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21.09.2010

Zuviel Alkohol steigert Krebsgefahr

Die Deutschen trinken zuviel Alkohol - und das kann nicht nur die Leber schädigen und abhängig machen, sondern auch Krebs verursachen. «Krebs steht bei den alkoholbedingten Erkrankungen an zweiter Stelle», sagt Helmut K. Seitz, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses Salem der Universität Heidelberg. Seitz ist zudem Vorsitzender der «European Society for Biomedical Research on Alcoholism» (Esbra), einer Vereinigung von Wissenschaftlern, die Zusammenhänge zwischen Alkohol und Krebs untersuchen, und die am Wochenende in Heidelberg tagten.

Wichtigste Ursache für die Krebserkrankungen sei das giftige Stoffwechselprodukt von Alkohol, Acetaldehyd, das die menschliche DNA verändere. Es entsteht durch Bakterien im Mund, weshalb auf gute Zahnhygiene geachtet werden sollte, sagt der Internist. Die dpa fragte den Spezialisten:

Welche Krebsarten entstehen vor allem durch zuviel Alkohol?

Seitz: «Hoher Alkoholkonsum kann Krebs in der Mundhöhle, in der Speiseröhre, im Kehlkopf und im Rachen auslösen. Verstärkt wird das noch durchs Rauchen und gibt eine gefährliche Mischung. Weitere alkoholbedingte Krebse können im Dickdarm, in der Leber und in der weiblichen Brustdrüse entstehen. Die Hauptnebenwirkung bei zuviel Alkohol ist die Leberzirrhose. Krebs ist die zweitwichtigste Erscheinung, gefolgt von den neurologischen Veränderungen, zum Beispiel im Gehirn.»

Ab welchen Mengen spricht man denn von «zuviel» Alkohol?

Seitz: «Die Richtlinien vieler Gesellschaften liegen bei zwei Drinks am Tag für den Mann, also nicht mehr als ein Viertel Liter Wein, wenn man den Wert mit anderen Getränken vergleicht. Für die Frau gilt die Hälfte, weil sie empfindlicher ist, also nicht mehr als 12 bis 15 Gramm beziehungsweise ein Achtel Liter Wein. Und sie sollte vielleicht in der Woche zwei oder drei Tage keinen Alkohol trinken.
Dann wird nicht viel passieren.»

Wird im Allgemeinen zuviel Alkohol getrunken?

Seitz: «In Deutschland wird eindeutig zuviel getrunken. Wir trinken jährlich pro Kopf zehn Liter reinen Alkohol. Statistisch bedeutet das, dass jeder Deutsche pro Tag einen Viertel Liter Wein trinkt - und da sind alle Babys und alten Leute mit eingerechnet. Die Menschen in Italien, das ja eigentlich ein klassisches alkoholtrinkendes Land war, trinken deutlich weniger als wir.»

Woran liegt das?

Seitz: «Vielleicht an der öffentlichen Meinung, der Politik und all diesen Dingen, die den Preis gestalten... Wir wissen, dass weniger getrunken wird, wenn die Preise höher sind und die Verfügbarkeit schlechter ist, weil man nicht nachts an Tankstellen Alkohol bekommt.
Wenn diese Dinge eingehalten würden, dann würde weniger getrunken werden. Schon acht Liter pro Kopf und Jahr statt zehn und wir hätten Milliardenschäden weniger durch Folgekrankheiten - und trotzdem ein soziales Miteinander, bei dem das Gläschen Wein einem Freude macht.»

Nimmt die Zahl der alkoholbedingten Krebserkrankungen zu?

Seitz: «Ja. Wir haben ungefähr neun Millionen Menschen, die einen deutlich riskanten Umgang mit Alkohol pflegen oder schon einen Schaden haben. Die Zahlen gehen leider nicht zurück. In Deutschland stirbt jährlich eine Kleinstadt von 20 000 Menschen an den Folgen der alkoholischen Leberzirrhose.

Zudem wissen wir gerade beim Komasaufen - das vor allem bei jüngeren Leuten in jüngster Zeit zur Mode geworden ist - nicht, welche Auswirkungen der Alkohol auf die sich entwickelnden Organe der 12-, 13-, 14-Jährigen in 20 Jahren haben wird. Das ist ein Experiment mit unklarem Ausgang.»



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