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18.07.2008

Reizdarm: Empfindlicher Darm durch Schmerzrezeptoren

Menschen mit einem überempfindlichen Darm weisen Wissenschaftlern aus London zufolge eine große Anzahl von Schmerzrezeptoren in ihrer Darmwand auf (Gut 2008, doi:10.1136/gut.2007.138982). Die Rezeptormoleküle könnten der Grund dafür sein, warum Menschen, die unter einem Reizdarm-Syndrom leiden, häufig starke Schmerzen haben, teilt der Berufsverband Deutscher Internisten mit.

Bei ihrer Untersuchung stellten die Forscher fest, dass die Nervenfasern im Dickdarmgewebe von Reizdarm-Patienten deutlich mehr Rezeptoren bilden als im Darm von gesunden Menschen. „Die zusätzlichen Rezeptormoleküle machen die Nervenfasern empfindlich für Reize, die bei Gesunden noch keine Schmerzempfindung auslösen würden. Diese vermehrt wahrgenommenen Reize werden zum Gehirn weitergeleitet und führen deshalb zu stärkerer Schmerzempfindung", erklärt Prof. Richard Raedsch vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI). Die Entdeckung der britischen Wissenschaftler könnte zudem erklären, warum scharfes Essen die Symptome eines Reizdarms verschlimmert: Die Rezeptoren reagieren nämlich auch auf eine Substanz, die die Schärfe von Chili bewirkt. Bei Kontakt mit dem so genannten Capsacain, aber auch mit Entzündungsstoffen oder Säure sowie bei Hitze rufen die Rezeptormoleküle einen brennenden Schmerz hervor.

Ursache eines Reizdarms ist weiter unklar

Noch lässt sich nicht sagen, ob die verstärkte Bildung von Schmerzrezeptoren im Darm Ursache oder Folge eines Reizdarms sind. „Als möglicher Ansatzpunkt für künftige Medikamente besitzt die Entdeckung aber große Bedeutung", hofft Prof. Raedsch. Wirkstoffe, die die Rezeptormoleküle blockieren, könnten die Schmerzen von Reizdarm-Patienten lindern. „Bislang lassen sich lediglich die Symptome eines überempfindlichen Darms behandeln, z.B. mit Ballaststoffen wie Plantago afra, sowie krampflösende oder abführende Mittel", so der Magen-/Darmspezialist.

Unter dem Begriff Reizdarm-Syndrom werden verschiedene Krankheitssymptome zusammengefasst, für die es bislang keine ausreichende Erklärung gibt. Eine ungesunde Lebens- und Ernährungsweise mit Alkohol- und Nikotinkonsum sowie ballaststoffarmer Kost fördern aber mit großer Sicherheit die Entstehung eines Reizdarms. Die Betroffenen leiden unter Bauchschmerzen und Verdauungsproblemen wie Blähungen, Verstopfung oder Durchfall. In Deutschland sind schätzungsweise bis zu 12 Millionen Menschen - in erster Linie Frauen - betroffen.

 

 



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