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16.12.2009

Wie sich die rheumatoide Arthritis auf weitere Gelenke ausbreiten kann

Die rheumatoide Arthritis ist eine chronisch entzündliche Erkrankung, die durch den fortschreitenden Abbau von Gelenkknorpeln und -knochen gekennzeichnet ist. Sie beginnt normalerweise in einem oder wenigen Gelenken, kann aber im Verlauf der Erkrankung alle Gelenke betreffen. Bisher waren die Mechanismen, die zur Ausbreitung der Erkrankung zu nicht betroffenen Gelenken beitragen, nicht bekannt. Jetzt zeigen neueste Forschungsergebnisse eines Wissenschaftler-Teams der Universitäten Gießen, Münster, Regensburg und Zürich zusammen mit internationalen Partnern aus der Schweiz und den USA, dass eine der wichtigsten Zellen des Knorpelabbaus bei der rheumatoiden Arthritis die aktivierten synovialen Fibroblasten in der Gelenkinnenhaut (Synovialis) darstellen. Diese sind in der Lage, unter Kulturbedingungen und auch im Tiermodell aktiv über weite Strecken zu wandern. Die Migration dieser Zellen findet hierbei über das Blutgefäß-System statt. In der Fachzeitschrift Nature Medicine wurden kürzlich die Forschungsergebnisse des internationalen Wissenschaftlerteams unter der Leitung von Dr. Elena Neumann und Prof. Dr. Ulf Müller Ladner (Lehrstuhl für Innere Medizin mit Schwerpunkt Rheumatologie der Justus-Liebig-Universität Gießen mit Sitz an der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim) veröffentlicht.

Die Forscher implantierten speziellen Mäusen, deren Immunsystem keine Transplantate abstößt (SCID-Mäuse), an beiden Körperseiten menschlichen Gelenkknorpel. Nur auf einer Seite enthielt das Transplantat zusätzlich synoviale Fibroblasten aus rheumatisch entzündeten Gelenken (RASF). Nach einigen Wochen wurden die RASF auch auf der anderen Seite beobachtet. Beide Transplantate wurden von den Zellen, die eine aktive Rolle in der Gelenkzerstörung spielen, angegriffen. Die Forscher konnten die RASF zwischenzeitlich auch im Blut der Versuchstiere nachweisen. Und sie konnten zeigen, wie die RASF sich (durch die Endothelzellschicht hindurch) in die Blutgefäße zwängen, wobei sie bestimmte Adhäsionsmoleküle (wie VCAM-1 und Integrine) nutzen, die auf den Endothelzellen der Blutgefäße beziehungsweise auf den RASF lokalisiert sind. Um am Zielort in das Gelenk einzudringen, benötigen die RASF Matrix-abbauende Enzyme. Diese werden nach den Erkenntnissen der Forscher sowohl von den RASF selbst als auch von den durch RASF stimulierten Knorpelzellen freigesetzt.

Bisher war diese Fähigkeit der synovialen Fibroblasten, aktiv in das Blutgefäß-System überzutreten und an entfernt liegenden Knorpeln wieder aus dem Blutgefäß-System auszutreten, nicht bekannt: Die aktivierten Zellen wandern zum Knorpel, heften sich an diesen an und beginnen dann dort mit dem Abbau. Interessanterweise stellte sich bei Experimenten heraus, dass ein gesundes Gelenk vor der Anheftung der aggressiven Fibroblasten geschützt zu sein scheint. Sobald die Knorpelmatrix aber zugänglich wird - wie dies zum Beispiel durch kleine Knorpelschäden oder durch den Abrieb der Gelenkoberflächen der Fall sein kann -, sind die Zellen in der Lage, aktiv zum Knorpel zu wandern und ihn abzubauen.

Derzeit beschäftigt sich die Arbeitsgruppe aus Gießen zusammen mit verschiedenen Kooperationspartnern mit therapeutischen Ansätzen, um den Übertritt der synovialen Fibroblasten ins Blutgefäß-System von Patienten mit rheumatoider Arthritis zu blockieren. Wenn es gelänge, deren Wanderung zu verhindern, könnte die Ausbreitung der rheumatoiden Arthritis zu noch nicht betroffenen Gelenkbereichen oder Gelenken künftig verhindert werden. Damit wäre die Erkrankung zwar nicht geheilt, könnte aber möglicherweise in einem Frühstadium gestoppt werden.

 



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