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15.09.2010 Tübinger Wissenschaftler von Lupus Stiftung ausgezeichnet
Bisher ist nicht bekannt, warum es zu einer gesteigerten Autoimmunantwort bei SLE-Patienten kommt. SLE ist jedenfalls durch die Produktion von Autoantikörpern, die vornehmlich gegen Zellkernautoantigene gerichtet sind, gekennzeichnet. Ein Hauptantigen ist z.B. das Nukleosom, also die erste Verpackungsstufe der Erbsubstanz (Komplex aus DNA und Histonen). Zirkulierende Nukleosomen kommen auch in erhöhter Konzentration im Serum von SLE-Patienten vor. Deckers Zielsetzung war nun die genaue Untersuchung verschiedener Bestandteile der angeborenen Immunität im Zusammenhang mit dem SLE, um insbesondere die Mechanismen zu entschlüsseln, die zur Aktivierung des angeborenen Immunsystems führen. Von Interesse war dabei der Einfluss von zirkulierenden Nukleosomen auf das Immunsystem, die Fehlfunktionen bei der Beseitigung von Nukleosomen bei Lupus-Patienten und der Immunmechanismus, der zum SLE führt. Deckers Arbeitsgruppe konnte zeigen, dass Nukleosomen einen Nekrose-ähnlichen Zelltod bei bestimmten weißen Blutkörperchen (Lymphozyten) auslösen. Die Nekrose wird als Initiator einer Entzündung angenommen. Freie Nukleosomen veranlassen nachweislich die direkte Aktivierung von Neutrophilen und dendritischen Zellen, die bekanntlich als erste Zellen an den Entzündungsort gerufen werden ( = Neutrophile) bzw. für die Antigenpräsentation verantwortlich sind (= dendritische Zellen). Auch was Neutrophilen dazu verhilft, Nukleosomen zu erkennen und zu beseitigen, haben die Forscher herausgefunden: Ein wichtiger Bestandteil des angeborenen Immunsystems, das Komplementsystem, wird durch die Bindung eines speziellen Eiweißstoffes (Komplement-Protein C1q) an freie Nukleosomen aktiviert. Dieser biochemische Vorgang begünstigt dann die Entzündung. Für den Abbau von freien Nukleosomen ist ein bestimmtes Enzym, die Deoxyribonuklease 1 (DNase1) verantwortlich. Ist dessen Aktivität beeinträchtigt, kann es zu einer Anti-Nukleosom Autoimmunreaktion kommen. Decker und seine Mitarbeiter haben auch erkannt, dass Nukleosomen die Bildung von Interferon-a in Neutrophilen auslösen, was bekanntlich eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des SLE spielt. Zusammenfassend hat das Forscherteam um Decker herausgefunden, dass bei SLE-Patienten weniger Nukleosomen abgebaut werden, wenn die Aktivität des Komplement-Proteins C1q und/oder des Enzyms DNase1 gering ist. Freie Nukleosomen können dann sowohl Lymphozyten töten als auch Neutrophile, dendritische Zellen und das Komplementsystem aktivieren. Dies hat die Bildung verschiedener Moleküle (wie zum Beispiel Interferon-a) zur Folge, welche eine Entzündung körpereigener Organe und Gewebe begünstigen. Die Aktivierung des Immunsystems führt so zu einer autoimmunen Reaktion, die gegen freie Nukleosomen gerichtet ist. Autoantikörper werden daraufhin gebildet und wirken sich beim betroffenen Patienten entsprechend krank machend (pathogen) aus. Nach Angaben von Decker stellt das bessere Verständnis der gestörten Immunantwort beim SLE einen entscheidenden Schritt in der Aufklärung der Krankheitsursache dar und vermag vielleicht demnächst zur Entwicklung von therapeutischen Strategien beitragen.
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