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02.09.2008

Sepsis: Neue Wirkstoffe gegen Blutvergiftung

Eine Sepsis ist die schwerste Verlaufsform einer Infektion. Sie entwickelt sich während schwerer Erkrankungen, nach Verletzungen oder großen Operationen. Ausgehend von einem örtlich begrenzten Krankheitsherd breitet sich die Entzündung bei einer Sepsis im ganzen Körper aus. Es kommt zu einer fatalen Kettenreaktion mit hohem Tempo: Der Kreislauf kollabiert und viele Organe zeigen schwere Funktionsstörungen. Nieren, Lunge, Leber und Herz können schließlich komplett versagen. Pro Jahr entwickeln rund 200.000 Patienten in Deutschland eine Sepsis, ein Drittel stirbt an den Folgen der außer Kontrolle geratenen Infektion. In Deutschland ist sie die 3.-häufigste Todesursache, auf den Intensivstationen sogar die häufigste.

Eine neue Methode, die tödliche Entzündung bei Blutvergiftung einzudämmen, haben Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg einer aktuellen Studie zufolge mit Erfolg an Mäusen erprobt (Critical Care Medicine 2008, 36: S. 404): Der Wirkstoff, der klinisch bereits bei Vergiftungen zum Einsatz kommt, unterbricht die Entzündungsreaktion effektiv, verursacht dabei aber weniger Nebenwirkungen und ist kostengünstiger als die bekannten Therapien.

Körpereigener Regelmechanismus muss in Gang gesetzt werden

Die Forscher haben die bekannte Tatsache, dass die Wirkstoffe Physostigmin und Neostigmin den Abbau von Acetylcholin verhindern, erfolgreich zur Behandlung einer Sepsis erprobt. Nach Gabe einer der beiden Substanzen bleiben Entzündungsreaktionen unter Kontrolle, denn Acetylcholin ist ein Botenstoff, der die Ausschüttung entzündungsfördernder Stoffe verringert. Die beiden Wirkstoffe konnten laut der Heidelberger Wissenschaftler die Überlebenschancen von Mäusen nach einer Sepsis mehr als verdoppeln. Ein weiterer Pluspunkt von Physostigmin und Neostigmin ist, dass sie bereits beim Menschen erfolgreich eingesetzt werden: Beide Substanzen werden schon jetzt zur Behandlung von Vergiftungserscheinungen angewandt.

Ob diese Beobachtungen auf den Menschen anwendbar sind, soll weiter untersucht werden. Eine entsprechende Studie durch das Studienzentrum der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg ist für Ende 2008 geplant.

 

 



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