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12.02.2008

Wird gefährliche Viruserkrankung auch von Menschen übertragen?

Schwedische Wissenschaftler haben erstmals die gefährlichen Hantaviren in menschlichem Speichel nachgewiesen. Damit könnten die Erreger bei direktem Kontakt mit infizierten Körperflüssigkeiten auch direkt von Mensch zu Mensch übertragen werden können. In einzelnen Fällen war ein solcher Übertragungsweg bereits vermutet worden.

Hantaviren kommen weltweit vor und befallen vor allem Nagetiere wie Mäuse und Ratten, die zwar selbst nicht erkranken aber große Mengen an ansteckungsfähigen Viren über den Kot an die Umwelt abgeben können. Beim Menschen kann die Erkrankung zunächst grippeähnliche Symptome mit hohem Fieber (>38 Grad), Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen hervorrufen. Typisch sind kleinere Haut- oder Schleimhautblutungen sowie eine Störung der Nierenfunktion. Je nach Virustyp kommt es auch zu lebensbedrohlichen innere Blutungen und Nierenversagen.

Hauptüberträger in Mitteleuropa sind Mäuse, darunter vor allem die Rötel- und die Brandmaus, selten die Wanderratte. Allerdings gab es in der Vergangenheit mehrfach Hinweise darauf, dass es auch zu Übertragungen von Mensch zu Mensch kommen kann. So berichteten argentinische Wissenschaftler, dass es bei Ausbrüchen in Argentinien 1996 und 2002 zu einer Übertragung zwischen Menschen gekommen sein könnte. Ein Beweis für diesen Übertragungsweg existiert bislang jedoch nicht.

Hantaviren im Speichel

Die Forscher der Universität Umea in Nordschweden haben nun einen möglichen Weg entdeckt, wie infizierte Menschen die Hantaviren übertragen können. Sie fanden die Erreger im Speichel von 10 von 14 Patienten, die im letzten Jahr bei einem Ausbruch der Erkrankung in Nordschweden erkrankt waren. „Ob die Viren aber auch tatsächlich über den Speichel übertragen werden, ist damit noch nicht bewiesen", schränkt Dr. Peter Walger vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) ein. Es sei zwar durchaus theoretisch möglich, dass es zu einer Mensch-zu-Mensch-Übertagung kommen könne, bislang habe dieser Übertragungsweg jedoch keine Relevanz.

„Prinzipiell können sich die Übertragungswege von Krankheitserregern natürlich mit der Zeit verändern", erklärt der Infektiologe vom Uniklinikum Bonn. Vor allem Grippe- oder HI-Viren änderten fortlaufend ihre Eigenschaften. „Eine solche Wandlungsfähigkeit wird den Hantaviren nicht zugeschrieben", so Dr. Walger. Trotzdem müsse man Entwicklungen aufmerksam verfolgen, die entsprechend der schwedischen Erkenntnisse auf mögliche neue Ansteckungsrisiken hinweisen.

Häufigkeit der Viren hängt von Mäusevorkommen ab

In Deutschland haben die Infektionen mit Hantaviren im letzten Jahr stark zugenommen. In den ersten 5 Monaten des vergangenen Jahres waren 526 Erkrankungsfälle an das Robert-Koch-Institut gemeldet worden und damit 7-mal mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Somit war bereits vor der Jahresmitte 2007 die maximale Erkrankungszahl, die im Jahr 2005 bei 448 Fällen lag, überschritten worden. Der Schwerpunkt der Virusinfektion liegt vor allem in Baden-Württemberg. Hier traten 77% der Fälle auf. Aber auch aus Südost-Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Rheinland-Pfalz wurden mehrere Fälle gemeldet.

Bislang gibt es keine Erkenntnisse darüber, dass Hantaviren in Deutschland von Mensch zu Mensch übertragen worden sind. Die Häufigkeit der Erkrankung beim Menschen hängt vielmehr von der Anzahl infizierter Mäuse ab. So vermehrt sich die Rötelmaus alle 2 bis 3 Jahre massenhaft, zuletzt 2006 begünstigt durch den milden Winter. Für Menschen besteht die größte Gefahr, wenn sie mit Ausscheidungen der infizierten Nagetiere in Kontakt kommen, z. B. Kot, Urin, Speichel. Experten empfehlen daher, besonders in gefährdeten, d. h. waldnahen, Gebieten den Kontakt mit Nagetieren und ihren Ausscheidungen zu vermeiden.

 
Bild: pixelio.de
Wie die Übertragung durch Mäuse und Ratten jedoch genau zustande kommt, ist noch nicht endgültig geklärt. Einer Fallstudie aus Niedersachsen zufolge kommt es nach Aufenthalten in oder in der Nähe von Waldgebieten am häufigsten zu einer Infektion. Menschen, die weniger als 50 Meter von einem Wald entfernt wohnen, haben demzufolge ein 5-mal höheres Erkrankungsrisiko. Spazierengehen, Joggen, Zelten oder Pilze Sammeln erhöhten die Infektionsgefahr um das Vierfache. Demgegenüber sind Tätigkeiten in Haus und Garten sowie im Bereich typischer Lebensräume für Nagetiere wie Ställe, Futtersilos oder unbewohnte Gebäude offenbar weniger gefährlich. Es ist aber in jedem Fall ratsam, Staub in möglicherweise verunreinigten Räumen nicht einzuatmen oder einen Mundschutz zu tragen, da die Viren auch durch feinste Staubpartikel in die Luft gewirbelt werden können. Tote Tiere sollten nur mit Einweghandschuhen entfernt werden.

 

 



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