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21.10.2009

Zwei Berliner Rheumaforscher erhalten Förderpreis

Zwei deutsche Forscher vom Deutschen Rheuma-Forschungszentrum Berlin (DRFZ) haben den diesjährigen Förderpreis der Stiftung Wolfgang Schulze von der Deutschen Rheuma Liga e.V. überreicht bekommen. Für diesen Preis bewerben sich jedes Jahr Forscher aus dem In- und Ausland mit ihren Erstveröffentlichungen. Die von der Rheuma-Liga e.V. verwaltete Stiftung hat seit dem Jahr 2002 das Ziel, Forschung auf dem Gebiet der entzündlichen und autoimmunen rheumatischen Erkrankungen zu unterstützen. Die diesjährigen Preisträger, Dipl. biol. Inka Albrecht und Dr. rer. nat. Uwe Niesne aus der Abteilung von Prof. Andreas Radbruch (Wissenschaftlicher Direktor des DRFZ), haben mit dem Gen Twist1 ein im Labor diagnostizierbares Kennzeichen für bestimmte, Rheuma verursachende Zellen gefunden. Anhand dieses Biomarkers lassen sich krankmachende von schützenden Zellen des Abwehrsystems unterscheiden. Dies wiederum bildet neue Grundlagen für Therapien, die an den Ursachen von Rheuma ansetzen.

Menschen mit entzündlich rheumatischen Erkrankungen leiden dauerhaft unter starken Schmerzen, die nicht selten ihr Leben erheblich beeinträchtigen. Ursache ist eine fehlgeleitete Immunabwehr, die körpereigenes Gewebe als fremd ansieht und dann angreift. Bei rheumatoider Arthritis zum Beispiel ruft das Immunsystem im Knorpel von Gelenken Entzündungen hervor, die unbehandelt bis zur völligen Zerstörung der Gelenke führen können. Auslöser sind bestimmte weiße Blutkörperchen, unter anderem die T-Helfer-Zellen (TH-Zellen). Zwar üben die meisten TH-Zellen auch bei Betroffenen weiterhin ihre schützende Funktion aus (z.B. gegenüber eingedrungenen, also fremden Viren oder Bakterien). Nach Angaben der Preisträger verhalten sich einige davon aber wiederholt autoreaktiv – das heißt sie greifen immer wieder das gesunde Gewebe an.

Worin sich die TH-Zellen von Rheumatikern gegenüber Gesunden unterscheiden, haben die Forscher mithilfe einer Analyse der Erbsubstanz herausgefunden: Twist1 ist eines der Gene, das ausschließlich in den entzündungsfördernden Zellen aktiv ist und somit als Biomarker dienen kann, der eine entzündliche rheumatische Erkrankungen anzeigt. Außerdem reguliert das Gen die Aktivität der TH-Zellen: Wird Twist1 im Tierversuch ausgeschaltet, verstärkt sich die Entzündung.

Biomarker tragen entscheidend dazu bei, Krankheiten früher zu erkennen und ihren Verlauf besser einzuschätzen zu können. Die Forscher erhoffen sich von den neuen Erkenntnissen aber auch neue Therapiemöglichkeiten. Bislang zielen nämlich die meisten Medikamente auf eine Linderung der Krankheitsbeschwerden ab, ohne die Ursache von Rheuma zu bekämpfen. Sobald die Medikamente abgesetzt werden, schreitet auch die Zerstörung der Gelenke wieder voran. Eine Immuntherapie, die das fehlgeleitete Immunsystem unterdrückt, hat zudem den Nachteil, die gesamte körpereigene Abwehr abzuschwächen. Ein langfristiges Ziel der Wissenschaftler ist daher die Beseitigung der Ursache und damit eine Heilung von Rheuma. Twist1 könnte hierfür einen geeigneten Angriffspunkt bieten. Die Forscher hoffen, auf diesem Weg künftig die schädigenden Th-Zellen identifizieren und ausschalten zu können, während die gesunden TH-Zellen weiterhin im Stande bleiben, den Schutz des Körpers aufrechtzuerhalten.

 


 

 



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