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18.08.2010 Neue Medikamente gegen Gicht
Schon vor mehr als 2.000 Jahren erkannte der griechische Arzt Hippokrates die beiden auffälligsten Kennzeichen von Gicht: Die schmerzhafte Krankheit tritt gehäuft in bestimmten Familien auf, und sie macht sich vor allem nach kulinarischen Ausschweifungen bemerkbar. Ursache einer Gicht ist meist eine angeborene, gestörte Ausscheidung von Harnsäure. Bei Gesunden scheidet die Niere Harnsäure über den Urin aus. In größeren Mengen bildet sich Harnsäure vor allem beim Abbau bestimmter Lebensmittel, die so genannte Purine enthalten. „Der Verzehr mancher Fleisch- und Fischsorten treibt die Purinwerte massiv in die Höhe“, erläutert Prof. Dr. Andreas Krause, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Immanuel Krankenhaus in Berlin. Dazu gehören zum Beispiel Forellen, Heringe, Sprotten, Grillhähnchen, Leber, aber auch Fleischbrühe und Bäckerhefe. „Der Konsum von Alkohol kann das Problem zusätzlich verschärfen, weil er die Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren senkt.“ Beides zusammen könne den Harnsäuregehalt im Körper auf mehr als das 30-Fache des Normalwertes ansteigen lassen. Rund ein Drittel der deutschen Männer und drei Prozent der Frauen haben erhöhte Harnsäurewerte, etwa jeder zehnte von ihnen erkrankt an Gicht. Bei Männern ist Gicht die häufigste Ursache einer sehr schmerzhaften, entzündlichen Arthritis in den Gelenken. Ärzte geben ihnen zunächst oft Ernährungstipps und verordnen Medikamente, die den Harnsäurewert senken. Nahrungsmittel wie Milch, Ei, Kartoffeln und Äpfel, aber auch Vollkornbrot und Käse weisen niedrige Purinwerte auf und wirken sich daher günstig aus. Dennoch kann eine Gicht bei manchen Patienten chronisch verlaufen und zu einer fortschreitenden Zerstörung der Gelenke führen. In den vergangenen Jahren haben Forscher neue Erkenntnisse über die Krankheit gewonnen: Demnach stoßen in den Gelenken Immunzellen bei Kontakt mit Harnsäurekristallen einen Entzündungsprozess an. Sie sorgen dafür, dass der entzündungsfördernde Botenstoff Interleukin-1ß (IL-1ß) freigesetzt wird. Die Folge: Das Gelenk – im Anfangsstadium meist am großen Zeh – rötet sich, schmerzt extrem, wird warm und schwillt an. Ein Krankheitsschub dauert etwa drei Tage. Die betroffenen Gelenke sind dabei sehr berührungsempfindlich. Wenn Schmerzmittel und Entzündungshemmer die Beschwerden nicht bessern, können heute zwei Wirkstoffe den Botenstoff gezielt blockieren: Anakinra, entwickelt für die Behandlung der rheumatoiden Arthritis, erweist sich auch bei Gicht als erfolgreich. Ganz neu ist das so genannte Canakinumab. „Beide Präparate sind zwar noch nicht zur Behandlung der Gicht zugelassen, aber die bisherigen Studienresultate sind sehr viel versprechend“, betont Prof. Krause. „Das Beispiel Gicht zeigt die Bedeutung der Grundlagenforschung: Sie hat die Mechanismen einer seit Jahrtausenden bekannten Krankheit entschlüsselt und damit neue therapeutische Ansätze erschlossen.“
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