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28.09.2010

Diabetiker-Lebensmittel verschwinden aus den Regalen

Über sechs Millionen Diabetiker gibt es in Deutschland. Sie kaufen oft spezielle Lebensmittel. Die soll es bald nicht mehr geben. Nach Überzeugung von Experten haben sie keinen Nutzen.

«Für Diabetiker geeignet» - diesen Hinweis soll es in zwei Jahren nicht mehr geben. Wer in den Supermarkt oder ins Reformhaus geht, findet derzeit noch zahlreiche Artikel, die speziell für Zuckerkranke empfohlen werden: Marmelade, Schokolade, Kekse, Getränke und anderes. Bei diesen Produkten wird herkömmlicher Zucker durch andere Süßmittel ersetzt. Nun kommt das Aus. Der Bundesrat stimmte am Freitag dafür, spezielle Anforderungen an diätetische Lebensmittel in der Diätverordnung zu streichen. Dabei gibt es allerdings eine Übergangsfrist.

Mehr als sechs Millionen Menschen sind in Deutschland nach Angaben der Bundesregierung an Diabetes erkrankt. Pro Tag kommen etwa 1000 Menschen hinzu. Ihnen wurde lange Zeit eine besondere Kost empfohlen.
In einem Lehrbuch von 1992, das in der Ausbildung von Diätassistenten eingesetzt wird, steht zum Thema Diabetikerkost: «Alle Lebensmittel, die Glucose, Saccharose oder Maltose in reiner Form enthalten, sind verboten, da hierdurch der Blutglucosespiegel zu stark erhöht würde.» In Diabetiker-Lebensmitteln wurde deshalb zum Beispiel Fruktose statt Haushaltszucker verwendet. Und sie durften auch nicht mehr Fett haben als vergleichbare Nicht-Diabetiker-Produkte.

Experten halten dies für überflüssig. Sie glauben, dass für Diät- Angebote ohnehin die gleichen Empfehlungen zur gesunden Ernährung gelten sollten wie für Nicht-Diabetiker. «Eine Beibehaltung von bisher bestehenden Regelungen für Diabetiker-Lebensmittel ist auch unter Einbeziehung der neueren Literatur nicht gerechtfertigt», erklärte das Bundesinstitut für Risikobewertung 2009. Der Austausch von Zucker bringt für Diabetiker aus wissenschaftlicher Sicht also keine Vorteile. Wer zum Beispiel Alters-Diabetes hat, sollte sich ausgewogen ernähren und keine spezielle Diät einhalten.

In den Regalen von Supermärkten, Drogerien und Reformhäusern wird sich nun einiges ändern. «Wir halten uns an die gesetzlichen Vorgaben», kündigte eine Sprecherin des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde an. «Wir folgen den wissenschaftlichen Empfehlungen.»

Die Branche macht nach Schätzungen des Diätverbands bisher einen Umsatz von bis zu einer halben Milliarde Euro im Jahr mit speziellen zuckerarmen Produkten. Der Verband beziffert den Umsatz mit Diabetikerprodukten für 2009 auf 138 Millionen Euro. Dazu kommen 380 Millionen für diätetische Erfrischungsgetränke. Zuckerfreie oder zuckerarme Produkte wird es allerdings weiter geben. Darauf weist die Ernährungsbranche hin.

Spezielle Lebensmittel für Diabetiker sind auch teurer als andere Lebensmittel. Die Verbraucher könnten mit der Umstellung also auch Geld sparen.



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