Internisten im Netz

Mitglied der Ärzte im Netz

News


30.09.2009

Grippe-Impfung wird vielen Patienten in Rheinland-Pfalz nicht mehr erstattet

Vielen Menschen in Rheinland-Pfalz wird die Kostenerstattung für die jährliche Grippe-Schutzimpfung in diesem Jahr verweigert. In einem Schreiben an Patienten informiert die Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz, dass die rheinland-pfälzischen Krankenkassen nicht mehr bereit sind, wie in den vergangenen Jahren allen Versicherten die saisonale Grippe-Impfung anzubieten. „Seit Jahren wird von allen maßgeblichen Verantwortlichen im deutschen Gesundheitswesen, von der Politik, der Wissenschaft, aber auch von den Krankenkassen, die Grippe-Impfung für alle propagiert", entrüstet sich Dr. Heinz Rauch, Vorsitzender des Landesverbandes Deutscher Internisten in Rheinland-Pfalz. Nun nimmt ein Großteil der gesetzlichen Krankenkassen diese Leistung wieder zurück, um die zusätzlichen Kosten, die ihnen durch die Schweinegrippe-Impfung entstehen, auszugleichen. Auch für die KV in Rheinland-Pfalz ist dieses Vorgehen völlig unverständlich. „Dieser Schritt wird die Menschen total verunsichern, die gesetzlichen Krankenkassen verlieren an Glaubwürdigkeit. Abgesehen davon, dass die Krankenkassen hier eine Milchmädchen-Rechnung machen. Die Folgekosten für die Behandlung der Influenza-Kranken werden wesentlich höher sein als die Kosten für den vorbeugenden Impfstoff", prognostiziert Rauch.

Risiko einer starken Influenza-Welle steigt dadurch

Denn die gesundheitlichen Gefahren durch die saisonale Grippe haben sich keineswegs geändert. Im Gegenteil: Durch die Schweinegrippe-Pandemie besteht in diesem Jahr zusätzlich die Gefahr von Influenza-Doppelinfektionen durch saisonale Influenza- und Schweinegrippe-Viren, die zu schweren Krankheitsverläufen führen können. Für den Kampf gegen die Influenza bedeutet die Rücknahme der Kostenerstattung für die vorbeugende Impfung einen schweren Rückschlag. "Wenn es dabei bleibt, müssen wir mit einer deutlichen Zunahme der Grippe-Wellen und natürlich auch mit mehr Krankenhauseinweisungen und Todesfällen durch Influenza-Komplikationen rechnen", warnt der Mediziner. „Wir appellieren daher an die Kassen, ihre Entscheidung zurückzunehmen und wie in den vergangenen Jahren die Grippe-Impfung allen anzubieten."


Ärzte kritisieren Kassen - Verunsicherung der Versicherten wächst

In der gerade begonnenen Grippe-Saison sollen in Rheinland-Pfalz also nur noch Risikopatienten auf Kassenkosten geschützt werden. Dazu gehören Menschen über 60 Jahren, chronisch Kranke und Personen, die aufgrund ihres Berufes viel Kontakt mit anderen Menschen haben. Doch nicht alle gesetzlichen Kassen in Rheinland-Pfalz schließen sich dieser Entscheidung an. So übernehmen die Techniker Krankenkasse (TK) und die Barmer Ersatzkasse im Gegensatz zu den Betriebskrankenkassen (BKK) und der AOK weiterhin für alle Versicherten die Kosten für die Grippe-Schutzimpfung. Die TK sichert die Erstattung bundesweit zu, die Barmer zumindest für Rheinland-Pfalz, für Hessen hingegen nicht. „Versicherte anderer Kassen oder in anderen Bundesländern sollten vorab klären, ob ihre Kasse die Kosten trägt", rät Rauch.

Doch durch diese uneinheitliche Kostenübernahme werden selbst TK- und Barmer-Versicherte in Rheinland-Pfalz zumindest zur Vorkasse gebeten. „Der TK- oder Barmer-Versicherte kann dann im Anschluss seine Rechnung für die gesetzliche ärztliche Leistung und den Impfstoff bei der Versicherung einreichen", erklärt Rauch das Verfahren. „Diese Regelung wird ebenfalls zur Verunsicherung beitragen, aus finanziellen Gründen werden viele Menschen das drohende Gesundheitsrisiko eingehen - in der Hoffnung, dass sie verschont bleiben." Eine vage Hoffnung - erkranken doch in Deutschland schon bei einer mäßigen Grippe-Welle jährlich knapp 3 Millionen Menschen an Influenza. „Diese unüberlegte Entscheidung großer Kassen geht auf Kosten der Menschen, vor allem der sozial Schwächeren", resümiert Rauch.



Artikel drucken   Artikel empfehlen

Im Fokus

Grippe-Impfung

Wer chronisch krank ist, sollte sich unbedingt gegen Grippe impfen lassen, um das Risiko für Komplikationen durch eine Influenza zu senken. Dazu raten die Internisten vom BDI. Fragen rund um die Grippe-Impfung können auf http://www.impfenimdialog.de/ an Experten gestellt werden, die sie innerhalb von 3 Tagen online beantworten.

zum Artikel...

Was kann bei Reizmagen tun?

Ungesunde Ernährung und Stress sind die häufigsten Auslöser eines Druckgefühls und Schmerzen in der Magengegend...

zum Artikel...

Dem Diabetischen Fuß vorbeugen

Die richtige Fußpflege und das Tragen bequemer Schuhe sind ein wichtiger Beitrag...

zum Artikel...

Vorsicht bei Herzstolpern nach Erkältung

Treten nach einem bereits überstanden geglaubten grippalen Infekt Atemnot und Herzrhythmusstörungen auf, so kann die Ursache eine nicht ungefährliche Entzündung des Herzmuskels sein...

zum Artikel...

Den Blutdruck korrekt messen

Für eine korrekte Messung des Blutdrucks zu Hause mit einem Messgerät für das Handgelenk gibt es einige Regeln zu beachten...

zum Artikel...

Wie man Diabetes verhindern kann

Auch bei erhöhtem Blutzucker-Wert kann man eine Diabetes-Erkrankung vermeiden...

zum Artikel...

Was Sie über Grippe wissen sollten

Hier finden Sie Infos zu Ansteckung, Symptomen, Vorsorge und Impfung...

zum Artikel...

Krankenkassen bezahlen Reiseimpfungen

Hier finden Sie eine Liste der 50 größten Versicherer zum Ausdrucken...

zum Artikel...

Schilddrüsen-Check

Internisten empfehlen jährliche Tast-Untersuchung der Schilddrüse...

zum Artikel...

Herzrhythmusstörungen: Sport hält Herz im Takt

Auch wer Probleme mit dem Herzschlag hat, braucht auf Sport nicht zu verzichten...

zum Artikel...