Internisten im Netz

Mitglied der Ärzte im Netz

News


04.06.2008

Behandlungsfehler vor allem bei Brustkrebs und Brüchen

Unerkannter Krebs, schlecht reparierte Brüche, falsche Diagnosen: Trotz aller Kampagnen zur Sicherheit in der Medizin haben Gutachter im vergangenen Jahr bei 2.095 Patienten Fehler der behandelnden Ärzte festgestellt. In 1.717 dieser Fälle führten die Fehler zu teils dauerhaften Schäden und Anspruch auf Schadenersatz, berichtete die Bundesärztekammer am Dienstag in Berlin.

Verbraucherschützer gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Insgesamt gingen nach einer Schätzung rund 40 000 Patienten gegen ihre Ärzte wegen Verdachts auf Fehler vor. Die meisten festgestellten Fehler gab es bei der Behandlung von Knochenbrüchen (mehr als 311), von Hüft- und Kniegelenkverschleiß (110) und von Brustkrebs (41). Auch entzündete Blinddärme würden wegen der schwierigen Diagnose nach wie vor regelmäßig zu spät operiert. Beim Brustkrebs falle die Diagnose zunächst oft zu harmlos aus. Darüber hinaus wurden Rückenschmerzen und deformierte Zehen und Finger mehrfach falsch behandelt. Die meisten festgestellten Fehler seien im Krankenhaus passiert, so die Kammer.

Nur ein kleiner Teil der Fälle werden bekannt

"Die Zahlen haben sich in den vergangenen Jahren kaum verändert", sagt Andreas Crusius, Vorsitzender der Konferenz der ärztlichen Gutachterkommissionen. Die Zahl der Patientenbeschwerden bei den Gutachterstellen der Kammern stieg 2007 im Vergleich zum Vorjahr leicht von 10.280 auf 10.432 an. Weitere 30.000 Patienten hätten sich schätzungsweise bei Gerichten, Versicherungen und Krankenkassen beschwert. Wie viele Fehler es insgesamt gab, sei unbekannt. "Was die Schlichtungsstellen veröffentlichen, ist nur die Spitze eines Eisberges", beklagt der Experte der Verbraucherzentrale, Stefan Etgeton. Der Narkosearzt Walter Schaffartzik, Vorsitzender der Schlichtungsstelle der norddeutschen Ärztekammern, sagte, nur wenige Patienten beschwerten sich bei Notfällen und Behandlungen auf der Intensivstation. Ärzte machten aber auch hier "bestimmt Fehler".

Ärztekammer, Gesundheitsministerium und das Aktionsbündnis Patientensicherheit hatten die Mediziner dazu aufgerufen, sich verstärkt zu Fehlern zu bekennen. Das Bündnis schätzt, dass es allein in Kliniken bis zu 560.000 meist leichte Fehler bei Behandlung und Pflege in Deutschland pro Jahr gibt - bei 17 Millionen Behandlungsfällen. Die Ärztekammer erhofft sich von der veröffentlichten Statistik positive Effekte, "damit Fehler vermieden werden", sagte Crusius. Sie diene etwa als Basis für Fortbildungen. Schnelle Erfolge in allen Bereichen werde es aber wohl nicht geben, räumte Schaffartzik ein: "Das ist ein weiter, langer und sehr, sehr schwieriger Weg."

Unzufriedenheit besonders nach Operationen

Ärzte weigern sich entgegen geltenden Rechts mitunter, Patienten die Diagnose- und Behandlungsunterlagen zu geben. Die Schlichtungsstellen haben dagegen damit keine Probleme. Die Schlichtungsverfahren dauern im Schnitt 13 Monate und dienen nicht zuletzt dazu, jahrelange Gerichtsstreitigkeiten zu vermeiden. Bei durchschnittlich 1,8 Vorwürfen pro Antrag summierte sich die Zahl der Patientenvorwürfe 2007 auf 12.658. Am unzufriedensten waren die Patienten mit 3.262 Vorwürfen nach Operationen. Deutliche Anstiege gab es bei Vorwürfen wegen angeblich falschen Diagnosen (798) und Arzneimitteltherapien (548).

Gegen Risiken bei der Arzneimittelgabe rief das Bundesgesundheitsministerium mit einem Aktionsplan Ärzte, Apotheker und Behörden zusammen. Bei der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft wurde dazu eine Koordinierungsgruppe eingerichtet. Nach Einschätzung des Bremer Gesundheitsforschers Gerd Glaeske werden jährlich 16.000 bis 25-000 Todesfälle durch Neben- und Wechselwirkungen verursacht.



Artikel drucken   Artikel empfehlen

Im Fokus

Vor Afrikareise Impfschutz überprüfen

Wer nach Afrika reisen will, sollte sich gegen Meningokokken impfen lassen.

zum Artikel...

Grippe-Impfung

Wer chronisch krank ist, sollte sich unbedingt gegen Grippe impfen lassen, um das Risiko für Komplikationen durch eine Influenza zu senken. Dazu raten die Internisten vom BDI. Fragen rund um die Grippe-Impfung können auf http://www.impfenimdialog.de/ an Experten gestellt werden, die sie innerhalb von 3 Tagen online beantworten.

zum Artikel...

Was kann bei Reizmagen tun?

Ungesunde Ernährung und Stress sind die häufigsten Auslöser eines Druckgefühls und Schmerzen in der Magengegend...

zum Artikel...

Dem Diabetischen Fuß vorbeugen

Die richtige Fußpflege und das Tragen bequemer Schuhe sind ein wichtiger Beitrag...

zum Artikel...

Vorsicht bei Herzstolpern nach Erkältung

Treten nach einem bereits überstanden geglaubten grippalen Infekt Atemnot und Herzrhythmusstörungen auf, so kann die Ursache eine nicht ungefährliche Entzündung des Herzmuskels sein...

zum Artikel...

Den Blutdruck korrekt messen

Für eine korrekte Messung des Blutdrucks zu Hause mit einem Messgerät für das Handgelenk gibt es einige Regeln zu beachten...

zum Artikel...

Wie man Diabetes verhindern kann

Auch bei erhöhtem Blutzucker-Wert kann man eine Diabetes-Erkrankung vermeiden...

zum Artikel...

Was Sie über Grippe wissen sollten

Hier finden Sie Infos zu Ansteckung, Symptomen, Vorsorge und Impfung...

zum Artikel...

Krankenkassen bezahlen Reiseimpfungen

Hier finden Sie eine Liste der 50 größten Versicherer zum Ausdrucken...

zum Artikel...

Schilddrüsen-Check

Internisten empfehlen jährliche Tast-Untersuchung der Schilddrüse...

zum Artikel...

Herzrhythmusstörungen: Sport hält Herz im Takt

Auch wer Probleme mit dem Herzschlag hat, braucht auf Sport nicht zu verzichten...

zum Artikel...