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16.03.2016

Hoffnung auf weniger Nebenwirkungen durch Schmerzmittel

Der Wirkstoff Indomethacin ist entzündungshemmend und wird als Schmerzmittel insbesondere bei der Behandlung rheumatischer Erkrankungen eingesetzt. Er bewirkt die Hemmung eines Enzyms namens Cyclooxygenase, das eine wichtige Rolle bei Entzündungsprozessen und der Entstehung von Schmerz spielt. Allerdings führt Indomethacin auch zu starken Nebenwirkungen. Wissenschaftler der Universität Leipzig um Prof. Dr. Dr. Evamarie Hey-Hawkins und Dr. Wilma Neumann vom Institut für Anorganische Chemie ist es nun gemeinsam mit Kollegen der Vanderbilt University in Nashville (USA) gelungen, den Wirkstoff so zu verändern, dass er nur die krankhafte Form des Enzyms hemmt, während die andere Form, die wichtige physiologische Prozesse im Körper steuert, kaum beeinflusst wird (siehe ChemMedChem 2016, Band 11/2, Seite 175-178). 

Das Enzym Cyclooxygenase führt nicht nur zu Entzündungsprozessen und Schmerzentwicklung, sondern es ist auch in vielen anderen physiologischen Prozessen involviert. Es kann in zwei Formen vorkommen. „Während die erste Form ständig in nahezu allen Geweben des Körpers existiert, wird die zweite Form meist erst durch Signalstoffe bei Veränderungen im Körper aktiviert. Diese zweite Form bewirkt Entzündungsprozesse und Schmerzen und wird deshalb als pathologische Form bezeichnet - das heißt sie ist vorrangig mit Krankheiten, darunter auch mit der Entstehung von Krebs, assoziiert", erklärt Neumann, die künftig am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge (USA) tätig sein wird. Medikamente, die beide Formen hemmen, weisen oft starke Nebenwirkungen auf, da die Funktionstüchtigkeit der ersten Form essenziell für die Gesunderhaltung des Körpers ist. Um die Nebenwirkungen zu verringern, haben Neumann und ihre Kollegen einen Hemmstoff (Inhibitor) entwickelt, der nur die pathologische Form blockiert.

Der Wirkstoff Indomethacin wurde mit einem so genannten Borcluster verändert. Dies ist ein Molekül mit kugelförmiger Gestalt, das aus Bor-, Wasserstoff- und Kohlenstoff-Atomen aufgebaut ist. In dem Projekt konnte somit auch das Potenzial von Borclustern, die bisher in der Pharmazie noch keine Anwendung finden, für die Entwicklung neuer Wirkstoffe demonstriert werden.

„Ob sich die erhofften Effekte dann auch wirklich in der Behandlung von unseren Patienten mit rheumatischen Beschwerden einstellen, müssen erst klinische Studien zeigen. Insofern hat diese chemische Veränderung des Indomethacin aktuell keine Bedeutung im Versorgungalltag", gibt Dr. Florian Schuch, Vorstandsmitglied des Bundesverbands Deutscher Rheumatologen (BDRh) und praktizierender Rheumatologe in Erlangen, zu bedenken.

Quelle: Universität Leipzig



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