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07.07.2009

Unerfüllter Kinderwunsch durch Schilddrüsen-Erkrankung

Schilddrüsen-Erkrankungen verlaufen häufig lange unbemerkt. Nach Einschätzung eines Experten in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009, Band 134: Seite 83) sind Unter- und Überfunktion der Schilddrüse jedoch eine häufige Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch. Ohne genügend Schilddrüsenhormone ist eine normale kindliche Entwicklung nicht möglich, erklärt Professor Roland Gärtner von der Universität München. In den ersten Schwangerschaftswochen ist das Kind sogar ganz auf die Hormone der Mutter angewiesen. Ihre Schilddrüse muss bis zu 50% mehr Hormone bilden, wofür sie ausreichend mit Jod versorgt werden muss.

Beim Mangel kommt es zum Kropf, der früher in Jodmangel-Gebieten wie Bayern sehr häufig war. Ein zu enges, früher passendes Kropfband - Teil der traditionellen bayerischen Tracht - war ein sicheres Schwangerschaftszeichen, erinnert sich Professor Gärtner. Heute nehmen ca. 80% aller Schwangeren in Bayern Jodtabletten (meist kombiniert mit Folsäure) ein. Ein Kropf ist deshalb in der Schwangerschaft seltener geworden.

Dennoch ist eine Unterversorgung des Kindes im Bauch der Mutter möglich. Die Ursache ist dann häufig eine Autoimmun-Thyreoiditis, eine durch das eigene Immunsystem ausgelöste Entzündung der Schilddrüse. Es bildet so genannte Autoantikörper, die die Zellen der Schilddrüse angreifen und zerstören. Jede 6. Frau hat Prof. Gärtner zufolge eine Veranlagung für diese Autoimmun-Thyreoiditis, bei bis zu 10% kommt es tatsächlich zur Bildung von Autoantikörpern. Die jungen Frauen spüren in der Regel gar nichts, da die Schilddrüsenunterfunktion in der Regel milde ist. Für die Versorgung der Mutter sind genügend Hormone vorhanden. Bei einer Schwangerschaft ist die Drüse dann aber rasch überfordert. Eine mögliche Folge ist eine Fehlgeburt. Etwa 30% aller Schwangerschaften enden bei diesen Patientinnen in einer Fehlgeburt, so der Autor.

Oft gehe das Kind sehr früh verloren. Nur ein Drittel der Frauen bemerke dies überhaupt. Frauen mit Autoimmun-Thyreoiditis haben ein deutlich erhöhtes Fehlgeburtrisiko, weiß der Schilddrüsenexperte: Bei nicht erfülltem Kinderwunsch sollte deshalb immer untersucht werden, ob eine Autoimmun-Thyreoiditis oder eine andere Störung der Schilddrüsenfunktion vorliegt. Fallen die Tests positiv aus, kann eine Behandlung mit Schilddrüsenhormonen eine Schwangerschaft ermöglichen.

Auch eine Überproduktion von Schilddrüsenhormonen kann eine Schwangerschaft verhindern. Bei diesen Frauen müssen Ärzte die Hormonproduktion bremsen, auch wenn die Frauen bereits schwanger sind. Denn ebenso wie ein Hormonmangel, kann auch eine Überproduktion der Entwicklung des Kindes schweren Schaden zufügen. Am häufigsten ist die Überproduktion während der ersten Schwangerschaftswochen. Auslöser ist dann häufig das Hormon HCG, das vom Mutterkuchen, der Plazenta, gebildet wird. Es steigert bei der Mutter die Produktion der Schilddrüsenhormone. Eine sinnvolle Einrichtung der Natur, da das Kind ja auf die Hormone der Mutter angewiesen ist. Gelegentlich wird aber zu viel Schilddrüsenhormon gebildet. Besonders groß ist das Risiko wenn die Plazenta doppelt vorhanden ist, weil die Frau Zwillinge bekommt. Im Verlauf der Schwangerschaft sinkt die Hormonproduktion meistens wieder. Eine Unterversorgung des Kindes durch eine Therapie der Überfunktion der Mutter muss laut Gärtner unbedingt vermieden werden. Regelmäßige Hormon-Checks - alle 4 bis 6 Wochen - der Mutter sind Pflicht. Geht es der Mutter gut, ist auch das Kind gesund, so der Experte.

 

 

 

 



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