Parameter erlauben eine gute Einschätzung des individuellen Krankheitsverlaufes, wie Studien gezeigt haben.
Biomarker, die mit einem guten Ansprechen auf eine bestimmte Therapie korrelieren, sind
zum Beispiel der Rheumafaktor oder die für die rheumatoide Arthritis so charakteristischen
Antikörper gegen citrullinierte Peptide. Sie weisen auf ein besonders gutes Ansprechen auf
bestimmte Biologika hin und können so für die individuelle Therapieplanung herangezogen werden.
Ideal wäre es, wenn gleich mehrere Biomarker identifiziert würden, die zusammen den
Progress der Erkrankung und das Ansprechen auf bestimmte Therapien anzeigen können.
Die Forschung ist noch nicht ganz so weit, aber es gibt sehr viele vielversprechende
Ansätze, die auch auf der letzten auf der DGRh-Tagung diskutiert wurden und den Weg in die personalisierte Medizin in der Rheumatologie ebnen sollen.
Quelle: Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)