
Schilddrüsenüberfunktion
Behandlung
Die Auswahl der geeigneten Therapie ist abhängig von der Schwere der Erkrankung, Lebensalter und Allgemeinzustand der Patientin. Die Überfunktion der Schilddrüse ist eine ernste Erkrankung und sollte nur vom Facharzt behandelt werden.
Medikamentöse Behandlung
Die Medikamente zur Behandlung einer Überfunktion der Schilddrüse, so genannte Thyreostatika, entfalten 3 unterschiedliche Wirkmechanismen. Einige hemmen den Einbau von Jod bei der Hormonbildung. Andere reduzieren die Bildung von Schilddrüsenhormonen. Die letzte Gruppe verringert die Ausschüttung der Hormone in das Blut.
Über die Auswahl der Medikamentengruppe muss der Internist im Einzelfall entscheiden. Alle Medikamente wirken ausschließlich symptomatisch, d.h. die Ursache für die Überfunktion wird damit nicht behoben. Bei etwa 15-20% der Therapien treten als Nebenwirkungen Fieber, Hautrötungen, Gelenkschmerzen, Übelkeit, Magen-Darm-Beschwerden und Geschmacksverlust auf. In seltenen Fällen können die Medikamente die Leber schädigen oder die Bildung weißer Blutkörperchen beeinflussen.
Jodide hemmen den Jod-Einbau in die Schildrüsenhormone, werden allerdings nur zur Vorbereitung einer Operation oder kombiniert mit Medikamenten der anderen beiden Gruppen gegeben. Bei thyreotoxischen Krisen oder wenn andere Maßnahmen nicht greifen, wird auch heutzutage noch vereinzelt Lithium verabreicht, das allerdings bereits in kleinster Überdosierung zu Vergiftungen führen kann.
Durch eine Behandlung mit Perchlorat wird die Jod-Speicherfunktion verringert und die Wirkung des TSH aus der Hirnanhangdrüse verringert. Somit reduziert sich die Hormonproduktion in der Schilddrüse. Die Therapie ist schwierig, da es leicht zu einer Überdosierung kommen kann. Daher wird diese Wirkstoffgruppe in vielen Fällen auch nur in Vorbereitung auf eine Operation gewählt.
Thioharnstoffderivate (Thionamide), wie Carbimazol und Thiamazol, hemmen bestimmte Enzyme, die am Jod-Einbau in die Hormone beteiligt sind. Diese Wirkstoffe werden heute standardmäßig bei einer Schilddrüsenüberfunktion eingesetzt.
Vor allem bei Morbus Basedow hat sich die ergänzende Gabe von Betablockern bewährt, insbesondere um die Herztätigkeit zu normalisieren und die Dauerüberlastung abzubauen.
Nach wenigen Wochen kann eine Reduktion der Schilddrüsenhormone nachgewiesen werden, die Beschwerden gehen zurück. Allerdings müssen sich die Patienten auf eine ein bis 2-jährige Behandlungsdauer einstellen. Dies gilt nicht, wenn eine Autonomie Ursache der Erkrankung ist. In diesen Fällen wirken die Medikamente nur bei Dauereinnahme und somit sind eine Radio-Jod-Therapie oder Operation häufig vorzuziehen.
Radio-Jod-Therapie
Wenn eine Medikamentengabe nicht erfolgreich war oder eine Autonomie vorliegt, ist eine Radio-Jod-Therapie neben einer Operation die einzig verbleibende Möglichkeit. Die Behandlung erfolgt meist stationär in dafür ausgerüsteten Kliniken. Sie ist mit einer erheblichen Strahlenbelastung für die Patientin verbunden, die aus Strahlenschutzgründen eine Isolierung bis zu einer Woche erforderlich macht. Schwangere und stillende Patientinnen sollten aus diesem Grund eine Radio-Jod-Therapie während und bis 6 Monate nach einer Schwangerschaft unbedingt vermeiden.
Der Arzt spritzt den Betroffenen radioaktives Jod-131 in eine Vene oder verabreicht es als Kapsel. Das Jod reichert sich im Schilddrüsengewebe an und zerstört mit seiner radioaktiven Strahlung das Schilddrüsengewebe. Bei manchen Patientinnen löst dies jedoch eine Unterfunktion der Schilddrüse aus, der durch Einnahme von Schilddrüsenhormonen entgegengewirkt werden muss.
Nach aktuellem Wissenschaftsstand wird davon ausgegangen, dass eine Radio-Jod-Therapie bei sorgfältigem Einsatz die anderen Organe des Körpers nicht schädigt. Es sind bislang keine Zusammenhänge mit Krebserkrankungen bekannt.
Operation
Bei schwerem Krankheitsverlauf oder wenn die anderen Therapien nicht ausreichend waren, ist ein operativer Eingriff notwendig. Je nach Krankheitsbild wird dabei die Schilddrüse teilweise oder vollständig entfernt. Bei einer Teilentfernung bleiben Reste des Drüsengewebes sowie die Nebenschilddrüsen erhalten. Operationen an der Schilddrüse werden in Vollnarkose durchgeführt. Meist wird der Schnitt in einer Halsfalte ausgeführt, so dass die Narbe später kaum sichtbar ist.
Vor einer Operation wird die Schilddrüsenfunktion mit Medikamenten normalisiert, um eine thyreotoxische Krise zu verhindern. Reicht das verbleibende Gewebe nicht mehr für eine normale Hormonproduktion aus, kommt es zu einer Unterfunktion der Schilddrüse, die mit Gabe von Hormonen in Tablettenform, meist Levothyroxin, stabilisiert werden muss.


