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01.02.2012 Geschlechtsspezifische Unterschiede bei Rheuma Eine Vielzahl von Krankheitsbildern, die man dem rheumatischen Formenkreis zurechnet, können Frauen wie Männer betreffen. Dennoch gibt es bei rheumatischen Erkrankungen ausgeprägte geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich der Häufigkeiten, der Ausprägung der Krankheitsbilder, des Krankheitsverlaufs und der gesundheitlichen Auswirkungen. Daher sollte auch auf dem Gebiet der Rheumatologie die so genannte Gendermedizin (die sich mit geschlechtsspezifischen Unterscheiden auseinandersetzt) unbedingt stärker in Forschung, Lehre und medizinischer Versorgung berücksichtigt werden. Dazu fordert Prof. Dr. Erika Gromnica-Ihle, Rheumatologin und Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga, auf. Bei einer Untersuchung durch das Institut für geschlechterspezifische Forschungen in der Medizin (GIM, Berlin) habe sich gezeigt, dass die Geschlechtsspezifik im Management der rheumatischen Erkrankungen bisher nur in acht Prozent der analysierten Studien beachtet wurde. Zunächst einmal fällt nach Angaben von Prof. Dr. Erika Gromnica-Ihle auf, dass Frauen von bestimmten rheumatischen Erkrankungen häufiger und stärker betroffen sind als Männer. „Die meisten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen weisen die Dominanz des weiblichen Geschlechts auf, es gibt also keine gleiche Verteilung zwischen Mann und Frau. Bei der weit verbreiteten Rheumatoiden Arthritis (RA) haben wir ein Verhältnis von 3:1 zwischen Frauen und Männern, beim systemischen Lupus erythematodes beträgt es sogar 7:1. Selbst beim Morbus Bechterew, der früher als fast ausschließliche Männerkrankheit galt, nähert sich das Geschlechtsverhältnis zunehmend einer Gleichverteilung. Das ist aber nur die eine Seite der Betrachtung. Nimmt man die einzelne Erkrankung, so stellt sich heraus, dass das klinische Bild und der Krankheitsverlauf bei Frauen und Männern unterschiedlich sind. Bessere Kenntnisse über diese Geschlechtsdifferenzen sollten dann auch zu stärkerer individueller Therapie für jede Rheuma-Patientin, jeden Rheuma-Patienten führen, die das Geschlecht ebenso berücksichtigt wie andere Parameter - Alter, individuelles Krankheitsempfinden, Begleiterkrankungen usw. Das heißt: Wir brauchen noch mehr verlässliche Studien dazu und wir brauchen Leitlinien und Therapieempfehlungen, die dies berücksichtigen." Offenbar unterscheidet sich auch die Schmerzwahrnehmung bei Männern und Frauen. „Unbestreitbar ist, dass z. B. bei der RA Schmerzschwelle und Schmerzgrenze bei Frauen deutlich niedriger sind als bei Männern", erklärt Prof. Gromnica-Ihle. „Patientinnen geben stärkere Schmerzen an als Männer mit einer RA. Auch sind die Funktionseinschränkungen bei Frauen deutlich stärker als bei Männern und nehmen bei Frauen im Altersverlauf auch stärker zu. Die Studien haben aber auch gezeigt, dass beim Vorliegen einer RA weniger Frauen als Männer eine Remission (d.h. eine geringe Krankheitsaktivität oder einen Stillstand der Krankheit) erreichen. Hier müssen wir ansetzen, um z. B. bei Frauen die gleichen Behandlungserfolge zu erreichen wie bei Männern. Eine norwegische Untersuchung hat auch gezeigt, dass Frauen mit RA im Alter zwischen 18 und 45 Jahren - also noch sehr jung - ein vierfach höheres Risiko der Erwerbsunfähigkeit haben als Männer gleichen Alters. Damit kommen Gesundheits- und soziale Faktoren ins Spiel." Quelle: Gendermed.info Weitere Meldungen zum Thema:
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