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20.02.2008

Brachte Kolumbus Vorläufer der Syphilis nach Europa?

Der genetische Vergleich des Syphilis-Erregers mit verwandten Arten durch Wissenschaftler der Universität Atlanta liefert den bislang schlüssigsten Hinweis dafür, dass die Infektion mit dem Amerikaentdecker Christoph Kolumbus in die Alte Welt gelangte, allerdings auf eine andere Weise als bisher angenommen (Public Library of Science/Neglected Tropical Diseases 2008; 2: e148). Danach wurde die Erkrankung nicht einfach aus Amerika eingeschleppt, sie könnte vielmehr die Folge einer Anpassung älterer, in der Neuen Welt verbreiteter Bakterienarten an das kühlere Klima in Europa gewesen sein.

Die Wissenschaftler verglichen die Gensequenzen und erstellten einen Stammbaum der verschiedenen Erregerarten, die mit dem Erreger der Syphillis, dem Bakterium Treponema pallidum, verwandt sind. Dazu zählen die Frambösie (Erreger: Treponema pertenue) und Bejel (Erreger: Treponema endemicum). Diese Erkrankungen sind sehr selten und kommen unter anderem im südamerikanischen Staat Guayana, in Afrika, Südostasien, aber auch auf dem Balkan und im Irak vor.

Neuer Erreger durch Klimaveränderung?

Der Vergleich des Erbguts zeigt, dass der Syphilis-Erreger später in der Evolution entstanden ist als die anderen Treponema-Arten. Dem Syphilis-Bakterium am nächsten verwandt sind die in Guayana isolierten Frambösie-Erreger. Von ihnen könnte sich nach den Vorstellungen der US-Forscher der heutige Syphilis-Erreger ableiten, denn die Frambösie ist wesentlich älter. 

Ein Klimawechsel könnte dabei eine Rolle gespielt haben. Alle Treponema-Arten sind nämlich an bestimmte klimatische Bedingungen geknüpft. Bejel ist an trockene warme Regionen gebunden, die Frambösie an feuchte warme Gegenden. Das Klima in Europa ist dagegen feucht und mild. Möglicherweise mutierte der Frambösie-Erreger zum Syphilis-Erreger, als er mit den Matrosen nach Europa eingeschleppt wurde, um in der neuen Umgebung erfolgreich zu sein.

Noch ist diese These allerdings umstritten, denn der Vergleich beruht nur auf wenigen Abschnitten des Erbguts, lediglich die DNA des Syphilis-Erregers Treponema pallidum ist vollständig bekannt. Erst wenn das Erbgut der anderen Arten ebenfalls vollständig entschlüsselt ist, wird man die Herkunft und Entwicklung der Erkrankung eindeutig bestimmen können.

Syphilis tritt erstmals nach Kolumbus' Rückkehr in Europa auf

Bild: pixelio 
Dass die Syphilis durch die Reisen von Christoph Kolumbus nach Europa gelangte, wird seit langem vermutet. Denn die erste Syphilis-Epidemie in Europa trat im Jahr 1495 auf. Damals belagerte der französische König Karl VIII Neapel. Die Soldaten befiel eine rätselhafte Seuche, welche die Söldner nach ihrer Rückkehr in ganz Europa verbreiteten. Zwei Jahre zuvor, am 15. März 1493 war Kolumbus von seiner ersten Reise nach "Indien" zurückgekehrt. Er war zwar nur bis in die Karibik gekommen, seine Matrosen könnten als eines der ersten Importe aus der Neuen Welt jedoch den Syphilis-Erreger mitgebracht haben. In den Spelunken der Hafenstädte könnten die Matrosen die "Lustseuche" dann an Prostituierte weitergereicht haben, die dann die Söldner infizierten.

Für die Hypothese sprach, dass während der vorkolumbianischen Zeit in Europa keine Epidemien bekannt sind, was angesichts der späteren Ausbreitung des Erregers sehr ungewöhnlich ist. Denn die Syphilis trat später immer wieder auf und bis zur Entdeckung des Penicillins war sie die am meisten gefürchtete Infektion.

Doch die Kolumbus-Hypothese der Syphilis hat Schwächen. Denn auch in der Neuen Welt war die Syphilis nicht verbreitet. Sie wurde in der heutigen Form erst später mit den Conquistadores und den Siedlern eingeschleppt. Und in den letzten Jahren wurden die typischen Folgen der Syphilis am Skelett auch an einigen Knochenfunden aus Europa und Asien gefunden, die in die vorkolumbianische Zeit datieren. Gegner der Kolumbus-Hypothese halten es deshalb für möglich, dass die Syphilis in Antike und Mittelalter nur deshalb nicht bekannt war, weil sie mit der Pest oder anderen Infektionserkrankungen verwechselt wurde.

 

 



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