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30.09.2009

Immunantwort entscheidend für Prognose bei Darmkrebs

Der Krankheitsverlauf bei Patienten mit Darmkrebs wird maßgeblich von der lokalen Aktivität der Körperabwehr im Tumor und in seiner unmittelbaren Umgebung bestimmt. Dies gilt unabhängig von der lokalen Ausbreitung und Metastasierung, wie Dr. Jérôme Galon, INSERM Forschungsdirektor, Paris, und sein Team herausgefunden haben. Die Analyse der lokalen Immunantwort sollte daher unbedingt in den Prozess des Stagings und der Therapieentscheidung einbezogen werden, betont Galon beim 2nd European Congress of Immunology ECI 2009.

Tumoren des Dickdarms und Enddarms gehören mit etwa einer Million Neuerkrankungen pro Jahr weltweit zu den häufigsten Krebserkrankungen. Die Prognose ist mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von 55 % unbefriedigend. Bei lokal begrenzten Tumoren ohne Metastasen ist die chirurgische Entfernung zwar prinzipiell in der Lage, eine Heilung herbeizuführen. Eine zusätzliche Chemotherapie erhalten nur Patienten, die bereits Lymphknotenmetastasen oder Fernmetastasen aufweisen. Doch auch von den Patienten mit lokal begrenztem Tumor (UICC-Stadium I/II) erleiden viele einen Rückfall oder sterben an ihrer Erkrankung. "Daher brauchen wir dringend neue Instrumente, mit denen wir Patienten mit hohem Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung identifizieren können", betont Galon.

Bisher wird die Prognose der Patienten - und damit die Entscheidung über die Aggressivität der Therapie - am Tumorstadium festgemacht. Dieses "Staging" orientiert sich vor allem an der lokalen Ausbreitung des Tumors und am Ausmaß der Fernmetastasierung. Galon und Mitarbeiter konnten zeigen, dass die detaillierte Analyse der lokalen Immunantwort ein viel besserer Prädiktor wäre, der auch bei kleinen Tumoren die besonders gefährdeten Patienten zuverlässig identifiziert.

In seinen Arbeiten hat Galon die Infiltration der Lymphozyten, der wichtigsten Zellen der Körperabwehr, in den Tumor und seine Ränder bei 415 Patienten mit Darmkrebs quantitativ und qualitativ evaluiert. Er wertete Art, Dichte und Verteilung der Immunzellen aus, bestimmte spezielle Immunparameter und ermittelte typische Genexpressionsmuster, die mit der Tumorentwicklung einhergehen. Die so gewonnenen Daten wurden dann nochmals an zwei unterschiedlichen Patientenkohorten mit 60 bzw. 119 Patienten in geblindeter Weise nachgeprüft und bestätigt.

Die statistischen Auswertungen belegen den starken Einfluss der Immunabwehr auf den klinischen Verlauf in allen Stadien der Erkrankung. Eine hohe Dichte von Immunzellen im Tumor als Ausdruck einer starken Immunreaktion korrelierte mit einer günstigen Prognose, und zwar unabhängig von der Größe des Primärtumors und der Tumorausbreitung. Umgekehrt war eine schwache Immunantwort das Zeichen einer schlechten Prognose, auch bei Patienten im Frühstadium. "Dieser Zusammenhang wurde noch nie für einen menschlichen Tumor gezeigt", erklärt Galon. Als Konsequenz sollte die bisherige Klassifikation der kolorektalen Tumoren als Grundlage für die Prognosebestimmung überdacht werden. Verändern wird sich insbesondere die Identifikation von Hochrisikopatienten, die eventuell von einer adjuvanten Chemo- oder Immuntherapie profitieren.

Galons jüngste Daten von 602 Patienten der Stadien I und II aus zwei unterschiedlichen Kohorten belegen darüber hinaus die Schlüsselrolle von zwei T-Lymphozyten-Subgruppen - den zytotoxischen CD8-T-Zellen und den Gedächtnis-T-Zellen. Offenbar kontrollieren die Gedächtniszellen die frühen Schritte der Metastasierung. Von ihnen hängt es ab, ob sich der Tumor entlang der Blut-, Lymph- und Nervenbahnen weiter im Körper ausbreiten kann oder nicht. Die Funktion dieser Immunzellen bestimmt maßgeblich das Rezidivrisiko und das Überleben der Patienten, auch bei sehr kleinen Tumoren. Galon und Kollegen habe bereits einen einfachen "Immunscore" entwickelt, der möglicherweise für die klinische Praxis der Identifikation von Hochrisikopatienten von großem klinischem Nutzen sein wird.

Quelle: idw

 

 

 

 



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