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24.11.2011

Gesunder Lebensstil beugt Bluthochdruck vor

Bluthochdruck gehört zu den lautlosen, schleichenden Erkrankungen, die - zu spät erkannt - das Leben gefährden. Rechtzeitiges Gegensteuern kann das Schlimmste verhindern. Und das geht nicht nur mit Medikamenten. „Einen mäßig erhöhten Blutdruck merkt man nicht", warnt Dr. Hans-Jörg Hippe, Kardiologe am Universitätsklinikum Münster. „Wir haben kein Wahrnehmungsorgan dafür." Über längere Zeit kann Bluthochdruck aber die Gefäßwände verändern und zu Schäden an Herz, Blutgefäßen, Nieren und Hirn führen. Mögliche Folgen sind Schlaganfall, Herzinfarkt oder Nierenversagen. „Das sind häufig erst die Ereignisse, wo bemerkt wird, dass der Blutdruck zu hoch war."

Doch so dramatisch muss es gar nicht sein. Dr. Heribert Brück vom Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK) berichtet von Patienten, die etwa mit dem Verdacht auf Herzkranzgefäß-Erkrankungen in seine Praxis kommen, tatsächlich aber an zu hohem Blutdruck leiden. „Sie haben Schwindel, Kopfschmerzen oder einen Druck in der Brust."

Solche Symptome machen sich Hippe zufolge erst bemerkbar, wenn der obere Blutdruckwert bei mehr als 200 Millimetern Quecksilbersäule (mmHg) liegt. Normal sind nach Angaben der Deutschen Hochdruckliga Werte um 120/80 mmHg. Erst ab einem Wert von 140/90 und mehr spreche ein Arzt von der sogenannten Hypertonie. Werte zwischen 140/90 und 159/99 mmHg werden als leichte Hypertonie bezeichnet, zwischen 160/100 und 179/109 als mittelschwere. Auch hier bemerken Betroffene in der Regel noch nichts von ihrem Problem. Erst alles, was über 180 liegt, gilt als schwere Hypertonie.

Die einfachste Art, erhöhtem Blutdruck auf die Spur zu kommen, ist regelmäßiges Messen - bei jedem Arztbesuch oder in einer ruhigen Minute zu Hause. Besonders auf ihren Blutdruck achten sollten Menschen, bei denen nahe Verwandte hohen Blutdruck haben, sowie Ältere, Übergewichtige, Diabetiker und Nierenkranke. „Die sind ganz besonders gefährdet", betont Hippe.

„Wenn die Werte mehrfach über 140 liegen, sollte man etwas dagegen tun", bekräftigt Brück. „Es ist kein Kavaliersdelikt, mit zu hohem Blutdruck unterwegs zu sein." An erster Stelle steht die nicht-medikamentöse Behandlung. „Ich spreche bewusst von Behandlung, um meinem Patienten zu signalisieren, man tut schon etwas, man nimmt es ernst", erläutert der niedergelassene Kardiologe. Unter Umständen lässt sich dadurch die Therapie mit Medikamenten vermeiden.

Die Experten der Deutschen Herzstiftung, die die diesjährigen Herzwochen im November unter das Motto „Herz unter Druck" gestellt haben, empfehlen Bluthochdruckpatienten zunächst, dauerhaft gesund zu leben. Dazu gehört zum Beispiel regelmäßige Ausdauerbelastung in Form von flottem Gehen, Radfahren, Joggen oder Schwimmen - möglichst fünfmal pro Woche je 30 Minuten. Brück rät ergänzend zu etwas Krafttraining.

Abnehmen ist ebenfalls wichtig. „Es gibt ganz klare Zusammenhänge mit dem Gewicht", bestätigt Brück. Mit jedem Kilogramm weniger sinke der Blutdruck um ein bis zwei mmHg. „Studien zufolge bringen einzelne Medikamente nicht unbedingt mehr." Der Alkoholgenuss sollte ebenso wie die Kochsalzzufuhr möglichst gering sein, die Ernährung gesund und ausgewogen - also möglichst wenig Fertigprodukte enthalten. Auch Rauchen sollte tabu sein. Darüber hinaus raten die Experten unisono dazu, Stress zu vermeiden.

Wenn doch Medikamente erforderlich sind, muss der Patient in der Regel mehrere davon einnehmen. „Das Ziel, den Bluthochdruck auf 140/90 abzusenken, lässt sich meist nicht mit einem Präparat erreichen", erläutert Hippe. Außerdem ließen sich mit verschiedenen Wirkstoffen die Nebenwirkungen besser im Griff halten.

Betroffen von Hypertonie sind der Hochdruckliga zufolge schätzungsweise 35 Millionen Bundesbürger. Aber nur etwa die Hälfte weiß davon, von diesen lassen sich wiederum nur etwa 7 Millionen behandeln - das entspricht 20 Prozent der Betroffenen. Und nur 1,75 Millionen behandelte Patienten erreichen gute Blutdruckwerte. Der gemessene Blutdruck entspricht dem Druck in den Arterien. Bei der Blutdruckmessung werden zwei verschiedene Werte gemessen. Das hängt mit dem An- und Absteigen des Drucks in den Arterien während der Pumparbeit des Herzmuskels zusammen. Der obere (systolische) Wert entspricht dabei dem höchsten, der untere (diastolische) Wert dem niedrigsten Druck in der Arterie.

Eine neue Broschüre der Deutschen Herzstiftung „Bluthochdruck heute - Lebensstil, Medikamente, neue Verfahren" ist für drei Euro in Briefmarken erhältlich bei der Deutschen Herzstiftung e.V., Vogtstr. 50, 60322 Frankfurt.

 

Quelle: dpa



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