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27.10.2010

Wie sich entzündliche Gefäßerkrankungen (Vaskulitiden) kontrollieren lassen

Die ersten Symptome einer entzündlichen Gefäßerkrankung (Vaskulitis) sind häufig uncharakteristisch und vielfältig: Fieber, Nachtschweiß und Gewichtsverlust, rheumatische Beschwerden und Blutarmut. Starke, das Immunsystem unterdrückende Medikamente können die Krankheit allerdings stoppen und den Betroffenen ein weitgehend normales Leben ermöglichen. Darauf weist der Rheumatologe Dr. Keihan Ahmadi-Simab, Chefarzt der Abteilung für Rheumatologie, Klinische Immunologie, Nephrologie und Physikalische Therapie in der Asklepios Klinik Altona, in der aktuellen Ausgabe der Asklepios-Ärztezeitschrift medtropole hin.

Vaskulitiden sind chronisch-entzündliche Erkrankungen der Blutgefäße. Man unterscheidet primär-systemische Vaskulitiden unklarer Ursache und sekundäre Vaskulitiden, die in Verbindung mit anderen chronisch-entzündlichen und autoimmunen Erkrankungen auftreten. Im Hinblick auf die Krankheitsentwicklung (Pathogenese) lassen sich die primär-systemischen Vaskulitiden in die folgenden drei Gruppen unterteilen: Granulomatöse Vaskulitis, Immunkomplexvaskulitis und ANCA-assoziierte Vaskulitis. Bei den granulomatösen Vaskulitiden greifen körpereigene Immunzellen, die Granulozyten, die Gefäßwand an. Ähnliches passiert bei der Immunkomplexvaskulitis, bei der die Gefäßwände durch eine immunologische Reaktion angegriffen werden. Die ANCA-assoziierten Vaskulitiden betreffen hauptsächlich die kleinen Gefäße. Die Abkürzung ANCA bezieht sich auf eine bestimmte Gruppe von Autoantikörpern (Anti-Neutrophilen—Cytoplasma-Antikörper). Man vermutet hier neben einer genetischen Veranlagung Umwelteinflüsse und Infektionen. In einem komplexen Prozess kommt es dabei unter anderem zur Freisetzung von Eiweiß abbauenden Enzymen in den Zellen der Gefäßwände, so dass diese beschädigt werden.

Nach Angaben von Dr. Keihan Ahmadi-Simab können sich bei einer sorgfältigen körperlichen Untersuchung auch direkte Zeichen der Vaskulitis finden, z.B. als Hautveränderungen, die als Folge der Gefäßschädigung anzusehen sind. Die endgültige Diagnose ergebe sich aber erst aus der Gesamtbetrachtung der Symptome, dem Ergebnis von Blutwerten sowie einer Gewebeuntersuchung (Biopsie). Es gibt keinen einzelnen Marker, der eine Vaskulitis beweisen kann. Deshalb werden zahlreiche Laborparameter bestimmt. Häufen sich Warnzeichen wie Fieber und Gewichtsverlust, ist ein Besuch beim Rheumatologen  angeraten, um eine verlässliche Diagnose stellen zu können. Gegebenfalls sind weitere diagnostische Untersuchungen erforderlich, um den möglichen Befall von Organen wie Herz, Lunge oder Nieren abzuklären. Auch die Hauptschlagader (Aorta) kann durch die Vaskulitis geschädigt werden, so dass sich gefährliche Aussackungen (Aneurysmen) bilden, die früher oder später platzen können.

Das therapeutische Vorgehen richtet sich Dr. Keihan Ahmadi-Simab zufolge nach der Ausdehnung und Aktivität der Erkrankung, dem Ausmaß der Schädigung der Organe und der jeweiligen Prognose. Zur Behandlung werden immununterdrückende Mittel eingesetzt.Dies sollte unter enger ärztlicher Kontrolle geschehen, da gerade in der Anfangsphase einige unerwünschte Nebenwirkungen auftreten können. Oft bekommen Rheumatologen die Entzündungsprozesse innerhalb von wenigen Monaten in den Griff, so dass dann auf mildere Medikamente umgestiegen werden kann, die allerdings häufig noch über Jahre hinweg verabreicht werden müssen. Bei den sekundären Vaskulitiden, die auf andere Erkrankungen zurückzuführen sind und bei denen insofern auch unterschiedliche Organe beteiligt sein können, wird die Behandlung in erster Linie nach der jeweiligen Verlaufsform der zugrundeliegenden Krankheit ausgerichtet. Bei schweren Verläufen werden grundsätzlich stark immununterdrückende Mittel eingesetzt, um einen Rückgang der Symptome zu erwirken. Die Aussichten seien aber laut Ahmadi-Simab im Allgemeinen gut.

 


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