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19.06.2009

Globalisierung fördert die Entstehung gefährlicher Krankheitserreger

Die zunehmende Globalisierung fördert nicht nur die Verbreitung von Krankheitserregern wie Viren und Bakterien, sie führt womöglich auch dazu, dass diese gefährlicher für den Menschen werden. Dem Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) zufolge deuten die Ergebnisse britischer Wissenschaftler darauf hin, dass Infektionskrankheiten künftig schwerer verlaufen könnten (Nature 2009, online vorab veröffentlicht).

Krankheitserreger sind Parasiten, die sich auf Kosten ihrer Wirte ernähren und vermehren. Heute geht man davon aus, dass viele Erreger ursprünglich von Tieren stammen und von diesen auf den Menschen übergesprungen sind. Neue Erreger aus dem Tierreich sind nicht an den Menschen angepasst und verursachen oft schwere Erkrankungen mit häufigen Todesfällen, wie etwa bei SARS oder der Vogelgrippe H5N1. „Ein Paradebeispiel für einen schlecht angepassten Erreger ist das Ebola-Virus" erklärt Prof. Thomas Löscher vom BDI. „Seine natürlichen Wirte sind Fledermäuse, nur gelegentlich infiziert es den Menschen. Während das Virus bei Fledermäusen keine Krankheitszeichen hervorruft, tötet es seine menschlichen Wirte häufig und relativ schnell. Wechseln solche Erreger dauerhaft ihren Wirt und werden effektiv von Mensch zu Mensch übertragen, so begünstigt die Evolution eine langsame Anpassung des neuen Wirtes, so dass die Erreger diesem mit der Zeit immer weniger Schaden zufügen." Bakterien oder Viren, die ursprünglich schwer verlaufende oder gar zum Tode führende Infektionen auslösen, können so ihre Aggressivität verlieren und mit der Zeit leichtere Krankheitsverläufe hervorrufen. Dadurch stellen sie sicher, dass sie sich und ihren Nachkommen nicht die Lebensgrundlage entziehen. Es ist also im Eigeninteresse der Erreger, dass der Wirtsorganismus möglichst lange überlebt und gesund bleibt, damit sie sich optimal vermehren können.

Die in Nature veröffentlichen Modelle berechnen nun die eher kurzfristige Selektion des Erregers in Abhängigkeit von der Anzahl verfügbarer Wirte. Ist die Anzahl der Wirte begrenzt und sterben viele durch hoch ansteckende Erreger, so werden diese Erregerstämme nur wenig effektiv weitergegeben. Umgekehrt treten die weniger ansteckenden und damit seltener zum Tod führenden Erregerstämme in den Vordergrund: Die Infektiosität der Erreger und die Schwere der Erkrankung nehmen ab. Voraussetzung für diese Selektion hin zu milderen Infektionen ist, dass Krankheitserreger sich nicht beliebig verbreiten können und so auf die Wirte in ihrer Umgebung angewiesen sind. Dieser Effekt fällt bei einer beliebigen Anzahl verfügbarer Wirte weg. Werden Erreger etwa infolge der Globalisierung rasch über große Entfernungen transportiert, stehen den Erregern weiter genügend Wirte zur Verfügung, in denen sie sich vermehren können, selbst wenn diese stark unter einer Infektion leiden oder rasch sterben. Wenn immer genügend Wirte vorhanden sind, zahlt es sich nämlich für die Erreger aus, sich mit maximaler Geschwindigkeit zu vermehren, was meist zu besonders schweren Verläufen von Infektionen führt.

Bei einigen Infektionskrankheiten kommt hinzu, dass die mit hoch ansteckenden Erregern infizierten Wirte infektiöser sind und diese Erreger eher weitergegeben werden. „Die Globalisierung könnte auf diese Weise dazu beitragen, dass das Ansteckungspotenzial von Krankheitserregern zunimmt und die Infektionen schwerer verlaufen", warnt Prof. Löscher. "Allerdings lassen sich solche Modelle nicht generell anwenden und es müssen stets die zum Teil sehr komplexen epidemiologischen und ökologischen Besonderheiten jeder einzelnen Infektionskrankheit berücksichtigt werden."

 

 

 

 



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