Nur 23 Prozent der Patienten mit Rheumatoider Arthrits in Deutschland werden nach Ausbruch ihrer Erkrankung innerhalb von drei Monaten beim Facharzt vorstellig. Das haben Untersuchungen des Berufsverbandes Deutscher Rheumatologen (BDRh) in 200 rheumatologischen Praxen in Deutschland ergeben. „Dieser Zeitraum entspricht dem so genannten window of opportunity, also demjenigen kritischen Zeitfenster, in dem ein deutlich besserer Behandlungserfolg und ein besserer Krankheitsverlauf bei rheumatoider Arthritis gewährleistet ist“, erläutert Dr. Edmund Edelmann, Vorsitzender des BDRh und praktizierender Rheumatologe in einer Gemeinschaftspraxis im bayerischen Bad Aibling. „Weitere Ergebnisse unsere Erhebungen: Im Mittel dauert es 21 Monate, bis ein Patient mit rheumatoider Arthritis nach Ausbruch der Erkrankung erstmals beim Rheumatologen behandelt wird. In rund 50 Prozent der Hälfte verstreichen vier Wochen bis zu drei Monate, bevor die Patienten vom Hausarzt zum Rheumatologen überwiesen werden. Nur bei 8 Prozent erfolgt die Erstvorstellung beim Rheumatologen innerhalb von 14 Tagen! Diese Situation ist besonders fatal, wenn man bedenkt, dass die frühzeitige Diagnose und Behandlung der rheumatoiden Arthritis so wichtig sind. Je früher eine adäquate Behandlung beginnt, umso größer ist die Chance, dass die Krankheit wieder zum Stillstand kommt, bzw. dass sich der langfristige Krankheitsverlauf verbessert und weniger Beschwerden sowie Begleiterkrankungen auftreten. Diese Chance wird allerdings nach drei Monaten, nachdem die ersten Symptome aufgetreten sind, immer geringer.“
Versorgungsfeindliche Zulassungssperre für internistische RheumatologenDie Ursachen für die Defizite in der Versorgung von Patienten mit Rheuma sind vielfältig. Grundsätzlich gibt es bundesweit einfach zu wenig Rheumatologen. „Wünschenswert für die ambulante Versorgung wäre ein Rheumatologe auf 50.000 erwachsene Einwohner, derzeit liegen wir aber bei 1:100.000“, erklärt Edelmann. „Zum einen fehlen an den Universitäten rheumatologische Lehrstühle, die bisher an nur 12 von 36 Fakultäten eingerichtet wurden. Zum anderen gibt es in Deutschland eine versorgungsfeindliche Zulassungssperre für internistische Rheumatologen. Diese wird dadurch künstlich aufrechterhalten, dass sich die Bedarfzulassung an der Zahl der Facharztinternisten ausrichtet, nicht aber an der Zahl der Rheumatologen.“
Zusammenarbeit zwischen Hausärzten und Rheumatologen muss verbessert werden
Ein stärkerer Bedarf an rheumatologischen Fachärzten macht sich auch dadurch bemerkbar, dass die Verdachtsdiagnosen Rheumatoide Arthritis der Hausärzte in nur 50 Prozent der Neuzuweisungen mit den Diagnosen des Rheumatologen übereinstimmen. Zur Behebung der gravierenden Versorgungsefizite schlagen die Rheumatologen vom Berufsverband Deutscher Rheumatologen (BDRh) ein verbessertes, kooperatives Versorgungskonzept vor, das sie zusammen mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) entwickelt haben. „Dieses Versorgungskonzept strebt in erster Linie eine frühzeitigere Diagnose und Behandlung beim Facharzt an“, betont Edelmann. „Das wollen wir unter anderem erreichen durch eine (dank Screening-Bogen) besser strukturierte und damit frühere Überweisung durch den Hausarzt (spätestens innerhalb von 6 Wochen), durch eine garantierte Terminvergabe beim Rheumatologen innerhalb von 14 Tagen und durch Verpflichtung der Rheumatologen zur schnellstmöglichen Diagnosestellung, Therapieeinleitung und Befundübermittlung. Auch die Weiterbehandlung muss kooperativ angelegt sein und erfordert eine gut strukturierte Zusammenarbeit zwischen Hausarzt und Rheumatologen. Langfristig soll dieses Versorgungskonzept nach seiner Etablierung Krankheitsverläufe der rheumatoiden Arthritis mit schwerer Funktionseinschränkung und damit großes Leid für die Betroffenen verhindern. Außerdem wird es dazu beitragen, erhebliche direkte und indirekte Krankheitskosten für das Gesundheitswesen einzusparen.“