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18.03.2016

Chronische Nierenkrankheiten betreffen zwei Millionen in Deutschland!

Bislang gab es keine gültigen Daten zur Prävalenz der chronischen Nierenkrankheit (chronic kidney disease = CKD) in Deutschland. Lediglich die Zahl der Patienten im terminalen Stadium der CKD, die einer Nierenersatztherapie bedürfen, konnte anhand von Krankenkassendaten geschätzt werden und wurde mit ca. 100.000 beziffert (etwa 80.000 Dialysepatienten und etwa 20.000 Menschen, die transplantiert wurden und sich in der Transplantationsnachsorge befinden). Für die Zahl der Nierenpatienten in den früheren Stadien der CKD gab es bis dato keinerlei Schätzungen.

Wie jetzt eine aktuell publizierte Studie (siehe Deutsches Ärzteblatt 113/6, Seite 85-91) zeigt, weisen mindestens zwei Millionen Menschen in Deutschland eine Nierenkrankheit mit einer bereits deutlich eingeschränkten Nierenfunktion (von unter 60 ml/min/1,73 m2) auf. Die neue Studie wertete die Ergebnisse der bundesweiten „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland 2008-2011 (DEGS1)" aus, die Menschen zwischen 18 und 79 Jahren untersucht hatte. „Bezieht man auch die Menschen im Alter von 80 Jahren und darüber mit ein, kommen wir auch bei einer konservativen Hochrechnung auf über zwei Millionen Betroffene", kommentiert Projektleiter Prof. Dr. Matthias Girndt, Halle/Saale. „Das ist viel, denn man darf nicht vergessen, dass bei diesen Menschen die Nierenkrankheit bereits manifest ist. Ihre Nierenfunktion hat sich gegenüber Gesunden beinahe schon halbiert und die Erkrankung schreitet in der Regel weiter voran. Viele dieser Menschen werden über kurz oder lang dialysepflichtig", so der Experte. Wie die Analyse ergab, waren insbesondere Menschen mit Bluthochdruck und Diabetiker von einer Nierenerkrankung betroffen. Diabetes mellitus erhöhte das CKD-Risiko um das 2,25-Fache, Bluthochdruck sogar um das 3,46-Fache.

Als besonders alarmierend sei jedoch die Tatsache, dass nur ein Drittel der Betroffenen von der eigenen Nierenerkrankung wusste, die große Mehrheit demzufolge auch nichts unternimmt, um dem Fortschreiten der Erkrankung entgegenzuwirken. „Das ist bedauerlich, denn durch verschiedene Maßnahmen, auch durch den Einsatz von blutdrucksenkenden Medikamenten mit nierenschützendem Potenzial, lässt sich der Progress einer chronischen Nierenkrankheit verlangsamen", erklärt Prof. Dr. Jan Galle, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN). Er verweist auf den Flyer „Geben Sie Acht auf Ihre Nieren. Was Nierenpatienten zur Vorbeugung weiterer Nierenschäden beachten sollten", der anlässlich des Weltnierentags am 10. März 2016 erstellt wurde. „Betroffene, die sich an diese acht Tipps halten, können die Dialysepflichtigkeit oft eine Zeitlang hinausschieben".

Aber auch die nierengesunde Bevölkerung sollte auf die Nieren Acht geben und die eigene Nierengesundheit schützen. Im Flyer „Geben Sie Acht auf Ihre Nieren" wurden acht Tipps zum Nierenschutz für die Allgemeinbevölkerung zusammengetragen. Wie wichtig Präventionsmaßnahmen sind, demonstrieren die neuen Daten, denn bisher wurde die Bedeutung der Nierenerkrankung in Deutschland unterschätzt. „Wir hoffen, dass die neuen Daten auch den Verantwortlichen in der Gesundheitspolitik die Augen öffnen und die Prävention von Nierenerkrankungen nun stärker in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gerückt wird", erklärt Prof. Girndt.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V. (DGfN)

 

 

 



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