Internisten im Netz

News


12.02.2016

Was passiert im Herz nach einem Infarkt?

Nach einer Schädigung des Herzmuskels - beispielsweise durch einen Herzinfarkt oder eine Herzmuskelentzündung bedingt - laufen bestimmte Reparatur- und Heilungsvorgänge im Herzmuskel an. Wie diese genau ablaufen, war bislang aber unbekannt. Forschern des Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI) und der Nuklearmedizin des Universitätsklinikums Würzburg ist es jetzt gelungen, diejenigen Zellen abzubilden, die nach der Organschädigung wichtige Funktionen einnehmen (siehe International Journal of Cardiology 2015, Band 194, Seite 44 -49 und European Heart Journal, Online-Vorabveröffentlichung am 20.6.2015). Damit kann die Prognose für die Entwicklung einer Herzschwäche, die dem Infarkt oder der Entzündung meistens folgt, genauer und besser durchgeführt werden. Für Herzschwächepatienten verspricht dies deutlich effizientere Therapieanwendungen und Verfahren. 

„Die Heilungsprozesse nach einem Herzinfarkt oder einer Entzündung des Herzmuskels sind größtenteils noch nicht verstanden", erklärt Prof. Wolfgang Bauer, der am Würzburger Universitätsklinikum den Schwerpunkt Kardiale Magnetresonanztherapie und Klinische Elektrophysiologie leitet. Der Kardiologe und Physiker beschäftigt sich mit bildgebenden Verfahren in der Inneren Medizin, mit denen Krankheitsursachen und -verläufe erforscht werden. „Wir möchten herausfinden, was nach der Schädigung des Herzmuskels mit und in dem Organ passiert. Denn bislang spekulieren wir noch, dass gestörte oder überschießende Prozesse zu einer dauerhaften Verschlechterung der Herzleistung und damit zur Herzinsuffizienz führen."

Der Grund, warum man beim Patienten so wenig über die Heilung nach Schädigung des Herzens weiß, liegt daran, dass es keine einfachen Verfahren gibt, um die relevanten physiologischen Vorgänge zu erfassen. Blutwerte sind zu ungenau, Biopsien - also die Entnahme von kleinen Gewebestücken - sind für die Patienten zu belastend, und es kann auch sein, dass man nicht das betroffene Areal findet oder trifft. Den Würzburger Medizinern Dr. Reiter und Dr. Lapa aus der Forschungsgruppe um Prof. Bauer ist es jedoch gelungen, die Entzündungsvorgänge im menschlichen Herzen direkt darzustellen. Die Forscher nutzen nuklearmedizinische Verfahren in Kombination mit der Kernspintomographie, um die Zellen und Umbauvorgänge während der Entzündung im Herzen abzubilden. „Zunächst musste die Gruppe molekulare Spürsonden entwickeln, die die Entzündungszellen sichtbar machen. Das gelang den Forschern Dr. Li und Prof. Samnick mit einer radiochemischen Methode, bei der molekulare Strukturen auf der Oberfläche von Immunzellen markiert werden. Das Ausmaß der Gewebeschädigung im Herzen wurde mit der Kernspintomographie dargestellt. Dabei kann man z.B. das Gewebewasser, das bei einer Entzündung vermehrt ist, oder abgestorbene Zellengruppen sehen. Durch die Kombination der nuklearmedizinischen Technik mit der Kernspintomographie war es uns letztendlich möglich, erstmals bei Patienten das Ausmaß der Schädigung des Herzmuskels nach einem Infarkt darzustellen", erklärt Prof. Bauer.

Für Herzinfarkt- und Herzschwächepatienten sind diese Detaileinblicke in den Krankheitsverlauf von immenser Bedeutung. Denn ihre Herzerkrankung kann künftig wesentlich genauer diagnostiziert und dementsprechend schneller spezifisch behandelt werden.

Quelle: Universitätsklinikum Würzburg


Weitere Meldungen zum Thema:


Artikel drucken   Artikel empfehlen

Im Fokus

Hepatitis C in vielen Fällen heilbar

Mit neuartigen Medikamenten sind Ärzte jetzt in der Lage, Hepatitis C zu heilen – in sehr kurzer Zeit und ohne die starken Nebenwirkungen, die bei früheren Therapien häufig zum Abbruch der Behandlung geführt haben.

zum Artikel...

Personen mit Rückenschmerzen gesucht

Die Rolle von Gedächtnis und Stress bei Patienten mit Rücken- schmerzen soll in einer aktuellen Studie untersucht werden. Gesucht werden Teilnehmer in einem Alter zwischen 18 und 70 Jahren ...

zum Artikel...

Kostenübernahme der neuen Meningokokken-B-Impfung

Liste der  gesetzlichen Kranken- kassen, die eine Kostenübernahme für die neue Meningokokken-B-Impfung ohne Altersbeschränkung vornehmen.

zum Artikel...

Woher kommt Übelkeit?

Übelkeit kann ganz unterschied- liche Ursachen haben: Etwas Falsches gegessen, zu viel Alkohol getrunken oder aber es gibt psychische Gründe.

zum Artikel...

Was kann bei Reizmagen tun?

Ungesunde Ernährung und Stress sind die häufigsten Auslöser eines Druckgefühls und Schmerzen in der Magengegend...

zum Artikel...

Den Blutdruck korrekt messen

Für eine korrekte Messung des Blutdrucks zu Hause mit einem Messgerät für das Handgelenk gibt es einige Regeln zu beachten...

zum Artikel...

Herzrhythmusstörungen können vielfältig sein

Stolpern des Herzschlags oder Herzrasen haben auch gesunde Menschen gelegentlich. Bei längeren Beschwerden sollte man jedoch zum Arzt gehen...

zum Artikel...

Pseudoallergien durch Zusatzstoffe in der Nahrung

Zusätze zur Haltbar-machung und Färbung in industriell verarbeiteten Nahrungsmitteln können Reizungen des Mundraums oder des Magen-Darm-Traktes bewirken...

zum Artikel...

Joggen verbessert Durchblutung der Beine

Laufband-Training weitet die Blutgefäße und hilft gegen Schmerzen bei Durchblutungsstörungen...

zum Artikel...

Gesund essen statt Diäten

Ungesättigte Fettsäuren können vor Übergewicht, Diabetes und zu hohem Blutdruck schützen...

zum Artikel...