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11.11.2009 Ist Rheuma erblich?
Kinder von Rheumapatienten brauchen sich keine übertriebenen Sorgen zu machen: „Die Möglichkeit, dass sie wie Vater oder Mutter an einer Rheumatoiden Arthritis erkranken, ist nur im Zusammenspiel bestimmter Faktoren gegeben“, erläutert Prof. Dr. med. Ulf Müller-Ladner vom Lehrstuhl für Innere Medizin mit Schwerpunkt Rheumatologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen, DGRh-Vorstandsmitglied und Sprecher des Kompetenznetz Rheuma sowie Direktor der Abteilung für Rheumatologie und Klinische Immunologie in der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim. Denn anders als bei klassischen Erbkrankheiten wie etwa Rot-Grün-Blindheit löst nicht ein einzelnes Gen das Gelenkrheuma aus. Vielmehr werden die meisten entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, Kollagenesen und Vaskulitiden durch eine Vielzahl von Genen beeinflusst. Ausnahmen hiervon sind lediglich einzelne genetisch verankerte Erkrankungen mit prominenter Gelenkbeteiligung wie die Hämochromatose. Dennoch spielt ein genetischer Hintergrund bei vielen rheumatischen Erkrankungen eine wichtige Rolle, manche Forscher gehen sogar von einem Anteil von bis zu 50 Prozent aus. Insofern eignen sich nur wenige der mit Rheuma verbundenen Gene als echte genetische Aber nicht nur die Gene selbst spielen bei der Entwicklung von rheumatischen Erkrankungen einer Rolle. Entscheidend ist auch die Frage, ob und wie diese Gene beim betreffenden Individuum ausgeprägt sind. „Viel wichtiger auf dem Weg vom Gen zum letztendlich effektiven Protein oder Molekül ist die so genannte Epigenetik“, betont Müller-Ladner. „Darunter versteht man die Beeinflussung des Ablesens der Gene (Transkription) durch intrazelluläre enzymatische Vorgänge wie Methylierung, Ubiquitinierung oder De- bzw. Acetylierung, da hier bereits aktivierte Gene wieder abgeschaltet werden können. Auch das angeborene Immunsystem ist hier verknüpft, da über zahlreiche unspezifische Abwehrsensoren wie die so genannten Toll-like-Rezeptoren (TLR) im Kontakt mit der Außenwelt die Entzündungsvorgänge angekurbelt oder unterdrückt werden können. Zum Beispiel bestimmt das Verhältnis von TLR2 zu TLR4 die Aktivität einer rheumatoiden Arthritis, und über TLR-9 wird teilweise der Krankheitsverlauf bei Lupus erythematodes gesteuert.“ Vor allem der persönliche Lebensstil und die Umwelt können den Verlauf einer Erkrankung wie z.B. an Rheumatoider Arthritis bestimmen. Erheblichen Einfluss übt der Konsum von Zigaretten aus: Rauchende Rheumapatienten verschlimmern den Verlauf ihrer Krankheit und brauchen mehr Medikamente. „Einige Rheumatologen sind deshalb dazu übergegangen, bestimmte Therapien nur dann zu verordnen, wenn Patienten mit dem Rauchen aufgehört haben“, führt der Rheumatologe an. Bei der Ernährung ist die Sachlage deutlich unklarer, obwohl praktisch jeder Patient nachfragt, ob er durch eine Änderung der Ernährung die rheumatische Erkrankung positiv beeinflussen kann. „Patienten geben zwar an, dass der Verzicht auf rotes Fleisch die Gelenkbeschwerden deutlich bessert“, so Müller-Ladner. Ein wissenschaftlicher Beweis hierfür stehe aber nach wie vor aus. Dies gelte auch für zahlreiche Vitamine und andere Nahrungsergänzungsstoffe. Weitere Meldungen zum Thema:
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Gene und Umweltfaktoren bestimmen etwa zu gleichen Teilen, ob ein Mensch an Gelenkrheuma erkrankt. Wie Gene und Umwelt in ihrem Einfluss auf Rheuma zu bewerten sind, diskutierten Experten auf dem 37. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), der vom 23. bis 26. September 2009 in Köln stattfand.

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