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24.04.2009 Werden Tumore durch Angiogenese-Hemmer aggressiver?
Angiogenese-Hemmer sind Wirkstoffe, die das Wachstum von Blutgefäßen unterbinden sollen. Sie wurden ursprünglich dazu entwickelt, Tumorgewebe von der Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen abzuschneiden. Denn ab einer bestimmten Größe muss ein Tumor über den Blutkreislauf versorgt werden. Deshalb sondern die Krebszellen Botenstoffe ab, die neue Blutgefäße sprießen lassen. Gegensätzliche WirkungAngiogenese-Hemmer blockieren die Wirkung dieser Botenstoffe und verlangsamen nachgewiesenermaßen das Wachstum von Krebsgeschwüren. Allein oder in Kombination mit anderen Medikamenten können sie so das Tumorwachstum bei verschiedenen Krebserkrankungen bremsen, z. B. bei Darm-, Lungen- oder Nierenkrebs. Möglicherweise ist dies aber nur eine Seite der Medaille. Denn neue Studien haben nun gezeigt, dass bei Mäusen mindestens 2 der 3 zur Krebstherapie zugelassenen Angiogenese-Hemmer die Bösartigkeit von Tumoren erhöhen können (Cancer Cell 2009, Band 15: Seite 220 und 232). Wurden krebskranke Labortiere mit den Wirkstoffen Sunitinib oder Sorafenib behandelt, verlangsamte sich einerseits das Tumorwachstum deutlich, andererseits drangen die Tumore verstärkt in das umliegende Gewebe ein und bildeten mehr Metastasen.
Eine solche Gegenreaktion gegen das Verhungern ist bislang nur in Tierexperimenten nachgewiesen worden. Es gibt aber Hinweise darauf, dass Angiogenese-Hemmer auch beim Menschen die Entstehung bösartiger Tumore fördern. „Vielleicht ist dieser Befund die Erklärung dafür, warum der lebensverlängernde Effekt dieser Wirkstoffe trotz ihrer nachweislichen Wirkung auf das Tumorwachstum nicht übermäßig hoch ist", vermutet Prof. Hartenstein. In Deutschland sind die Wirkstoffe Sunitinib, Sorafenib und Bevacizumab zur Behandlung verschiedener Krebserkrankungen zugelassen. In jedem Fall müssten weitere Untersuchungen klären, ob Angiogenese-Hemmer auch beim Menschen dieselbe Wirkung haben. In diesem Fall könnte eine Kombination mit Medikamenten, die das Einwachsen oder die Bildung von Metastasen verhindern, ihre Wirkung vielleicht verbessern.
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