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29.05.2009

Biologika können Rheuma stoppen

AntikörperSo genannte Biologika können entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis heute bei bis zu 3 Viertel aller Betroffenen erfolgreich stoppen. Bei 20 bis 30% der Kranken schlägt jedoch keines dieser Mittel an. „In den vergangenen Jahren hat die Forschung mehrere neue Wirkstoffe entwickelt, die inzwischen kurz vor der Zulassung stehen oder bereits auf dem Markt sind. Vieles spricht dafür, dass wir damit auch den Rheuma-Patienten helfen können, bei denen andere Medikamente wirkungslos geblieben sind", berichtete Jörn Kekow auf dem 4. Kongress des Berufsverbandes Deutscher Rheumatologen (BDRh) im Mai in Berlin.

Eines der Mittel, die schon bald einen wichtigen Beitrag dazu leisten könnten, ist der Wirkstoff Tocilizumab. Das Medikament, das seit Januar 2009 für die Behandlung erwachsener Patienten mit mäßiger bis schwerer aktiver rheumatoider Arthritis und in Kombination mit dem Medikament Methotrexat zugelassen ist, beruht auf einem neuartigen Wirkprinzip. Anders als die meisten bisher verfügbaren Biologika gegen Rheuma hemmt das neue Mittel aber nicht den Tumornekrosefaktor (TNF) alpha - der körpereigene Immunbotenstoff galt bislang als einer der maßgeblichen ‚Übeltäter' bei der Entstehung entzündlich-rheumatischer Erkrankungen. Tocilizumab blockiert vielmehr die Wirkung des Immunbotenstoffs Interleukin-6. Wie man heute weiß, hat Interleukin-6 neben TNF-alpha und Interleukin-1 eine Schlüsselrolle in dem Entzündungsprozess, der bei rheumatoider Arthritis für die chronisch fortschreitende Erkrankung der Gelenke und umgebende Gewebe verantwortlich ist.

Hemmung von T-Zellen unterdrückt Entzündungen

 
Bild: Verschiedene Rezeptormoleküle
regulieren die Aktivität von Immunzellen
(zum Vergrößern bitte anklicken).
Ein weiterer neuer Pfeil im Köcher der Rheumatologen ist der Wirkstoff Abatacept, der seit Mitte 2008 auf dem Markt ist. Das Präparat ist ein so genannter selektiver T-Zell-Kostimulations-Blocker. Der Wirkstoff schwächt die Aktivierung von T-Lymphozyten und hemmt dadurch unter anderem die Entzündung bei rheumatoider Arthritis. T-Lymphozyten sind Zellen, die eine wichtige Rolle bei der Steuerung verschiedener Abwehrvorgänge des Immunsystems spielen.

Dank der neuen Präparate können Mediziner heute bei der Therapie an verschiedenen Angriffspunkten ansetzen. „Das erhöht die Chancen auf einen Erfolg bei Patienten, deren Körper auf bisher verfügbare Biologika nicht oder nicht mehr anspricht", sagte Prof. Kekow in Berlin.

Darüber hinaus zeichnet sich derzeit noch ein weiterer Trend ab. Zwar wurden fast alle in der Rheumatologie eingesetzten Biologika zunächst zur Behandlung von rheumatoider Arthritis entwickelt. Inzwischen aber werden diese Medikamente auch zunehmend für die Behandlung anderer rheumatischer Erkrankungen interessant. Beispiele dafür sind Erkrankungen wie etwa die Psoriasis-Arthropathie, der Morbus Still und Morbus Bechterew sowie systemischer Lupus erythematodes. Prof. Kekow: „Bei diesen Leiden erzielen wir zum Teil ganz wunderbare Ergebnisse. Und das, nachdem bei einigen dieser Krankheiten noch bis vor kurzem eine komplette Therapiewüste herrschte."

 

 

 



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