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10.01.2008

Verursachen Bakterien Morbus Crohn?

Die Ursachen der entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn sind bis heute unbekannt. Eine genetische Veranlagung, Umweltfaktoren, aber auch eine Infektion mit Bakterien könnten Auslöser der Erkrankung sein, die sich durch schwere Bauchschmerzen, Durchfall und Übelkeit äußert. Wissenschaftler der Universität Liverpool haben nun entdeckt, wie das Bakterium Mycobacterium paratuberculosis verhindert, dass es durch die Abwehrzellen des Immunsystems zerstört wird (Gastroenterology 2007, 133: Seite 1487).

Spezieller Zucker schützt Bakterien 

Die Erreger setzen offenbar ein spezielles Zuckermolekül aus so genannter Mannose frei, das die Fresszellen des Immunsystems daran hindert, in den Körper eingedrungene Bakterien zu vernichten. Die Eindringlinge werden zwar von den Fresszellen aufgenommen, können von diesen aber nicht mehr verdaut werden. Stattdessen beginnen sich die Erreger in den Zellen zu vermehren. Dies erklärt, warum das Darmbakterium Escherichia coli im Darmgewebe von Morbus-Crohn-Patienten in großen Mengen vorkommt. Außerdem fanden die Forscher heraus, dass Mycobacterium paratuberculosis die Bildung eines Abwehrstoffes des Immunsystems auslöst. Diesen Antikörper, den so genannten ASCA, haben 2 Drittel aller Crohn-Patienten im Blut.

Den Wissenschaftlern zufolge stützen die Ergebnisse die Vermutung, Mycobacterium paratuberculosis könne an der Entstehung von Morbus Crohn beteiligt sein. Durch die Schwächung des Immunsystems begünstigen die Mykobakterien ihrer Meinung nach eine übermäßige Vermehrung anderer Erreger im Darmgewebe und könnten so möglicherweise auch zu Morbus Crohn führen.

Morbus Crohn ähnelt Tierseuche 

Den Verdacht, dass Morbus Crohn durch die Infektion mit einem Krankheitserreger ausgelöst werden könnte, haben Wissenschaftler schon seit längerer Zeit. Mycobacterium paratuberculosis wurde zunächst in Rindern, Schafen und Ziegen entdeckt, nachdem diese an Durchfall und Gewichtsverlust erkrankt waren. Diese später als Johne'sche Krankheit bezeichnete Tierseuche weist nicht nur ähnliche Symptome wie Morbus Crohn auf, auch andere Gemeinsamkeiten deuten darauf hin, dass beide Erkrankungen dieselbe Ursache haben könnten. 

„Ob eine Infektion mit den Erregern tatsächlich der Grund für die Erkrankung ist, bleibt jedoch auch nach diesen Ergebnissen weiter unklar", sagt dagegen Dr. Martin Strauch vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI). Darmzellen von Morbus Crohn-Patienten seien zwar oft von Mycobakterium paratuberculosis befallen, dies könnte aber lediglich die Folge anderer auslösender Faktoren sein, z. B. einer Veränderung des Erbgutes. So haben Forscher in den letzten Monaten die Entdeckung verschiedener Genveränderungen gemeldet, die die Entstehung von Morbus Crohn begünstigen.

Übertragung durch Milch und Exkremente 

Mykobakterien sind eine eigene Bakterienfamilie, zu der verschiedene Krankheitserreger gehören, wie z. B. die Erreger der Tuberkulose (Mycobacterium tuberculosis) und der Lepra (Mycobacterium leprae). Sie sind sehr widerstandsfähig und gegen viele Antibiotika resistent. Mycobacterium paratuberculosis wächst und vermehrt sich innerhalb der Fresszellen des Immunsystems. Der Erreger verursacht bei Rindern, Schafen Ziegen und anderen Wildtieren die so genannte Johne'sche Krankheit. Erkrankte Tiere können das Bakterium über die Milch und Kot ausscheiden und auf den Menschen übertragen. Da der Erreger sehr hitzebeständig ist, wird er durch den Haltbarmachungsprozess offenbar nicht immer abgetötet. Selbst pasteurisierte Milch kann daher Mykobakterien enthalten.

 

 



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