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21.06.2010

Chronische Rückenschmerzen können auf Morbus Bechterew hinweisen

Rückenschmerzen, die länger als drei Monate anhalten und sich vor allem in der Nacht und morgens sowie in Ruhestellung verschlimmern, können eine entzündliche Ursache haben und auf einen Morbus Bechterew hindeuten. Darauf macht der Berufsverband deutscher Rheumatologen e.V. (BDRh) aufmerksam. „Verdächtig sind chronische Rückenschmerzen insbesondere auch, wenn sie in einem Alter unter 45 Jahren auftreten", erläutert Dr. Edmund Edelmann, Vorstandsvorsitzender des BDRh und praktizierender Rheumatologe in einer Gemeinschaftspraxis im bayerischen Bad Aibling. Beim Morbus Bechterew (auch ankylosierende Spondylitis bzw. Spondylitis ankylosans genannt) kommt es zu chronischen Entzündungsprozessen in der Wirbelsäule, die bei fast allen Patienten am unteren Ende der Wirbelsäule (in den so genannten Sakroiliakalgelenken) beginnen und unbehandelt zu einer allmählichen Versteifung führen können. Typischerweise tritt die Spondylitis ankylosans zwischen dem 20. und 45. Lebensjahr auf, wobei Männer etwa doppelt so häufig wie Frauen betroffen sind. In schweren Fällen und späten Stadien verkrümmt sich der Rücken der Betroffenen so stark, dass sie den Blick kaum mehr vom Boden heben können. Viele Patienten entwickeln weitere entzündliche Erkrankungen, vor allem des Auges, des Darms, der Hauptschlagader (Aorta), der Herzklappen, der Sehnen und verschiedener Gelenke.

Möglichst früh einsetzende Therapie mit Bewegung und Medikamenten erforderlich
Nur eine möglichst früh einsetzende Bewegungs- und Arzneimitteltherapie kann das Forschreiten der Erkrankung aufhalten und somit die fortschreitende Zersetzung der Gelenke und eine massive Verkrümmung der Wirbelsäule verhindern. Chronische Rückenschmerzen, die zahlreiche verschiedene Ursachen haben können, sollten daher am besten und möglichst bald von einem Facharzt abgeklärt werden. „Schließlich denken Ärzte, die nicht auf die Diagnose rheumatischer Erkrankungen spezialisiert sind, bei chronischen Rückenschmerzen nicht unbedingt auch an das Krankheitsbild Morbus Bechterew", gibt Edelmann zu bedenken. „Zudem ist ein Bechterew im Röntgenbild erst einige Jahre nach dem Einsetzen der Krankheit sichtbar. So verstreichen oft fünf bis zehn Jahre, bis Bechterew-Patienten die richtige Diagnose erhalten und dann effektiv behandelt werden können."

MRT ermöglicht frühere Erkennung als Röntgen
Zur Diagnose eines Morbus Bechterew müssen mehrere klinische und diagnostische Anzeichen zusammentreffen. „Verdacht erhärtend sind z.B. der Nachweis einer Entzündung in den Sakroiliakalgelenken, die sich im Gegensatz zum Röntgen mit der Magnetresonanztomographie (MRT) bereits sehr frühzeitig erkennen lässt, und ein positiver Bluttest (auf ein Gen namens HLA-B27) in Kombination mit weiteren Merkmalen der Krankheitsgeschichte und des körperlichen Untersuchungsbefundes", erklärt Edelmann. „Zur Behandlung stehen uns verschiedene Medikamente zur Verfügung. Bei ausgeprägteren Krankheitsverläufen kann durch Biologica, die sogenannten TNF-alpha-Blocker, in der Mehrzahl der Fälle eine anhaltende Beschwerdefreiheit erreicht werden. Besonders wichtig sind aber auch Bewegungsübungen und Physiotherapie, um die Funktion der Wirbelsäule und Gelenke so gut wie möglich zu erhalten und damit die Chance der Patienten auf ein weitgehend schmerzfreies Leben mit möglichst geringer Bewegungseinschränkung zu erhöhen."



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