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13.10.2010

Wie neues Wissen über das Immunsystem die Therapie der rheumatoiden Arthritis verändert

Die Krankheitsentstehung und -Entwicklung der rheumatoiden Arthritis (RA) ist untrennbar mit verschiedenen Komponenten des Immunsystems über die gesamte Zeitdauer der Erkrankung verbunden. Die genaueren Zusammenhänge hat Prof. Dr. med. Ulf Müller-Ladner von der Abteilung Rheumatologie und Klinische Immunologie an der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim und Lehrstuhlinhaber für Innere Medizin mit Schwerpunkt Rheumatologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen, auf einer Pressekonferenz anlässlich des 38. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) in Hamburg erläutert. Bereits das angeborene Immunsystem könne entscheidend zur Aktivität der RA beitragen, zum Beispiel wenn über die im gesamten Körper und in den Gelenken vorkommenden Rezeptoren des angeborenen Immunsystems (den sogenannten Toll-like receptors) Zellen aus der Gelenkschleimhaut (des so genannten Synovialgewebes) zur Produktion von Entzündungsmolekülen und Matrix-abbauenden Enzymen angeregt werden.

Aber auch das erworbene Immunsystem ist Müller-Ladner zufolge bereits sehr früh in die Krankheitsentwicklung der RA involviert: „Das wichtigste Zeichen ist hier, dass bis zu zehn Jahre vor dem Beginn der Erkrankung die weitgehend RA-spezifischen Antikörper gegen zitrullinierte Peptide bei den RA-Patienten nachweisbar sein können und bei Erstdiagnose einen aktiveren Verlauf der Erkrankung voraussagen.“ Daneben sind bisher nicht als typisch immunologisch aktive Gewebe zusätzlich in den Mittelpunkt der rheumatologisch-immunologischen Untersuchungen gerückt. Hierzu zählen die Signalmoleküle des Fettgewebes (so genannte Adipozytokine), die ebenfalls sowohl entzündungsfördernd (proinflammatorisch) als auch gelenkdestruktiv wirken können, aber auch immunologische Mechanismen, die rund um den rheumatisch veränderten Knochen aktiv zur RA beitragen können.

Aufgrund dieser Erkenntnisse habe sich das therapeutische Vorgehen bei der RA bereits in
mehreren Punkten wesentlich verändert. „Zum einen wird bei Erstdiagnose und
aktivem Immunsystem die immununterdrückende (immunsuppressive) Therapie der RA mit einer entsprechenden Kombinationstherapie behandelt, mit dem Ziel eine möglichst rasche Rückbildung der Beschwerden (Remission) zu erreichen“, erklärt Müller-Ladner. „Des Weiteren kann die Wahl der Medikamente insbesondere aus der Klasse der Biologika je nach Aktivität des Immunsystems angepasst werden - zum Beispiel die Gabe eines B-Zell-Hemmers (wie Anti-CD20-Antikörper), wenn große Mengen an bestimmten Antikörpern (ACPA) und Rheumafaktoren vorliegen.“

Genauso spannend ist Müller-Ladner zufolge die Verfolgung der Effekte der verschiedenen TNF-Hemmer-Konzepte in der Praxis der Therapie der RA. Hier werde sich in den nächsten Jahren zeigen, welches der vier Konzepte (Infusion, humanisiert, löslicher Rezeptor, Pegylierung) den Bedürfnissen einer immunologischen Hemmung am besten nachkommt. „Direkt am Knochen lässt sich inzwischen auch die Aktivität der Osteoklasten durch Gabe des RANKL-Hemmers Denosumab zuverlässig mit nur wenigen subkutanen Injektionen pro Jahr hemmen“, betont Müller-Ladner. „Zukünftige Therapieformen werden sich noch weiter in Richtung einer selektiv immunchirurgischen mit auf den einzelnen Patienten angepassten Medikamentenkombinationen unter Minimierung von Nebenwirkungen entwickeln müssen. Die Zielmoleküle hierfür sind sowohl extrazellulär (IL-1, IL-17, IL12/23) als auch intrazellulär (Kinasen, epigenetische Modifikatoren) identifiziert und werden in zahlreichen Studien derzeit geprüft.“

 



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