Rheumatologen im Netz

News


21.12.2016

Ursache für Ausbruch von Autoimmunerkrankungen entdeckt

Unser Immunsystem trägt nicht nur zur Abwehr von Krankheitserregern wie Viren, Bakterien und Pilzen bei, sondern besitzt auch die einzigartige Fähigkeit zeitlebens zu lernen und ein so genanntes immunologisches Gedächtnis aufzubauen. Hierbei werden vom Immunsystem spezifische Antikörper gegen den jeweiligen Krankheitserreger erzeugt und zeitlebens nachgebildet. Mit Hilfe von Antikörpern kann das Immunsystem im Falle einer erneuten Infektion mit einem dem Immunsystem schon bekannten Krankheitserreger schneller und effektiver reagieren. Somit gewährleisten Antikörper im Regelfall einen ausreichenden Schutz und können einen erneuten Krankheitsausbruch verhindern. Hierauf baut zum Beispiel das Prinzip der Schutzimpfung auf.

Allerdings kann unser Immunsystem auch Antikörper gegen körpereigene Strukturen und Organe erzeugen. Diese Autoimmunität ist durch das Vorhandensein von Autoantikörpern gekennzeichnet. Tatsächlich sind Autoimmunität und Autoantikörper kein seltenes Phänomen, sondern bei vielen gesunden Menschen nachweisbar und helfen unserem Körper beispielsweise bei der Tumorbekämpfung. Bei manchen Menschen führen Autoantikörper jedoch zum Ausbruch von Autoimmunerkrankungen wie der Rheumatoiden Arthritis. Die Gründe hierfür waren bisher weitgehend unklar.

Eine bestimmte Gruppe von Immunzellen - die so genannten TH17-Zellen wirken offenbar direkt auf das immunologische Gedächtnis ein und provozieren durch eine scheinbar harmlose Veränderung der molekularen Struktur von Autoantikörpern den Ausbruch einer Autoimmunerkrankung. Das konnten jetzt Forscher um Gerhard Krönke von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlern der FAU und einem internationalen Forscherteam aus den Niederlanden, Schweden und Österreich zeigen (siehe Nature Immunology, Online-Veröffentlichung am 7.11.2016). „Tatsächlich ist für den Ausbruch von Autoimmunerkrankungen wie der Rheumatoiden Arthritis in diesem Fall nur das Fehlen eines einzigen Zuckermoleküls an den jeweiligen Autoantikörpern verantwortlich", berichtet Rene Pfeifle, Erstautor der Studie.

Während bisherige Therapien der Rheumatoiden Arthritis auf die Hemmung der Entzündungsreaktion abzielen, könnten diese neuen Erkenntnisse in Zukunft möglicherweise dazu dienen, völlig neue Therapieansätze zur Verhinderung des Ausbruchs von Autoimmunerkrankungen zu entwickeln. Hierbei würde das Immunsystem jedoch nicht gehemmt, sondern durch gezielte Modulation von TH17-Zellen einer Art Reprogrammierung unterzogen werden. Mit Hilfe einer solchen Strategie - so hoffen die Forscher - könnten die krankheitsauslösenden Veränderungen der Zuckerstruktur von Autoantikörpern rückgängig gemacht werden und somit Immuntoleranz und eine langfristige Heilung von Autoimmunerkrankungen ermöglicht werden.

Quelle: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg


Weitere Meldungen zum Thema:


Artikel drucken   Artikel empfehlen

Im Fokus

Hepatitis C in vielen Fällen heilbar

Mit neuartigen Medikamenten sind Ärzte jetzt in der Lage, Hepatitis C zu heilen – in sehr kurzer Zeit und ohne die starken Nebenwirkungen, die bei früheren Therapien häufig zum Abbruch der Behandlung geführt haben.

zum Artikel...

Personen mit Rückenschmerzen gesucht

Die Rolle von Gedächtnis und Stress bei Patienten mit Rücken- schmerzen soll in einer aktuellen Studie untersucht werden. Gesucht werden Teilnehmer in einem Alter zwischen 18 und 70 Jahren ...

zum Artikel...

Kostenübernahme der neuen Meningokokken-B-Impfung

Liste der  gesetzlichen Kranken- kassen, die eine Kostenübernahme für die neue Meningokokken-B-Impfung ohne Altersbeschränkung vornehmen.

zum Artikel...

Woher kommt Übelkeit?

Übelkeit kann ganz unterschied- liche Ursachen haben: Etwas Falsches gegessen, zu viel Alkohol getrunken oder aber es gibt psychische Gründe.

zum Artikel...

Was kann bei Reizmagen tun?

Ungesunde Ernährung und Stress sind die häufigsten Auslöser eines Druckgefühls und Schmerzen in der Magengegend...

zum Artikel...

Den Blutdruck korrekt messen

Für eine korrekte Messung des Blutdrucks zu Hause mit einem Messgerät für das Handgelenk gibt es einige Regeln zu beachten...

zum Artikel...

Herzrhythmusstörungen können vielfältig sein

Stolpern des Herzschlags oder Herzrasen haben auch gesunde Menschen gelegentlich. Bei längeren Beschwerden sollte man jedoch zum Arzt gehen...

zum Artikel...

Pseudoallergien durch Zusatzstoffe in der Nahrung

Zusätze zur Haltbar-machung und Färbung in industriell verarbeiteten Nahrungsmitteln können Reizungen des Mundraums oder des Magen-Darm-Traktes bewirken...

zum Artikel...

Joggen verbessert Durchblutung der Beine

Laufband-Training weitet die Blutgefäße und hilft gegen Schmerzen bei Durchblutungsstörungen...

zum Artikel...

Gesund essen statt Diäten

Ungesättigte Fettsäuren können vor Übergewicht, Diabetes und zu hohem Blutdruck schützen...

zum Artikel...