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19.05.2010 Neue Medikamente für Rheuma- und Osteoporosepatienten
„Die Biologicals haben die Rheumatherapie revolutioniert. Sie gehören zu den erfolgreichsten Medikamenten seit der Entdeckung des Kortisons”, sagte Professor Dr. med. Jörn Kekow, Ärztlicher Direktor am Medigreif Fachkrankenhaus für Rheumatologie und Orthopädie in Vogelsang-Gommern bei Magdeburg und zweiter Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Rheumatologen (BDRh) auf einer Presskonferenz im Rahmen des 5. Kongresses des BDRh, der vom 15. bis zum 17. April in München stattfand. Biologicals sind molekularbiologisch hergestellte Medikamente, die gezielt bestimmte entzündungsfördernde Botenstoffe des Körpers hemmen. Bislang zielten sie vornehmlich auf die Blockade des Tumornekrosefaktor alpha (TNF-alpha). Dieser Signalstoff der Gelenkentzündung gilt als einer der maßgeblichen Faktoren der rheumatischen Gelenkzerstörung. Mittlerweile kennen Rheumatologen aber noch weitere Botenstoffe, die für den Entzündungsprozess der Rheumatoiden Arthritis verantwortlich sind. Einer davon ist Interleukin-6 (IL-6), das neben TNF-alpha und Interleukin-1 eine Schlüsselrolle im Entzündungsprozess spielt, der bei rheumatoider Arthritis für die chronisch fortschreitende Erkrankung der Gelenke und des umgebenden Gewebes verantwortlich ist. Ein neuer Wirkstoff unter den Biologicals ist z.B. Tocilizumab, der gegen IL-6-Rezeptoren gerichtet ist, dadurch die Wirkung des Immunbotenstoffes IL-6 aufheben kann und seit 2009 auf dem Markt ist. Wie der bereits länger zugelassene Wirkstoff Rituximab passt auch Tocilizumab in das Konzept, die B-Zellen des Immunsystems, die für die Bildung von zerstörerischen Antikörpern verantwortlich sind, zu blockieren. Während der Antikörper Rituximab direkt zu einer nachhaltigen Reduktion der B-Zellen führt, gilt Tocilizumab eher als ein Blocker eines B-Zell-Wachstumsfaktors. Ein weitere neuer Pfeil im Köcher der Mediziner ist der Wirkstoff Abatacept, ein so genannter selektiver T-Zell-Kostimulations-Blocker, der seit Mitte 2008 auf dem Markt ist. Er schwächt die Aktivierung von T-Lymphozyten, indem er die Auslösung des so genannten kostimulierenden Signals verhindert, und dämmt dadurch u.a. die Entzündungsprozesse bei der rheumatoiden Arthritis ein. Auch zur Behandlung der postmenopausalen Osteoporose wurde mittlerweile ein Biological zugelassen. Der Antikörper Denosumab hemmt das Protein „RANKL”, mit dem sich Knochen auf- und abbauende Zellen verständigen. Wird es neutralisiert, stellen die Zellen, die den Knochen abbauen, ihre Arbeit ein. Das Mittel wird demnächst zur Behandlung der Osteoporose nach den Wechseljahren eingeführt. Nach dieser Erstzulassung hoffen die Rheumatologen, dass die Substanz Denosumab bald auch bei Rheumatikern angewendet werden kann, um die fortschreitende Knochenzerstörung bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen zu verhindern. Übrigens ist nach Angaben von Prof. Kekow auch die Therapie mit TNF-Blockern seit wenigen Monaten komfortabler geworden: Mit der Substanz Golimimab lassen sich die Therapieintervalle für die subkutanen Spritzen auf monatliche Abstände ausweiten.
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Eine fortschreitende Gelenkzerstörung muss für die meisten Menschen mit Rheumatoider Arthritis kein unabwendbares Schicksal mehr sein. Medikamente aus der Gruppe der Biologicals können die Erkrankung mittlerweile bei drei von vier Patienten stoppen. Bei 20 bis 30 Prozent der Patienten schlug allerdings keines der Mittel an. Neuerdings gibt es nun auch für diese Patienten Hoffnung auf eine wirksame Therapie, da neue Wirkstoffe zur Verfügung stehen, die über einen anderen Wirkmechanismus funktionieren als durch Blockade des Tumornekrosefaktors (TNF). Außerdem sind Biologicals seit diesem Jahr auch zur Behandlung der Osteoporose zugelassen. Die auch als Knochenschwund bezeichnete Krankheit ist weit verbreitet: Experten gehen von fast acht Millionen Betroffenen allein in Deutschland aus.




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