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22.09.2010

Neue Perspektiven durch Biologika auch in der Kinderheilkunde

Die Verordnung von Biologika wird auch in der Kinderheilkunde (Pädiatrie) zusehends häufiger. An deutschen Kinderkliniken stieg sie allein von 2008 auf 2009 um 16%. Der zielgerichtete und rechtzeitige Einsatz von Biologika bei rheumatischen Gelenkerkrankungen oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, besonders Morbus Crohn, ist eine mittlerweile anerkannte Methode bei der Langzeitbehandlung von Kindern und Jugendlichen. Die noch relativ neuen Präparate gehören damit auch in der Kinder- und Jugendmedizin zu den zentralen Medikamentengruppen. Da der Erfahrungsschatz noch begrenzt ist, bleibt in Fachkreisen ein großer Diskussionsbedarf zu verzeichnen: Auch der Kinder- und Jugendärztekongress 2010 wird sich daher intensiv mit den Perspektiven der Biologika bzw. Biopharmazeutika in der Pädiatrie befassen.

„Biologika sind bei schwerwiegenden chronischen Krankheiten in der Erwachsenenmedizin schon seit weit mehr als einem Jahrzehnt eine feste Größe", erläutert Prof. Dr. Michael Radke vom Potsdamer Klinikum Ernst von Bergmann und Präsident der diesjährigen DGKJ-Jahrestagung vom 16.-19. September in Potsdam. „Da neben der Wirksamkeit eines neuen Präparats für Kinder vor allem auch die Arzneimittelsicherheit höchste Priorität hat, werden auf dem Kongress einschlägige Studien und Daten ausgiebig diskutiert und die inzwischen gewonnenen Erfahrungen mit Biologika bei Kindern ausgetauscht."

Biologika werden heute auch bei Kindern frühzeitiger eingesetzt als noch vor einigen Jahren, um gewebezerstörende Entzündungen bereits zu Beginn einer schweren Krankheit eindämmen zu können „Man versucht, gezielt in die körpereigenen Mechanismen und Funktionen einzugreifen, um den Krankheitsverlauf deutlich zu mildern oder gar stoppen zu können - von einem Ausschalten von Krankheiten im Sinne einer dauerhaften Heilung sind wir aber leider noch weit entfernt", berichtet Prof. Dr. Michael Radke.

Die komplexe Entwicklung von Biologika ist erst durch den enormen Wissenszuwachs der Molekularbiologie über die Entstehung und Ausbreitung von Krankheiten möglich geworden. Biologika sind den Entzündungsreaktionen unter Einbeziehung körpereigener Stoffe nachempfunden, sie werden überwiegend gentechnisch hergestellt und per Injektion oder Infusion verabreicht. Ziel ist die Reduzierung oder gar das Blockieren des Entzündungsverlaufs, wie bei Rheuma und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen: TNFα-Inhibitoren werden in die Entzündungskaskade eingebracht, um dort als eingeschleuste Antikörper am entsprechenden Botenstoff anzudocken und den chronischen Entzündungsprozess zu hemmen.

Quelle: DGKJ



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