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07.12.2016

Rauchstopp oder Ernährungsumstellung - was bei Rheuma wirklich hilft

Viele Rheuma-Patienten hoffen darauf, mit gesunder, mediterraner Ernährung ihre rheumatischen Beschwerden lindern zu können. Experten weisen aber darauf hin, dass viele Fragen zum Einfluss der Ernährung auf Rheuma noch nicht geklärt sind. Ein entscheidender Faktor für die Entwicklung entzündlicher Rheumaerkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis ist vielmehr Zigarettenkonsum. Das ist bereits seit fast 30 Jahren bekannt.

Die RA ist die häufigste entzündliche Rheuma-Erkrankung in Deutschland - hierzulande sind rund 550.000 Erwachsene betroffen. Wer raucht oder geraucht hat, zeigt ein viel höheres Risiko, eine RA zu entwickeln, als ein Nichtraucher. „Vor allem die Dauer des Rauchens hat einen starken Einfluss auf die Entstehung einer rheumatoiden Arthritis", erklärt Prof. Dr. med. Erika Gromnica-Ihle, Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga. Das Erkrankungsrisiko von Personen, die über eine Zeitspanne von ein bis zehn Jahren durchschnittlich 20 Zigaretten pro Tag rauchen, ist z.B. bereits um 26 Prozent erhöht. Bei Rauchern, die die gleiche Zigarettenmenge über 21 bis 30 Jahre hinweg konsumieren, ist das Risiko sogar doppelt so hoch wie bei Nichtrauchern. Das hat eine Metaanalyse von zehn Studien mit 4552 RA-Patienten ergeben (siehe Arthritis Research & Therapy 2014, Band 16/2, Seite: R61).

Wie bei jeder Autoimmunerkrankung richtet sich auch bei den entzündlich-rheumatischen Erkrankungen die körpereigene Abwehr gegen den Körper selbst, anstatt diesen vor fremden Krankheitserregern zu schützen. Diese fehlgeleitete Immunabwehr ruft entzündliche Prozesse hervor - in Gelenken, Organen, Muskeln oder auch Blutgefäßen. Bei rheumatoider Arthritis (RA) wenden sich die Antikörper gegen bestimmte Eiweiße in den Geweben, so genannte citrullinierte Peptide. Stoffe im Zigarettenrauch begünstigen die Bildung dieser Eiweiße. Deshalb kann Rauchen RA früher hervorrufen - häufig verbunden mit einer hohen Aktivität der Erkrankung - oder die RA verschlimmern. Die Expertin betont deshalb: „Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen raten wir dringend vom Rauchen ab. Besser noch: Es sollte erst gar nicht angefangen werden."

Die Ernährung spielt ebenfalls eine Rolle bei rheumatischen Erkrankungen - wenn auch in geringerem Umfang. Bedeutung wird dabei der so genannten Mittelmeer-Diät beigemessen. Sie beinhaltet viel Gemüse, Obst, Fisch und Meeresfrüchte, Vollkornprodukte und Olivenöl, aber wenig rotes Fleisch. Die Ergebnisse von aktuellen Langzeitstudien aus Boston mit 174.638 Frauen zeigen jedoch, dass kein Zusammenhang zwischen einer mediterranen Diät und dem RA-Risiko nachgewiesen werden konnte. Gromnica-Ihle hat dennoch einige Tipps, mit welcher Ernährung das Risiko verringert werden kann, an einer RA zu erkranken: „Es ist empfehlenswert, häufig Fisch und Meeresfrüchte zu essen, denn die Omega-3-Fettsäuren können einen prophylaktischen Effekt haben", so die Rheumatologin. Wer bereits an einer rheumatoiden Arthritis erkrankt sei, würde gelegentlich feststellen, dass es beim Genuss bestimmter Speisen zu einer Zunahme der Beschwerden komme. Dann sei es sinnvoll, die betreffenden Nahrungsmittel zu meiden. Zudem ist bekannt, dass deutlich übergewichtige Menschen ein höheres Risiko haben, an einer RA zu erkranken.

Nach Ansicht von Prof. Dr. med. Ulf Müller-Ladner, Ärztlicher Direktor der Abteilung Rheumatologie und Klinische Immunologie der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim, gilt: „Im Hinblick auf den Lebensstil der Patienten bleibt für die Prävention und Behandlung von Rheuma der Verzicht auf das Rauchen entscheidend. Hier hat der Patient maximale Einflussmöglichkeiten." Gesunde, mediterrane Ernährung sei zur Vermeidung von Übergewicht sowie für eine gute Gesamtgesundheit wichtig und damit trotz eines nur eingeschränkt nachweisbaren Zusammenhangs zur Rheuma-Erkrankung empfehlenswert.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)

 

 



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