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06.02.2008

Herzinfarkt nach Fußballspiel

Bei der Fußball-WM 2006 hat sich an den Spieltagen der Nationalmannschaft die Zahl der Herzinfarkte und gefährlichen Herzrhythmusstörungen fast verdreifacht. Das haben Mediziner des Universitätsklinikums München-Großhadern in einer Studie herausgefunden (New England Journal of Medicine 2008, 358: Seite 475). Dafür waren die Protokolle von 24 Notarztzentren in Südbayern ausgewertet worden. Männer sind demnach mehr gefährdet als Frauen, vor allem wenn bei ihnen schon eine Herzerkrankung vorliegt.

Je spannender, desto gefährlicher

Nach einer Hochrechnung der Wissenschaftler sind an den 7 Spieltagen der deutschen Elf bundesweit mehr Herznotfälle aufgetreten. „Man kann die Ergebnisse aber nicht auf alle Fußballspiele und vermutlich auch nicht auf die Europameisterschaft im kommenden Sommer übertragen", macht der Mediziner Prof. Gerhard Steinbeck deutlich. Denn die Fußball-WM 2006 mit dem erfolgreichen Abschneiden der deutschen Mannschaft sei besonders aufregend gewesen. Der bei der Studie federführenden Medizinerin Ute Wilbert-Lampen zufolge hat es an fußballfreien Tagen täglich 15 Herznotfälle gegeben, bei den Spielen Deutschlands im Viertelfinale gegen Argentinien und im Halbfinale gegen Italien ist diese Zahl dagegen auf mehr als 60 hochgeschnellt. „Diese beiden Spiele am 30. Juni und am 4. Juli 2006 seien aber auch besonders dramatisch gewesen", so Wilbert-Lampen.

Bei Herzerkrankungen: Ruhe bewahren!

 
Bild: pixelio
„Für herzgesunde Fußball-Fans ist das Risiko nicht so groß, dass man ängstlich sein muss", betonte der Statistiker Prof. Helmut Küchenhoff. Bei Männern stieg das Risiko bei der WM der Studie zufolge auf mehr als das 3-Fache, bei Frauen auf fast das Doppelte. Im Bevölkerungsmittel war das Risiko 2,7-fach erhöht. Zum Vergleich dienten den Medizinern Herzanfall-Zahlen aus Zeiträumen, in denen die Nationalmannschaft nicht um den begehrten goldenen Pokal kickte - etwa der Zeitraum direkt vor und nach der WM. Die meisten Notfälle ereigneten sich in den ersten 2 Stunden nach dem Beginn des Spiels, was die Mediziner als klaren Hinweis auf dessen Wirkung als emotionales Stressereignis werten. Zusammenfassend sagte Steinbeck, normalerweise erwarte man täglich einen Herznotfall pro 100.000 Einwohner, an den Spieltagen der deutschen Elf seien es 3 Fälle pro 100.000 Einwohner gewesen.

Herzkranke Personen jedoch, bei denen sich die Gefahr eines Herzinfarktes um das 4-Fache erhöhte, sollten sich vor solchen Stressperioden wie einer Fußball-WM jedoch vorsichtshalber noch mal bei ihrem Arzt durchchecken lassen, empfiehlt Steinbeck. Sie sollten zudem ihre Medikamente regelmäßig einnehmen und zusätzliche Risikofaktoren wie Alkohol oder übermäßiges Essen ausschließen.

 

 



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