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19.04.2017

Potenzial für dreimal mehr braunes Körperfett vorhanden!

Braunes Körperfett ist im Vergleich zu weißem Fett ein Energiefresser. Bloß schien der braune Fettanteil im Menschen bislang geringfügig zu sein. Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) belegen nun mit einer Studie: Die Masse braunen Fettgewebes im Menschen ist dreimal größer als bisher bekannt war (siehe Journal of Nuclear Medicine, Online-Veröffentlichung am 19.1.2017). Von neuen Adipositas- und Diabetes-Medikamenten, die das braune Fettgewebe aktivieren, sei deshalb eine stärkere Wirkung zu erwarten. 

Für die Studie sind knapp 3000 PET-Scans von 1644 Patientinnen und Patienten ausgewertet worden. PET steht als Abkürzung für eine Positronen-Emissions-Tomographie, welche in der Krebsmedizin eingesetzt wird. Mit ihrer Hilfe werden Stoffwechselvorgänge im Körper sichtbar. Da ein Tumor häufig einen anderen Energiestoffwechsel als gesundes Gewebe aufweist, können über solche PET-Scans Tochtergeschwülste (Metastasen) festgestellt werden.

„Als Nebenprodukt dieser PET-Scans wird für uns aktives braunes Fettgewebe sichtbar", erklärt Dr. Tobias Fromme vom Else-Kröner-Fresenius Zentrum der TU München. „Das braune Fettgewebe nimmt viel Zucker auf und diese Aktivität können wir über die Scans nachvollziehen." Es wäre beispielsweise vorstellbar, dass bei Diabetikern mithilfe der hohen Aktivität des braunen Fettes über ein Medikament der überschüssige Zuckeranteil im Blut reduziert wird.

Ebenso wäre denkbar bei Patientinnen und Patienten mit Adipositas die hohe Energieverbrennung durch das braune Fett zu nutzen, um überschüssige Pfunde zum Schmelzen zu bringen - zumindest teilweise. „Jedenfalls ist die Prognose für die Wirkung von Medikamenten im braunen Fettgewebe nach oben korrigierbar", fasst Fromme zusammen.

Dass manche Personengruppen es stärker als andere vermögen, ihr braunes Fett zu aktivieren oder gar insgesamt mehr davon besitzen, kam durch die Analyse der PET-Scans ebenfalls zutage. Frauen haben häufiger aktiveres braunes Fett als Männer - das war zudem das Ergebnis verschiedener Vorläuferstudien. Ebenso haben schlanke und jüngere Menschen mehr Anteile von braunem Fett. Bei Beleibteren wiederum reagiert das braune Fett nicht so aktiv und bei älteren Personen auch nicht. „Jedoch bei etwa fünf Prozent der Patientinnen und Patienten kommt aktives braunes Fett weitaus häufiger vor als bei der allgemeinen Bevölkerung", erläutert Fromme - bei Ihnen zeigten 50 Prozent der Scans diese aktiven Fettgewebeanteile.

Für den Wissenschaftler steckt darin eine mögliche Erklärung für das Phänomen, warum manche Menschen bei einem zusätzlichen Stück Torte schon zunehmen, während anderen die süße Schlemmerei nichts anhaben kann: Unterschiedliche Körpergewichte bei gleicher Ernährung. „Schlussendlich muss bei Medikamenten, die das aktive braune Fettgewebe nutzen, darauf geachtet werden, dass manche Personengruppen von einer zusätzlichen Aktivierung des braunen Fetts stärker profitieren werden als andere", erklärt der Studienautor. „Welche Ursache einen Menschen dazu bringt, besonders aktives braunes Fett zu besitzen, wissen wir noch nicht."

Ein neu entdeckter Faktor könnte sich als Schlüssel zu diesem Rätsel erweisen: Wie die Wissenschaftler erstmals zeigen konnten, wird die Braunfett-Aktivität durch eine Größe namens Kreatinin-Clearance beeinflusst, die mit der Nierenfunktion in Zusammenhang steht. „Es sind weitere Grundlagenstudien notwendig, aber eine These ist, dass es Signalstoffe geben könnte, die sowohl auf das braune Fett als auch die Nieren wirken", meint Fromme.

Quelle: Technische Universität München



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