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25.01.2008

Anti-Ageing: Hormontherapie bei Männern oft wirkungslos

Mit zunehmendem Alter sinken bei den meisten Männern die Testosteron-Werte. Manche Experten machen diesen Abfall für verschiedene Alterserscheinungen verantwortlich und empfehlen deshalb, den Testosteron-Spiegel mit Hilfe von Hormonpräparaten anzuheben. Der Nutzen einer solchen Testosteron-Therapie ist jedoch umstritten, vor allem wenn die Testosteronwerte nicht eindeutig unter den gültigen Grenzwerten liegen.

Eine aktuelle Studie niederländischer Wissenschaftler bestätigt nun die Kritiker einer Hormontherapie von Männern mit niedrig-normalen oder leicht erniedrigten Testosteron-Werten: Männer zwischen 60 und 80 Jahren mit grenzwertigen Testosteron-Spiegeln profitieren kaum von einer Hormonersatztherapie, wenn sie 6 Monate lang 2-mal täglich Testosteron-Kapseln einnehmen (JAMA 2008, 299: Seite 39).

Den Ergebnissen zufolge verändert eine solche Anhebung des Testosterons zwar verschiedene Stoffwechselvorgänge im Körper, bewirkt aber keine eindeutige Verbesserung des Gesundheitszustandes. So steigt das Körpergewicht von Männern bei gleichzeitigem Abfall des Körperfettanteils. Der Gesamt-Cholesteringehalt des Blutes geht zurück, aber auch die Menge des „guten" Cholesterins (HDL-Cholesterin) nimmt während der Hormoneinnahme ab. Gleichzeitig stellten die Wissenschaftler geringere Blutzuckerspiegel fest sowie eine verringerte Insulinempfindlichkeit.

Kaum Auswirkungen auf die Gesundheit 

Auf den Gesundheitszustand scheinen sich diese Effekte des Testosterons dagegen nicht auszuwirken, denn trotz Zunahme des Körpergewichts und Fettverlust ändern sich Muskelkraft und Beweglichkeit nicht. Auch die Knochendichte bleibt zumindest während des Untersuchungszeitraums von 6 Monaten konstant. „Eine Abnahme der Muskelkraft und der Knochendichte sind Ursachen für Stürze, Knochenbrüche und dauerhafte Einschränkungen der Bewegung bei Männern im Alter", sagt der Androloge Prof. Michael Köhn aus München. Zwar weisen 20% der Männer mit Wirbelbrüchen und sogar 50% mit einer gebrochenen Hüfte verringerte Testosteron-Werte auf. „Die neuen Ergebnisse zeigen aber, dass eine Testosteron-Behandlung in der vorliegenden Dosierung und Dauer die Unfallgefahr wahrscheinlich nicht wirkungsvoll verringern kann", so Prof. Köhn.

Auch andere Folgen des Alterns können von einer Hormontherapie offenbar nicht abgewendet werden. So wird die nachlassende Einschränkung der geistigen Leistungsfähigkeit mancher Männer im Alter immer wieder mit den sinkenden Testosteron-Spiegeln in Verbindung gebracht. Die niederländischen Wissenschaftler konnten diesen Zusammenhang jedoch nicht bestätigen. Die Behandlung mit den Testosteron-Kapseln stärkt weder Konzentration, Gedächtnis oder Wahrnehmung. Auch das allgemeine Wohlbefinden, gemessen durch einen speziellen standardisierten Fragebogen, verbessert sich nicht.

Testosteron nicht ohne medizinischen Grund einnehmen 

„Die vorliegende Studie ist eine der bislang größten und wissenschaftlich fundiertesten Untersuchungen zur Wirksamkeit einer Testosteron-Behandlung bei Männern mit grenzwertigen Hormonspiegeln", bewertet Prof. Köhn die neuen Ergebnisse. Bei Männern mit leicht erniedrigten Testosteron-Werten könne eine Testosteron-Behandlung beim gegenwärtigen Wissensstand deshalb nicht empfohlen werden. Es sei aber nicht auszuschließen, dass eine Einnahme über mehr als 6 Monate hinweg oder andere Formen der Testosteron-Ersatztherapie mittels Pflaster oder Injektionen in die Muskulatur größeren Einfluss auf die Gesundheit habe. Auch habe die Studie zusätzliche Faktoren nicht berücksichtigt, die den Behandlungserfolg beeinflussen können, wie z. B. eine Veränderung des Lebensstils. „Testosteron-Präparate sollten deshalb nicht ohne eine klare medizinische Notwendigkeit rein zur Prophylaxe eingenommen werden", warnt der Androloge.

 

 



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