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23.04.2008

Zecken aus Südeuropa können Zeckenstichfieber hervorrufen

Durch die immer wärmeren Sommer und milderen Winter könnten künftig auch in  Süd- und Mitteleuropa Krankheitserreger heimisch werden, die bislang auf tropische oder subtropische Regionen der Erde beschränkt waren. „Dabei profitieren einerseits die Erreger selbst vom milderen Klima, andererseits dringen auch Tierarten, die Krankheitserreger übertragen können oder als Reservoir dienen, weiter in ursprünglich kühlere Gebiete vor", erklärt Prof. Thomas Löscher vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) auf einer Pressekonferenz des Münchner Tropeninstituts letzte Woche in München.

Neue Zeckenarten wandern ein

Aktuelles Beispiel dafür ist Ausbreitung von Erkrankungen, die durch Zecken übertragen werden. So  sind auch in bislang nicht betroffen Gebieten Norddeutschlands immer mehr Zecken mit dem Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) infiziert. Die Viren profitieren dabei von den steigenden Temperaturen in Mitteleuropa. Zum anderen wandern aus dem Mittelmeerraum Zeckenarten ein, die mit neuen Krankheitserregern infiziert sein können. Dazu zählen die so genannte Auwaldzecke und die Braune Hundezecke. Letztere kann mit Bakterien infiziert sein, die das so genannte Mittelmeer-Zeckenstichfieber hervorrufen. Diese Erkrankung kann zu einer schweren Hirn- oder Herzmuskelentzündung mit tödlichem Ausgang führen. „Die Braune Hundezecke kann leicht von Urlaubern mit ihren Hunden zurück nach Deutschland gebracht werden", warnt Prof. Löscher. „Wir müssen deshalb damit rechnen, dass es auch in Deutschland Fälle von Mittelmeer-Zeckenstichfieber geben wird", so der Infektions- und Tropenmediziner.

Sand- und Tigermücken in Deutschland

Weitere Beispiele für die Ausbreitung von hierzulande bislang unbekannten Krankheitsüberträgern sind die Sandmücke, ein potenzieller Übertäger von Leishmaniosen sowie  die Asiatische Tigermücke, die sowohl das Dengue- als auch das Chikungunya-Fieber übertragen kann. Die Erkrankung wird vom Chikungunya-Virus ausgelöst und  verursacht starke Gelenkschmerzen und Fieber. Die Tigermücken, die ursprünglich in Südostasien beheimatet sind, haben sich in den letzten Jahren bis nach Italien ausgebreitet und wurden kürzlich erstmals in Deutschland im Oberrheingraben gesichtet. In der Gegend um Ravenna kam es im Sommer 2007 zu einem ersten Chikungunya-Ausbruch  in Europa mit über 200 Erkrankungen und einem Todesfall. Die italienischen Tigermücken kamen offensichtlich durch einen infizierten Reisenden aus Indien in Kontakt mit dem Virus und haben den Erreger dann unter der lokalen Bevölkerung weiter verbreitet. „Bislang ist der europäische Winter eine natürliche Barriere für die Aktivität der Mücken und damit für die Virusübertragung. Wir wissen aber, dass das Virus von den Mücken an ihre Nachkommen weitergegeben werden kann und in Eiern und Puppen den Winter überstehen könnte", sagt Prof. Löscher. Auch wenn diese Mechanismen wohl nicht sehr effizient sind, so kann man einen erneuten Ausbruch nicht mit Sicherheit ausschließen.  

„Generell muss man davon ausgehen, dass auch in Deutschland vermehrt Fälle neuer Infektionskrankheiten auftreten können, auch wenn eine Vorhersage im Einzelfall schwierig ist", so Prof. Löscher. Zu Panik bestehe jedoch kein Anlass: „Wir haben eine Vielzahl von Maßnahmen zur Verfügung, wie wir uns vor diesen Erkrankungen schützen können. Schließlich haben wir auch die Malaria in Deutschland ausgerottet, obwohl die Malaria-Mücke hierzulande vorkommt." Wichtig sei vor allem ein ausreichender Impfschutz, wo immer dies möglich sei.

 

 



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