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14.07.2010

Mit Rheuma nur nach Check-up und unter fachlicher Anleitung ins Fitness-Studio

Bewegungstherapie ist eine wichtiger Bestandteil bei der Behandlung entzündlichen Rheumas. Ziel ist, die Funktion von Gelenken, Muskeln und Bändern und damit die Mobilität zu erhalten. Spezielle Trainingsprogramme berücksichtigen die Belastbarkeit und den Funktionsstatus der Patienten. Darüber hinaus wollen aber vor allem junge Betroffene nicht auf ihren Sport im Fitness-Studio verzichten. Dort fehle es allerdings oft an fachlicher Expertise, um den speziellen Anforderungen der Erkrankung gerecht zu werden. Zu diesem Fazit kommt Prof. Uwe Lange von der Abteilung Rheumatologie, Klinische Immunologie, Osteologie und Physikalische Medizin der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) in einer aktuellen Ausgabe der Zeitschrift für Rheumatologie (2010, Band 69, Seite 292–294).

Wenn Muskeln schmerzen und Gelenke geschwollen sind, würden Betroffene Bewegung meist meiden, so Prof. Lange. Um Finger- und Kniegelenke beweglich zu halten, gehöre Krankengymnastik aber unbedingt zur Rheumatherapie dazu. Mehrere Studien aus den letzten Jahren konnten zudem zeigen, dass spezielle Gelenk schützende Übungsprogramme Schmerzen und lokale Entzündungen verringern, so dass Patienten alltägliche Tätigkeiten - wie zum Beispiel das Aufschrauben einer Getränkeflasche - wieder besser durchführen können.

Inwieweit Menschen mit Rheuma diese Bewegungsübungen, die auf mehr Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer zielen, auch im Fitness-Studio durchführen können, hängt Prof. Lange zufolge von der fachlichen Betreuung durch das Personal ab. Daher sollte zunächst ein gründlicher Check der individuellen Belastbarkeit und Beweglichkeit gemacht werden, bevor es ans Üben und Trainieren gehe. „Nur durch eine gründliche Analyse kann ein Übungsprogramm aufgestellt werden, das die Gelenke schont und Schmerzen auf ein erträgliches Maß reduziert“, betont Prof. Lange, der auch Mitglied der DGRh-Kommission Rehabilitation und Sozialmedizin sowie Sprecher der DGRh-Projektgruppe Physikalische Medizin ist. Trainer müssten darauf achten, dass die Patienten sich nicht überlasten und eine korrekte Körperhaltung einnehmen. Zudem gelte es, fehlerhafte Bewegungsmuster auszumerzen. Hilfreich erweisen sich mehrere kleine und wenig anstrengende Übungseinheiten oder das Arbeiten mit leichten Hantelgewichten bei höherer Frequenz. Auch tägliche Aufwärm- und Dehnübungen empfiehlt Prof. Lange.
Obwohl er ein Übungsprogramm im Fitness-Studio grundsätzlich befürworte, sei dort eine intensive und dauerhafte Betreuung seiner Meinung nach kaum zu leisten: Aufgrund der oft unzureichenden fachlichen Expertise würden die Patienten vor dem Training fast nie untersucht. Das Übungsprogramm sei nur selten an ihren Bedürfnissen ausgerichtet und werde auch nicht überwacht oder angepasst, wenn sich der Krankheitszustand ändert. Bislang gebe es keine Studie, die den Nutzen von kommerziellem Sport im Fitness-Studio bei Rheumapatienten belege. Demgegenüber können Kurse an Rehakliniken, bei den Selbsthilfegruppen der Rheuma-Liga und in ambulanten Praxen mit „rheumatologisch“ geschultem Personal für Rheumatiker eine gute Alternative bieten, um Bewegungsübungen einzuüben, durchzuführen und auch für zu Hause zu erlernen. Für unrealistisch hält Prof. Lange hingegen, dass Patienten selber auf eine korrekte Durchführung der Übungen im Sport-Studio achten.

Weitere Informationen:
U. Lange: Schadet die „Muckibude“ Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen? In: Zeitschrift für Rheumatologie 2010; 69:292–294. Zusammenfassung (abstract):
http://www.springerlink.com/content/v6543k23438vl156/

 



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